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CES Las Vegas: Freundliche Übernahme

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Andreas Wehner

Vor Jahren wurden sie belächelt, doch mittlerweile gehören die Autohersteller zu den treibenden Kräften auf der Elektronikmesse. Fahren wird zur Nebensache. Selbst bei Mercedes.

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Macht auch auf den Straßen von Las Vegas eine gute Figur: der Mercedes F 015
Macht auch auf den Straßen von Las Vegas eine gute Figur: der Mercedes F 015
(Foto: Daimler)

Doch, es gibt sie noch, die echten Computer-Nerds, die auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mit dicken Hornbrillen über Speichergrößen, Taktraten von Prozessoren und PCI-Schnittstellen philosophieren. Doch eine neue Spezies bedroht den Lebensraum der Ureinwohner einer der wichtigsten Entertainment-Messen der Welt. Es sind Automobil-Manager mit mehr oder weniger perfekt geschnittenen Anzügen, rahmenlosen Brillen und einem spöttischen Zwinkern in den Augenwinkeln, wenn die Technik-Ur-Besucher auftauchen, die nur der Fernsehserie „Big Bang Theory“ entsprungen sein könnten.

Die Anzahl der dunkel gekleideten Männer auf dem CES wächst von Jahr zu Jahr. Mittlerweile ist die CES auch für Volkswagen, Mercedes, BMW & Co. eine wichtige Station des alljährlichen Schaulaufens der Autobauer. Kaum zu glauben, dass die meisten Autohersteller die Computermesse in der Spielerstadt vor ein paar Jahren noch belächelt haben.

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Trotz des wuchtigen Aufschlags der Autobauer hat die CES ihren eigentümlichen Charme nicht ganz verloren. Der Teppichboden der Messhallen hat immer noch das wenig beeindruckende bunte Muster. Wer oder was alles in den Fasern lebt, will man gar nicht wissen. Vor den Hallen entscheiden Schülerlotsen, wann eine Gruppe die Straße überqueren darf. Außerhalb der Gebäude riecht es nach Pommes-Frites-Fett und Hot Dogs. Neben den oftmals durchtrainierten Auto-Managern wirkt so manch übergewichtiger Computer-Enthusiast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Die CES lebt nach ihrem eigenen Biorhythmus. Laute Bässe wummern durch die Hallen, gebogene Flachbild-Fernseher mit einer Auflösung von 8.000 Pixeln ziehen die Menschenmassen magisch an. Smartphones blitzen und die Anordnung der Messestände hat nichts von dem ordentlichen Schachbrett-Muster einer Autoshow. Die Ausstellungsflächen sind bisweilen verschachtelt, wie das Labyrinth des Thesaurus und die Auftritte der Automobilisten sind hier eine Nummer kleiner und nicht so steril.

Der frisch gekürte Ford-Chef Mark Fields erinnert sich noch gut, als Ford 2007 die Zusammenarbeit mit Microsoft beim Infotainment-Konzept Sync bekannt gab. Von den Computer-Freaks wurde man kaum wahrgenommen; der Messestand war winzig. Zu rückständig schienen die archaischen Vehikel für die Bits-und-Bytes-Junkies. Doch das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Gerade die technikverliebten deutschen Premiumhersteller fahren auf der CES groß auf und auch die internationale Konkurrenz spielt mit. Fields, 2007 noch ein echter CES-Autopionier, hält in diesem Jahr eine der Keynote-Ansprachen. „Die Wünsche und Ansprüche der Kunden haben sich gewandelt“, erzählt der betont salopp gekleidete Fields.

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 Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Journalist