CES: Roboterautos scheitern (noch) an der Praxis

Technik für autonomes Fahren ist weiter gereift

| Autor: sp-x

Autos, Fahrräder, Fußgänger, öffentlicher Nahverkehr: Das autonome Auto muss viele Faktoren berücksichtigen, wenn es wirklich funktioneren soll.
Autos, Fahrräder, Fußgänger, öffentlicher Nahverkehr: Das autonome Auto muss viele Faktoren berücksichtigen, wenn es wirklich funktioneren soll. (Bild: Ford)

Bereits seit Jahren propagieren Autokonzerne, Zulieferer und andere Technologiefirmen die emissions- und fahrerlose Mobilitätszukunft. Vor allem die Elektronik-Messe CES in Las Vegas hat sich als die große Präsentationsplattform für entsprechende Technikinnovationen und visionäre Konzernstrategien etabliert. Das ist auch 2018 der Fall. In diesem Jahr zeigt die Branche innovative Stromer, autonome Fahrkünste und die Verkündung richtungsweisender Investitionen und Allianzen. Zwischen all den Ankündigungen scheint allerdings auch durch, dass das Roboterauto noch Zeit bis zum Masseneinsatz braucht.

Technisch gesehen sind Roboterautos eigentlich kein Hexenwerk mehr. Das haben Forschungsteams und Autohersteller bereits auf den von 2004 bis 2007 abgehaltenen Darpa-Challenges des US-Verteidigungsministeriums eindrucksvoll demonstriert. Mittlerweile kann als erstes ziviles Serienfahrzeug der Audi A8 ein Fahren in der dritten von insgesamt fünf Autonomiestufen ermöglichen. Serienautos auf Stufe 4, also dem vollautomatisierten Fahren, scharren bereits mit den Füßen. Unter anderem hat auf der CES 2018 das Start-up Byton fürs kommende Jahr die Markteinführung eines selbstfahrenden SUVs angekündigt, welches aber noch über Gas- und Bremspedal als auch Lenkrad verfügen wird.

CES 2018: Autonom, elektrisch und sprachgesteuert

Im bayerischen Bad Birnbach geht die Deutsche Bahn bereits noch einen Schritt weiter: Dort bringt seit Herbst 2017 ein Minibus auf einer lasergenau gescannten Teststrecke auf Autonomie-Level 4 die Passagiere von A nach B. Noch muss hier allerdings ein Fahrer an Bord sein, der nötigenfalls eingreifen kann.

Erklärtes Ziel in der Entwicklung ist der Bau autonomer Autos, die Level 5 beherrschen. Diese Roboterautos sollen dann auf Lenkrad oder Bremspedal verzichten. Ein Fahrer wäre damit überflüssig. Die Fahrzeuge technisch mit dem entsprechenden Rüstzeug auszustatten, ist bereits heute möglich, allerdings dürften die Kosten dafür vorläufig noch recht hoch sein. Das wesentlich größere Problem: Die Infrastruktur in den Städten ist noch nicht ansatzweise auf solche Fahrzeuge ausgerichtet.

Autonomes Fahren muss viele Faktoren vernetzen

Das weiß auch der Autokonzern Ford, der auf der CES angekündigt hat, eine Plattform ins Leben zu rufen, die Aktivitäten auf vielen verschiedenen Ebenen und mit verschiedenen Akteuren bündeln soll, um die Voraussetzungen für eine grundlegende Neudefinition von Mobilität in Städten überhaupt zu schaffen. Kommunen, Städteplaner, Technologen, Designer – in vielen Bereichen müssen Strategien gebündelt und koordiniert werden. Eine gewaltige Herausforderung.

Doch soll damit nach Meinung von Ford ein Wandel einhergehen, der es den Menschen erlaubt, Städte wieder lebenswert zu machen. Der Autokonzern Ford, der wie kein anderer symbolhaft für den Siegeszug des Automobils steht, will daran arbeiten, die Städte für den Menschen zurückzuerobern und die Renaissance der lebendigen Straße einzuleiten. Dabei soll die von Ford geplante Plattform helfen, Infrastruktur, Robotertaxis, Fahrdienste und den öffentlichen Nahverkehr zu verknüpfen. Unter anderem muss dafür alles mit allem kommunizieren können. Wann und wo allerdings aus dieser Masterplan-Idee die Grundlagen für den massenhaften Betrieb von Roboterautos geschafft werden könnten, bleibt offen.

Etwas konkreter wird man bei der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. 2024, so die Hoffnung, könnte das Robotertaxi zur Wirklichkeit im Alltag werden. Allerdings weiß man auch hier, dass es dazu einer großen Orchestrierung verschiedener Akteure und Bereiche bedarf. Auf der CES hat Allianz-Chef Carlos Ghosn deshalb angekündigt, in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Dollar in eine Plattform zu investieren, in der Start-ups und die drei Autokonzerne gemeinsam an dieser Zukunft arbeiten können.

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