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Charme-Offensive soll Zulassungsstellen länger offenhalten

Autor / Redakteur: Nick Luhmann / Doris Pfaff

Weil die reduzierte Mehrwertsteuer nur bis Jahresende gilt, könnten viele Kunden noch auf den letzten Drücker ein Auto kaufen und zulassen wollen. Gleichzeitig droht eine vorzeitige Schließung der Ämter in der Weihnachtszeit. Mehr Verständnis für die Nöte des Kfz-Gewerbes will nun der Landesverband Baden-Württemberg schaffen.

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Wer sich noch in diesem Jahr für einen Autokauf entscheidet, kann von der gesenkten Mehrwertsteuer noch bis zum 31. Dezember profitieren.
Wer sich noch in diesem Jahr für einen Autokauf entscheidet, kann von der gesenkten Mehrwertsteuer noch bis zum 31. Dezember profitieren.
(Bild: Promotor Volz)

Wenn die Senkung der Mehrwertsteuer wie geplant zum Jahresende ausläuft, werden Kunden versuchen, ihren Autokauf unbedingt noch vor dem Jahreswechsel abzuschließen. Sie profitieren nur vom gesenkten Mehrwertsteuersatz, wenn die Rechnung noch in diesem Jahr bezahlt wird. Das macht ein Autokäufer bei der Fahrzeugübergabe, nachdem das Auto zugelassen wurde. Insofern ist der Zeitpunkt der Zulassung entscheidend für den Steuervorteil, von dem der Kunde profitieren möchte.

Um eine weitere Zuspitzung der ohnehin bestehenden Engpässe in den Zulassungsstellen zu vermeiden, appelliert Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, an die Verantwortlichen in den Kommunen, die Ämter an dem letzten vollen Werktag vor dem Jahreswechsel, dem 30. Dezember, möglichst lange offen zu lassen.

Beuß setzt dabei auf Verständnis. „Mit einer Charme-Offensive bei den Landratsämtern wollen wir zusammen mit unseren Innungen erreichen, dass die Zulassungsstellen zwischen den Jahren und vor allem am 30. Dezember möglichst lange geöffnet bleiben“, sagte er.

Dazu werden sich die Innungen in den nächsten Tagen direkt an die Landräte, die Stadtoberhäupter und Oberbürgermeister wenden, um sie auf die Situation des Kfz-Handels und den Bezug zur Mehrwertsteuersenkung aufmerksam zu machen.

Langer 30. Dezember gefordert

„Dafür ist die Zulassung Voraussetzung. Deshalb kann es zu Streitigkeiten zwischen Händlern und ihren Kunden führen, wenn der Kunde einen solchen, durch geschlossene Zulassungsstellen verursachten Preisnachteil nicht tragen will. Wir setzen daher auf den langen 30. Dezember, weil Öffnungen am 31. Dezember auf personalrechtliche Vorschriften stoßen, die das eher unmöglich machen“, so Beuß. Er sei sicher, dass die Innungen mit diesem Wunsch auf offene Ohren stoßen.

Er wies noch einmal auf die Bedeutung für den Autohandel hin: „Für den Handel sind lange Wartezeiten generell mit hohen Kostenbelastungen verbunden. Verkaufte Fahrzeuge müssen durch den Händler zwischenfinanziert werden. Je nach Preis und Anzahl der Fahrzeuge stellt das für die betroffenen Autohäuser eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Dazu kommt, dass auch an Umsatzzahlen gebundene Händlervergütungen datumsabhängig sind. Verzögerungen bei der Zulassung speziell zum Jahresende können hier zu massiven finanziellen Einbußen für das ohnehin schon Corona-belastete Geschäftsergebnis 2020 führen.“

Es gibt auch Positiv-Beispiele

Diese Position werde auch bundesweit in einer gemeinsamen Aktion vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und der IG Metall vertreten. „Die Zulassungsstellen nehmen eine Schlüsselstellung ein, wenn es darum geht, in den nächsten Wochen das wirtschaftliche Überleben der Autohäuser und den Erhalt von Arbeitsplätzen zu sichern“, sagte Beuß.

Eine Umfrage des ZDK zur Zufriedenheit der Kfz-Betriebe mit den Abläufen in den Zulassungsstellen unter Corona-Bedingungen hatte die baden-württembergischen Zulassungsstellen mit der Note 3,1 bewertet: „Das heißt, es gibt Zulassungsstellen, die stark verbesserungsbedürftig sind, und solche, die alles perfekt im Griff haben. Jetzt kommt es darauf an, im Interesse aller Autokäuferinnen und -käufer und unserer Betriebe überall am gleichen Strang zu ziehen.“

Auch das Kfz-Gewerbe Bayern befürchtet einen von der Mehrwertsteuerumstellung getriebenen Zulassungsstau zum Ende des Jahres und forderte die Ämter auf, nicht durch vorzeitige Schließungen die Situation zu verschärfen.

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