Presse: Audi-Händler in China boykottieren importierte Autos

Autor Christoph Seyerlein

Der Streit zwischen Audi und einigen seiner Partner in China droht zu eskalieren. Die Händler sind verärgert über die Pläne des Herstellers, in dem Land ein zweites Joint-Venture einzugehen. Nun gibt es einem Medienbericht zufolge einen Boykott.

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(Bild: Audi)

Der Streit zwischen Audi und seinen Händlern in China spitzt sich weiter zu. Wie die Zeitung „China Daily“ berichtet, verweigern viele chinesische Audi-Partner, importierte Autos des Herstellers anzunehmen. Hintergrund ist das Vorhaben der Ingolstädter, neben dem bestehenden Joint-Venture mit FAW eine zusätzliche Partnerschaft mit SAIC einzugehen.

Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf Insiderquellen. Den Angaben zufolge beteiligen sich bereits mehrere Dutzend der insgesamt 450 autorisierten Audi-Händler an dem Boykott. Weitere dürften folgen. Die Partner fürchten laut „China Daily“ um ihre Existenz, sollte Audi über die geplante Kooperation mit SAIC ein zweites Händlernetz aufbauen.

Audi selbst zeigte sich über den Bericht erstaunt. Auf Anfrage von »kfz-betrieb« sagte ein Sprecher der Ingolstädter: „Wir können die Berichterstattung der „China Daily“ nicht nachvollziehen.“ Der Hersteller befinde sich mit seinen chinesischen Partnern in konstruktiven Gesprächen. Zwar planten einige Händler ihr Geschäft derzeit etwas zurückhaltend, „von einem Boykott kann aber keine Rede sein“, so der Sprecher.

Audis Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter hatte die Pläne mit SAIC kürzlich bei der Bilanzkonferenz des Herstellers als „weitreichende strategische Entscheidung“ bezeichnet. Bis zur Umsetzung würde es noch einige Zeit dauern. Offenbar hat das die Partner in China aber nicht – wie erhofft – beruhigt. Stattdessen zeigten diese sich in einem offenen Brief vom 20. März an den Hersteller „geschockt“. „Das Audi Management hat sich weder ausreichend auf die Veränderung im chinesischen Premiummarkt, noch auf die Fortschritte der Konkurrenz in den vergangenen Jahren eingestellt“, zitiert „China Daily“ aus dem Schreiben der Händlervertretung.

Audi zuletzt mit großen Absatzeinbußen in China

Bereits vor wenigen Wochen, am 16. Februar, hatte die Vertretung einen ersten Brief an Audi geschickt. Darin hatten Partner vom Hersteller gefordert, sich auf das ausgegebene Ziel zu konzentrieren, eine Million Autos in China zu verkaufen, bevor man eine zusätzliche Partnerschaft ins Auge fasse. Einige sollen sogar Kompensationszahlungen von Audi gefordert haben, da der Autobauer hinter den Erwartungen zurückbleibe. Im vergangenen Jahr hat Audi 589.000 Neuwagen in China ausgeliefert, das Reich der Mitte ist mit Abstand der größte Markt der Marke mit den vier Ringen. Mit einem zweiten Joint-Venture könnte Audi die Schlagzahl vor Ort deutlich erhöhen, der Hersteller sieht darin den entscheidenden Hebel für weiteres Wachstum.

Die drohende Eskalation des Streits dürfte Audis Absatzzahlen in China zunächst aber weiter belasten. Bereits in den ersten beiden Monaten 2017 lag dieser kumuliert mit 67.336 Einheiten fast ein Viertel unter dem Vorjahresniveau. Experten halten es sogar für möglich, dass Audi seinen Spitzenplatz im chinesischen Premiummarkt erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten einbüßen könnte.

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