Chinesen drängen auf den Weltmarkt

Autor / Redakteur: gr/dpa / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Seit den Modell-Präsentationen von Qoros und Changan auf dem Genfer Salon und auf der IAA ist China wieder ein Branchenthema. Das bestätigt auch eine Umfrage unter chinesischen Führungskräften.

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(Foto: Baeuchle)

Seit Jahren rechnen Experten immer wieder mit einem Markteintritt chinesischer Autohersteller in Europa. Bislang waren die Anläufe gescheitert – nicht zuletzt an der Qualität der Fahrzeuge. Inzwischen mehren sich die Anzeichen erneut, dass Autos nicht mehr lange auf einer Einbahnstraße von Europa nach China fahren werden. Zumindest sehen das chinesische Führungskräfte so, die im Rahmen einer EY-Studie (früher Ernst & Young) befragt wurden.

Laut der Studie erwarten 87 Prozent der Vertreter von Autoherstellern und -zulieferern in China, dass die Bedeutung chinesischer Unternehmen auf dem Weltmarkt steigen wird. 78 Prozent rechnen damit, dass chinesische Automarken in Europa und Amerika Fuß fassen werden. Und jeder vierte erwartet, dass in den kommenden fünf Jahren auch in Europa und Amerika in größerem Umfang Fahrzeuge aus China verkauft werden. „Ich halte das für sehr realistisch“, sagte EY-Autoexperte Peter Fuß. Bislang sind die meisten chinesischen Unternehmen der Branche allerdings noch nicht global aktiv.

Qoros 3: Chinesischer Hoffnungsträger
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„Die chinesische Autoindustrie wird sich in den kommenden Jahren zunehmend zu einem führenden Player ... entwickeln“, prophezeit EY-Partnerin Yi Sun. Denn die Branche trete kräftig aufs Gas: Während in den vergangenen drei Jahren nur jeder sechste chinesische Hersteller oder Zulieferer außerhalb Chinas investiert habe, wollten in den kommenden drei Jahren fast die Hälfte der Zulieferer (47 Prozent) und knapp ein Drittel (31 Prozent) der Hersteller im Ausland zukaufen, Kooperationen eingehen oder auf eigene Faust den Markteintritt wagen.

Immerhin konnte kürzlich der Autobauer Qoros beim europäischen Crashtest mit der Höchstnote überraschen – und damit beweisen, dass in Chinas Autowerken auch Qualität vom Band rollen kann. Spätestens 2015 will Qoros den deutschen Markt in Angriff nehmen – mit Preisen deutlich unter denen europäischer Vergleichswagen. Ein erster kleinerer Testlauf ist bereits in der Slowakei gestartet, wo der Qoros 3 laut einem Pressebericht bereits erhältlich ist.

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Auf der IAA in Frankfurt hatte sich von den chinesischen Herstellern nur Changan der Öffentlichkeit gezeigt und die Messe genutzt, um ein neues SUV vorzustellen. Die Reaktionen fielen nicht berauschend aus, die optische Anmutung ist Durchschnitt. Allerdings waren auch die Japaner und Koreaner in ihren Anfangszeiten nicht unbedingt durch Stilikonen aufgefallen.

In ihrer Heimat setzen Hersteller wie Changan, Wuling (Joint Venture mit General Motors), Chery, Great Wall, BYD Auto oder Geely jährlich jeweils Hunderttausende Autos ab. Dagegen sind sie in anderen Teilen der Welt noch weitgehend unbekannt. Die befragten Manager wissen, warum: 92 Prozent sehen Nachholbedarf bei der Qualität, 89 Prozent bei der Stärkung der Marken, und nach Ansicht von 87 Prozent der chinesischen Automanager benötigt Chinas Autoindustrie mehr technologisches Know-how.

Aus Wettbewerbsaspekten sollten die etablierten Hersteller aufpassen, rät EY-Autoexperte Fuß. „Die Konkurrenz aus Fernost könnte sich in puncto Innovation und Markterfolg schneller zum ernst zu nehmenden Wettbewerber mausern, als so mancher in Europa, Japan und den USA es wahrhaben will. Dabei hilft der Erfahrungsaustausch mit westlichen Unternehmenspartnern, aber auch das Know-how westlicher Manager und Ingenieure, die von chinesischen Firmen angeworben werden.“ Derzeit verfüge die europäische Autoindustrie aber noch über einen erheblichen Know-how-Vorsprung und sei der chinesischen Konkurrenz noch weit überlegen.

Bislang ist China für die deutsche Autoindustrie vor allem ein gigantischer Markt – und der größte Automarkt der Welt hat noch immer ein enormes Potenzial: Zwischen 2005 und 2012 hat sich der Absatz fast vervierfacht, nach den Prognosen der befragten Automanager wird der Pkw-Absatz in China schon im Jahr 2015 auf etwa 20 Millionen Fahrzeugen klettern – nach 15,5 Millionen im vergangenen Jahr.

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