Chinesische Autos so sicher wie Jaguar

Autor / Redakteur: Andreas Grimm/dpa / Andreas Grimm

Im neuen EuroNCAP haben zwei Pkw chinesischer Hersteller vier Sterne erhalten. Damit heben sie sich deutlich von den früheren „China-Krachern“ ab - und müssen sich vor etablierten Herstellern nicht verstecken.

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Der MG6 im EuroNCAP-Crashtest.
Der MG6 im EuroNCAP-Crashtest.
( EuroNCAP )

Die Chancen für chinesische Fahrzeuge auf dem europäischen Markt steigen. In einem aktuellen EuroNCAP-Test haben zwei Modelle chinesischer Hersteller vier Sterne erhalten, der Geely Emgrand EC7 und der MG6. Damit schnitten sie in dem Testfeld mit 14 Modellen ebenso gut ab, wie der Jeep Grand Cherokee und der Jaguar XF. Das Sicherheitsargument, bisher für die Masse der Konsumenten ein Ausschlusskriterium für ein chinesisches Automobil, verliert damit an Wirksamkeit.

Alle Ambitionen, chinesische Fahrzeuge auf dem europäischen Markt zu platzieren, waren bislang gescheitert. Hauptkriterium für die Verbraucher war dabei die mangelnde Sicherheit der Passagiere im Falle eines Unfalls. Landwind und Brilliance fuhren buchstäblich gegen die Wand - und auch der zweite Versuch von Landwind überzeugte nicht.

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Fünf Sterne für Chinesen absehbar

Die vier Sterne für MG6 und Geely Emgrand EC7 seien dagegen beachtbare Ergebnisse, die „den Wunsch ihrer Hersteller unterstreichen, aus dem Sicherheitsdilemma in Europa herauszukommen“, heißt es in einer Mitteilung der EuroNCAP-Organisation. „Die Ergebnisse sind ein Meilenstein für die chinesische Automobilindustrie“, sagte EuroNCAP-Generalsekretär Michiel van Ratingen. Dies sei ein deutliches Zeichen, dass die chinesischen Autobauer aus den bisherigen Erfahrungen gelernt und schnell in die Sicherheit ihrer Fahrzeuge investiert hätten. Er erwarte in absehbarer Zeit Fahrzeuge, die fünf Sterne erreichen.

Im Vergleich der beiden Chinesen ist das Geely-Modell näher am fünften Stern als der MG6. Der Emgrand erreicht 75 Prozent der möglichen Punkte bei der Fahrersicherheit. Vor allem im Fuß und Beinbereich besteht hier noch Nachholbedarf. Kinder fahren in dem Auto genauso sicher wie in vielen anderen Fünf-Sterne-Modellen (80 Prozent). Beim Fußgängerschutz (42 Prozent) hat das Auto genauso Nachholbedarf wie ein Range Rover Evoque oder ein Seat Mii. Und bei den Sicherheitsassistenten liegt der Emgrand mit 86 Prozent sogar in der Spitzengruppe.

Der im britischen Longbridge gebaute MG6 liegt in Punkte Insassensicherheit (73 Prozent) in etwa gleichauf mit dem Geely-Modell. Gleiches gilt für den Fußgängerschutz (42 Prozent). Dagegen fahren Kinder in dem Sportwagen unsicher. Mit 71 Prozent der erreichbaren Punktzahl wird der MG in dieser Kategorie nur noch vom Jeep Grand Cherokee unterboten (69 Prozent). Hinsichtlich der Sicherheitsassistenz (71 Prozent) liegt der britische Chinese ebenfalls unter dem Durchschnitt der getesteten 14 Fahrzeuge.

Renault Fluence ZE nicht besser

Vergleichbar in ihren Ergebnissen sind die beiden Chinesen damit überraschenderweise mit der Elektrolimousine Renault Fluence ZE, die die erwarteten fünf Sterne nicht erreichte. Auch dieses Fahrzeuge - das Produkt eines etablierten europäischen Autobauers, der mit E-Fahrzeugen künftig punkten will - unterpunktete in puncto Fußgängersicherheit, aber auch in der Fahrer- und Insassensicherheit.

Mit diesen Ergebnissen bekommt der Befund von Beobachtern der derzeit laufenden Automesse im südchinesischen Kanton, dass die Chinesischen Autobauer nicht aufzuhalten sein werden, zusätzliches Gewicht. „Die Chinesen werden nicht aufzuhalten sein“, hatte CAR-Direktor Ferdindand Dudenhöffer gegenüber der dpa geäußert. Angesichts der soeben in Bulgarien eröffneten Great-Wall-Fabrik geht er davon aus, dass chinesische Autos schon 2015 auf den Straßen Osteuropas klar erkennbar sein werden.

Speziell Geely gilt nach dem Erwerb von Volvo als „potenziell aggressiver Wettbewerber“ für die etablierten Marken in Europa. Das Muster ist dabei klar: Durch die Übernahme angeschlagener europäischer Autounternehmen wollen sich die Chinesen auch nötige Technologie sichern. Nicht umsonst blockiert etwa derzeit General Motors den Verkauf des schwedischen Autobauers Saab nach China. Um zu verhindern, dass seine Technik den Chinesen in die Hände fällt, will General Motors seine Lizenzen für Saab-Bauteile nicht verlängern.

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