Pkw-Handel Chipkrise gefährdet zunehmend Händlerexistenzen

Autor: Andreas Grimm

Keine Ware und unzufriedene Kunden – der Pkw-Handel hat ernste Probleme. Nun fordert der ZDK von den Herstellern umgehend bessere Perspektiven. Neben den akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten droht ansonsten langfristig ein weiteres gravierendes Problem.

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Leere Schauräume – aufgegebene Betriebe: Die fehlende Neuware im Pkw-Handel gefährdet zunehmend die Existenz von Kfz-Betrieben.
Leere Schauräume – aufgegebene Betriebe: Die fehlende Neuware im Pkw-Handel gefährdet zunehmend die Existenz von Kfz-Betrieben.
(Bild: Adam Dodd)

Der Pkw-Handel fühlt sich von den Herstellern zunehmend allein gelassen mit den Problemen, die durch die Lieferschwierigkeiten entstehen. Fehlende Neu- und im Nachgang weniger Gebrauchtwagen führen zu verärgerten Kunden, verunsicherten Mitarbeitern und wirtschaftlichen Einbußen für die Betriebe. In dieser Situation fordert der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die Hersteller nun zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf.

Aus Sicht des Handels, das machen Gespräche der Redaktion mit Inhabern und Geschäftsführern deutlich, entsteht mehr und mehr der Eindruck, dass die Betriebe für die Versäumnisse in der Beschaffungspolitik der Hersteller geradestehen müssen. Das wäre nicht akzeptabel, heißt es dazu vom ZDK. „Der Autohandel in Deutschland braucht eine kurzfristige Perspektive, sonst stehen Existenzen auf dem Spiel“, fordert ZDK-Präsident Jürgen Karpinski jetzt in einer Pressemitteilung.

Die Sorge ist groß, denn der ZDK erwartet inzwischen, dass sich durch die Situation in den nächsten Wochen und Monaten eher noch weitere Beeinträchtigungen als Besserungen ergeben. Die aktuell große Nachfrage nach Neufahrzeugen könne folglich nicht annähernd bedient werden – mit einer Verschärfung der erwähnten bekannten Folgen.

Der Blick auf die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) aus dem vergangenen Monat verdeutlicht die Lage: Mit 197.000 Pkw lagen die Neuzulassungen im September bereits 25,7 Prozent unter dem Vergleichswert im Vorjahresmonat. Das ist der schwächste September-Wert seit 30 Jahren. Und auch der Gebrauchtwagenmarkt wird zunehmend schwierig. Bereits im August drehte die Zahl der Pkw-Besitzumschreibungen auf Jahressicht ins Minus. Im September verschärfte sich die Situation.

„Nicht nur unsere Kollegen haben große Sorge, sondern auch unsere Kunden haben kein Verständnis mehr für unsere Aussagen und Vertröstungen. Uns laufen nicht nur die Kunden, sondern auch die Verkäufer weg“, mahnt ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. So stehe der Handel vor großen Herausforderungen. Nach dem monatelangen Lockdown zu Beginn des Jahres hätten die Händler auf ein starkes zweites Halbjahr gehofft. Nun fehlten die Umsätze, Bonusziele seien nicht erreichbar, und das komplette Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen sei wohl erst in einigen Monaten abschätzbar.

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 Andreas Grimm

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Fachredakteur Management & Handel, Redaktion »kfz-betrieb«