Chrysler-Händler wollen eigenständig bleiben

Autor / Redakteur: Stephan Richter / Andreas Grimm

Weg von der Verbandspolitik, zurück zu Händlerfragen: Auf dem Verbandstag der Chrysler-Händler standen die neuen Händler- und Serviceverträge im Fokus. Immerhin: „Es hätte schlimmer kommen können“.

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Der Vorsitzende des bisherigen Chrysler-Händlerverbands, Peter Jakob, erläuterte den Chrysler- und Lancia-Partnern die Situation.
Der Vorsitzende des bisherigen Chrysler-Händlerverbands, Peter Jakob, erläuterte den Chrysler- und Lancia-Partnern die Situation.
( Archiv: Vogel Business Media )

Einstimmiges Votum auf der Sitzung des Chrysler-Händlerverbands (CHV) in Fulda: Keine Fusion mit dem Lancia-Händlerverband. Statt dessen will man mit der Marke Jeep eigenständig bleiben. „Wir haben die Vor- und Nachteile abgewogen und sind der Meinung, dass zum heutigen Stand zwei Verbände nach wie vor die bessere Lösung sind“, sagte Vorstandsmitglied Adrian Glöckner.

ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann regte die Chrysler-Händler hingegen dazu an, mittelfristig über einen Zusammenschluss nachzudenken. „Ich habe oft erlebt, dass ansonsten zwei Verbände gegeneinander ausgespielt wurden. Wie die Struktur dieses Verbands aussehen könnte, ist ein anderer Punkt.“

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Näher liegt den bisherigen Chrysler-Händlern die Frage des Übergangs zu Lancia. „Hier wird es heute keine Antworten geben“, hatte es pessimistisch noch im Vorfeld geheißen. Mit dem Wechsel des Verbands zur Kanzlei „Wille Rechtsanwälte“ bekamen die Händler jedoch von Rechtsanwalt Dr. Andreas Nodoushani viele Informationen zu den Ausgleichansprüchen gegenüber der Mercedes-Benz-Bank.

Alle Händler, die nur den Service-Vertrag unterschreiben wollen, informierte Dr. Nodoushani, dass sie Original-Ersatzteile sowie Neuwagen zurückgeben können. „Ihr Vertragspartner existiert weiterhin. Daher können Sie Ihren Rückgabeanspruch geltend machen.“ Die Partner, die einen Händler- und einen Servicevertrag unterschreiben, haben keinen Anspruch auf eine Rückgabe.

Juristische Bewertung der neuen Verträge

Zudem gab der Fachanwalt seine Einschätzung zu den neuen Händlerverträgen aus rechtlicher Sicht. Einige Punkte wären „anders schöner gewesen“, insgesamt seien die Händlervertrage jedoch akzeptabel, so Dr. Nodoushani. „Jetzt liegt es Ihnen zu überlegen, ob sie an die Marke glauben. Es ist kein Vertrag, von dem ich Ihnen dringend abraten könnte, ihn zu unterschreiben.“

Zu den erwähnten Punkten zählen unter anderem im Vertrag festgelegte Servicemaßnahmen und Schulungen für die Mitarbeiter. Auch die vorgeschriebenen getrennten Arbeitsplätze für Lancia- und Jeep ist für viele Händler kritikwürdig.

Bis zur Jahresmitte 2013 haben die Händler nun Zeit, die vorgeschriebenen Standards zu erfüllen. Bis dahin muss der Hersteller alle neuen oder angepassten Standards mit dem Händlerverband abstimmen. Zum 1. Juni erhalten die Händler zunächst ein kostenfreies Starterkit mit Logoelementen, Prospektständern sowie der Außensignalisation, sodass laut Fiat keine weiteren Investitionen notwendig sind.

Vor Vertriebsvertrag die Alternativen abschätzen

Peter Jakob, der Vorsitzende des Chrysler-Händlerverbands, gab den Händler hinsichtlich der Verträge nur eine Empfehlung: „Wenn Sie bessere Alternativen haben, dann nehmen Sie die und unterschreiben nicht. Sollten Sie keine haben, dann unterschreiben Sie und probieren die Marke aus. Bis 2013 haben Sie noch Zeit, sich über Investitionen in die neuen Standards Gedanken zu machen. Bis dahin gilt eine Übergangsregelung.“

Viele Händler gaben gegenüber »kfz-betrieb ONLINE« zu verstehen, dass sie ausschließlich den Service-Vertrag unterschreiben wollen. Neufahrzeuge könnten sie ihren Kunden auch ohne Händlervertrag besorgen. Zwar wäre für viele auch ein Vertriebsvertrag für Jeep denkbar, den Fiat aber bislang nicht losgelöst von Lancia anbietet. „Leider sind von Fiat-Seite aus noch viele Fragen offen geblieben. Trotzdem sollen wir dem Hersteller Vertrauen schenken“, sagte ein enttäuschter Händler.

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Margensystem mit hohen Zielen

Über das neue Margensystem informierte Vorstandsmitglied Dr. Rainer Zschocke: „Es hätte schlimmer kommen können“, lautete sein Fazit. Er kritisierte, dass Fiat Boni für Neuwagen erst ab 20 Einheiten (Jeep) bzw. 40 Fahrzeugen (Lancia) zahlt. „Dies sind ambitionierte Ziele, Fiat hält dieses System aber für praktikabel und ist nicht bereit, die Volumenstaffel anzupassen“, so Zschocke.

Zudem entfällt mit den neuen Verträgen die Restwertabsicherung, die sechsjährige Anschlussgarantie sowie die Vorführwagenunterstützung. „Vieles rechnet sich erst ab einer bestimmten Stückzahl“; sagte Zschocke. Andererseits werden Schulungen künftig an drei Orten in Deutschland angeboten, deren Kosten pro Schulmanntag von 210 Euro auf zirka 150 Euro sinken.

Neben diesen Diskussionen stellte CHV-Geschäftsführerin Jana Schlötzer den Kassenbericht vor. Da die Kassenprüfung keine Fragen offen ließ, entlasteten die Mitglieder den Vorstand.

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