Citroën DS 5: Göttin mit kleinen Eigenheiten

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Der Dieselhybrid der Franzosen im Fahrbericht: Mit dem schicken Viertürer beweist Citroën technische Kompetenz – und viel Mut.

Ein Hybrid an der Diesel-Zapfsäule? Mit dem Citroën DS 5 geht das. (Foto: Rosenow)
Ein Hybrid an der Diesel-Zapfsäule? Mit dem Citroën DS 5 geht das. (Foto: Rosenow)

Wer glaubt, dass Citroëns Premium-Offensive unter dem Label DS sich in leicht abgewandelten Großserienautos mit etwas zuviel Chrom-Chichi erschöpft, der sollte sich den neuen DS 5 Dieselhybrid anschauen. Denn fast wie zu Zeiten des ersten DS wird dessen expressives Design durch eine technische Ausstattung ergänzt, die es so noch nirgendwo anders gibt und die – trotz einiger Eigenheiten – in der Summe ihrer Eigenschaften durchaus zu überzeugen weiß.

Als erster Autohersteller hat sich die Citroën-Konzernmutter PSA dazu entschlossen, einen Hybridantrieb auf Basis eines Dieselmotors zu bauen. Diese Kombination verspricht äußerst niedrige Verbrauchswerte, ist aber gleichzeitig teuer in der Produktion. Auch die Konfiguration des Antriebs ist derzeit noch einzigartig in der Autowelt, denn die Ingenieure setzen auf den sogenannten Axle Split: Im Motorraum sitzt nur der herkömmliche Verbrennungsmotor, während der elektrische Antrieb ausschließlich auf die Hinterachse wirkt. So lässt sich nicht nur ein Hybrid realisieren, sondern den Allradantrieb gibt es quasi kostenlos dazu.

Lange Schaltpausen, aber kein Nicken

Noch eine französische Eigenheit ist das eigentlich überholte automatisierte Getriebe. Es zeichnet sich durch einen hohen Wirkungsgrad aus, schaltet aber nach wie vor recht langsam und mit Zugkraftunterbrechung.

Im Vergleich zu den bisher bekannten „integrierten“ Hybridantrieben – wo die elektrische Maschine entweder direkt auf die Kurbelwelle wirkt oder über ein Planetengetriebe in den Antriebsstrang eingreift – ist die eigenwillige Bauweise des DS 5 Hybrid im Fahrbetrieb durchaus zu spüren. Beispielsweise das Getriebe: So lange Schaltpausen sind die Autofahrer im Zeitalter der Doppelkupplungsautomaten einfach nicht mehr gewöhnt – und entsprechend stark fiel dieser Punkt den unterschiedlichen Fahrern auf. Immerhin „füllt“ der Elektromotor das Drehmomentloch während des Schaltvorgangs und erspart den Insassen so das früher obligatorische Kopfnicken. Im Stadtverkehr nervt zudem die Diskrepanz zwischen dem flüsterleisen Elektromotor und dem ruppigen Diesel, der sich bei höherer Geschwindigkeit automatisch zuschaltet. Auch hält das Getriebe den Gang manchmal zu lange fest, auch wenn der Fahrer schon gar nicht mehr beschleunigt.

Doch der Antrieb des Citroën hat auch viele positive Seiten: Mag das Getriebe so sein, wie es ist – ist der richtige Gang einmal drin, erfolgt die Kraftabgabe schön linear. Jaulendes Hochdrehen wie bei stufenlosen Getrieben gibt es nicht.

Erstaunlich große elektrische Reichweite

Toll ist auch die elektrische Fahrfunktion: Bei nahezu voller Batterie (100 Prozent Ladezustand zeigte das Instrument allerdings nie an) reichte der Saft bei ruhiger Fahrweise für rund fünf Kilometer. Für die meisten Strecken in der Innenstadt reicht das aus. Im Fahrmodus „Sport“ sorgen die 163 PS des Diesels und die 37 PS des E-Motors dann für bulligen Durchzug – allerdings verstärkt sich hier noch die Neigung des Getriebes zu hohen Drehzahlen.

Und der Verbrauch? Citroën gibt einen Wert von 3,8 Litern auf 100 Kilometern im NEFZ an. Der ADAC erreichte im Durchschnitt 4,77 Liter – keine schlechte Zahl für einen Hochdachkombi mit einem Mindestgewicht von 1.735 Kilogramm. Bei scharfer Autobahnfahrt – der Achillesferse bisheriger Hybridantriebe – profitiert der DS 5 von seiner Axle-Split-Bauweise: Die Elektroeinheit schaltet sich komplett aus und überlässt dem genügsamen Diesel das Feld: Selbst bei Dauertempo 200 reichen rund acht Liter auf 100 Kilometern.

Fazit: Der DS 5 Dieselhybrid trägt das legendäre Kürzel DS zurecht. Sein Hybridantrieb überzeugt sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn. Nur in puncto Komfort hinkt er den Konkurrenten hinterher. Aber kleine Eigenheiten haben dem Erfolg der ersten DS ja auch nicht geschadet.

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