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Classic Trader: Fiat Bartoletti 306/2 – der schlafende Riese

| Autor: Steffen Dominsky

Einen echten Playboy-Grafen, mehrere Rennteams, einen Hollywood-Kinofilm und vieles andere mehr: Ein 70 Jahre alter Renntransporter hat viel erlebt und weiß zahlreiche Geschichten zu erzählen.

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Großer Wagen mit großer Geschichte: Der Fiat Bartoletti 306/2 weiß viel zu erzählen.
Großer Wagen mit großer Geschichte: Der Fiat Bartoletti 306/2 weiß viel zu erzählen.
(Bild: ChromeCars)

Er sollte 24 Jahre im Dornröschenschlaf verbringen, bis er wieder wachgeküsst wurde. Don Orosco, ein Sammler von Fahrzeugen und Devotionalen der Marke und des Rennsportteams Scarab, fand ihn, kaufte ihn und erweckte ihn zu neuem Leben: den Fiat Bartoletti 306/2, einen einst glanzvollen, mittlerweile aber verwahrlosten Renntransporter. Zum Glück brachte der neue Besitzer nicht nur die Leidenschaft für die Historie dieses besonderen Gefährts mit, sondern auch genug Mittel, um den Transporter wieder aufzubauen. Zwei Jahre, mehr als 8.000 Arbeitsstunden und etwa 600.000 US-Dollar später erstrahlt der blaue Riese im Concours-Zustand.

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Der berühmte Renntransporter geht auf den Bus Fiat 306 zurück, der in drei Serien ab 1956 gebaut wurde. Üblicherweise lieferte Fiat nur das Chassis und die Unterflur-Antriebseinheit. Karosseriebauer kümmerten sich dann um den Aufbau. So ging 1959 bei der italienischen Firma Bartoletti ein Auftrag eines Rennsportteams ein, das einen Transporter für seine Boliden benötigte. Die Firma aus dem Städtchen Forlì in der Emilia-Romagna, etwa 100 Kilometer von Modena entfernt, hatte sich zu der Zeit einen ausgezeichneten Ruf für Spezialumbauten erworben.

Er war sein Auftraggeber: Graf Lawrence von Haugwitz-Hardenberg-Reventlow

Passenderweise waren die Formel-1-Teams Ferrari und Maserati nicht weit weg, und auch sie gehörten zu den Kunden von Bartoletti. Was also für die italienischen Platzhirsche gut genug war, weckte das Interesse des neu gegründeten Scarab-Formel-1-Teams und dessen schillerndem Teamchef und Eigentümer Lance Reventlow. Wenn man meint, Flavio Briatore oder Eddie Jordan seien bunte Vögel im Formel-1-Zirkus gewesen, kennt man Graf Lawrence „Lance“ von Haugwitz-Hardenberg-Reventlow aber schlecht. Der Sohn eines dänischen Grafen und der Woolworth-Erbin Barbara Hutton führte von seiner Kindheit bis zu seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz in den Rocky Mountains im Alter von 36 Jahren das Leben eines reichen Playboys mit allem Glamour, aber auch so einigen Tiefen.

Unter anderem hatte Reventlow fast zwangsläufig ein Faible für alles, was schnell war, egal ob zu Wasser, zu Land oder in der Luft. Eine Leidenschaft, die er sich im Übrigen mit seinem engen Freund James Dean teilte. Und so gründete Lance Reventlow Ende der Fünfzigerjahre seine eigene Automarke sowie einen Rennstall. Für seine europäische Formel-1-Saison benötigte er ein entsprechendes Transportfahrzeug. Strenggenommen war da schon abzusehen, dass der Renntransporter eine längere und erfolgreicherer Karriere als die Scarab-Boliden haben würde. Mit dem Frontmotor waren die Autos der Konkurrenz, die schon auf das Mittelmotor-Konzept gewechselt hatte, unterlegen. Und so geriet das Rennsportjahr 1960 alles andere als erfolgreich. Nach null Punkten und vielen Ausfällen, teilweise schon vor der Qualifikation, verließ das Team nicht nur der Mut, sondern auch der Transporter.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group, Vogel Business Media GmbH & Co. KG