CO2-Emissionen von Pkw in Deutschland sinken immer langsamer

Autor Christoph Seyerlein

Die Autohersteller kommen beim Versuch, den CO2-Ausstoß ihrer Flotten zu senken, kaum noch voran. Für viele könnte es mit den von der EU geforderten Grenzwerten eng werden.

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Studienleiter Stefan Bratzel führt die enttäuschende CO2-Entwicklung von Pkw in Deutschland auch auf mangelnde Akzeptanz für alternative Antriebe zurück.
Studienleiter Stefan Bratzel führt die enttäuschende CO2-Entwicklung von Pkw in Deutschland auch auf mangelnde Akzeptanz für alternative Antriebe zurück.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Die Reduzierung der CO2-Emissionen neu zugelassener Pkw in Deutschland kommt immer langsamer voran. Wie die Ergebnisse einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach zeigen, sank der CO2-Ausstoß hierzulande im ersten Halbjahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 2,2 Prozent auf durchschnittlich 127,6 Gramm pro Kilometer. In den vergangenen fünf Jahren waren die Emissionen in Deutschland durchschnittlich noch um 3,2 Prozent gesunken.

Die Studienautoren machen für den Rückgang hauptsächlich zwei Faktoren verantwortlich: Die hohe Nachfrage nach SUVs und Geländewagen sowie die niedrigen Spritpreise hätten die Maßnahmen zur CO2-Verminderung „torpediert“. Letztere verminderten auch Akzeptanz und Nachfrage der alternativen Antriebe.

Laut CAM ist der Marktanteil von SUVs und Geländewagen seit 2007 von 7,3 Prozent auf zuletzt 20,8 Prozent gestiegen. In der CO2-Bilanz liegen diese Fahrzeugklassen aktuell bei 134,1 g/km (SUVs) bzw. 159,3 g/km (Geländewagen) und damit deutlich über dem Durchschnitt. Studienleiter Stefan Bratzel sagt: „Im hohen Maße sind die sich verlangsamenden CO2-Verbesserungen damit den SUV-Nachfrageverschiebungen geschuldet. Die Erfolge der Hersteller im Trendsegment SUV erschweren zunehmend die Einhaltung der EU-Grenzwerte für das Jahr 2020/2021.“

Bei den Autobauern unterteilt das Institut in Volumen- und Premiumhersteller. Bei ersteren erzielten in der aktuellen Auswertung Toyota (108,5 g/km), Renault/Dacia (115 g/km) und Peugeot (105,4 g/km) die besten Ergebnisse. VW erreichte mit 122,9 g/km durchschnittlichem CO2-Ausstoß ein akzeptables Ergebnis, Opel konnte seinen Ausstoß immerhin um 3,5 g/km auf 128,2 g/km senken.

Kia, Ford und Fiat unterdurchschnittlich

Demgegenüber zeigten Kia, Ford und Fiat im zurückliegenden Jahr eine unterdurchschnittliche CO2-Performance. Kia liegt mit 138,5 g/km weit oberhalb des Mittels der Volumenhersteller, insbesondere auch weil mit dem Sportage und Sorento aktuell 42 Prozent ihrer Verkäufe auf SUVs und Geländewagen entfallen. Bei Ford lag der mittlere CO2-Ausstoß mit 128,7 g/km zwar auf einem ähnlichen Niveau wie Opel, allerdings stieg der Wert im Vergleich zum Vorjahr bei den Amerikanern mit 4,5 Prozent am stärksten unter allen Herstellern – auch wegen zunehmender SUV-Verkäufe.

Absolutes Schlusslicht unter den Volumenherstellern ist aber Fiat: Bei den Italienern bewegen sich die CO2-Emissionen seit Jahren in die falsche Richtung und liegen derzeit bei 146,3 g/km. Dies liegt jedoch nicht allein an den in der ersten Jahreshälfte ansteigenden Verkaufszahlen von Fahrgestellen für Wohnmobile, bei denen Fiat Marktführer ist (Fiat Ducato). Auch die CO2-Reduktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist gering und unterdurchschnittlich (-1,5%). Ohne drastische Verbesserungen der CO2-Emissionen droht der Hersteller nach CAM-Einschätzung die EU-Grenzwerte für 2020 zu verfehlen.

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