Conti-Chef will Brennstoffzellen-Antrieb stärker fördern

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Länder wie Japan, Südkorea oder China hätten die Chancen erkannt. „Bei uns dagegen besteht jetzt zusätzlich die große Gefahr, dass die E-Ladeinfrastruktur später so weit entwickelt ist, dass die Bereitschaft, eine zweite Infrastruktur für Wasserstoff aufzubauen, nicht mehr vorhanden ist“, sagte der Chef des nach Bosch größten Zulieferers der Welt. Dabei habe herkömmliche Lithium-Ionen-Technik bei Elektroautos „physikalisch bedingte Grenzen, die verhindern, dass wir uns dem Kostenniveau eines modernen Verbrenners nähern“.

Weite Teile der Politik und Industrie setzten dennoch fast alles auf diese klassische Batterieart. „Schwierig ist, dass Hersteller gerade zwischen 2025 und 2030 in den massenhaften Hochlauf der E-Mobilität gezwungen werden – und dieser muss Lithium-Ionen-basiert erfolgen“, so Degenhart. Schon bei Batterieantrieben sei „ein Technologiesprung“ nötig. Aber Festkörper-Batterien aus anderen Materialien mit höherer Energiedichte seien im Industriemaßstab vor 2030 nicht realistisch.

Autobranche in fundamentalem Umbruch

Die Autobranche ist in einem fundamentalen Umbruch, der zusammen mit dem Nachfragetief in der Corona-Krise das Aus vieler traditioneller Arbeitsplätze bedeuten könnte. Neben CO2-freien Antriebsarten ist die Digitalisierung ein Kernthema. Auch Autohersteller stellen immer mehr Software-Experten ein. Er sehe jedoch keine direkte Gefahr, dass sie damit den Zulieferern das Wasser abgraben könnten, sagte Degenhart.

„90 Prozent des Softwarevolumens im Fahrzeug kommt heute von Zulieferern. Selbst wenn sich unser Softwareanteil auf 60 Prozent reduzieren wird, rechnen wir mit einer Verzehnfachung des Gesamtmarkts für Software in den kommenden fünf bis zehn Jahren.“ Hersteller und Zulieferer säßen in einem Boot: "Entweder wir gewinnen zusammen gegen Angreifer aus anderen Bereichen oder wir verlieren."

Bund in der Industrieforschung relativ gut aufgestellt

In der Industrieforschung sieht der Conti-Chef die Bundesrepublik mittlerweile relativ gut positioniert. „Wir sind bei 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an Forschungs- und Entwicklungsausgaben gelandet. Das ist ein vernünftiger Wert“, sagte Degenhart. „Jedoch gibt es Industrienationen, die wie wir keine Rohstoffe außer Bildung und Wissen haben und – wie Südkorea – bei 4,5 Prozent liegen.“ Zudem müsse man absolute Zahlen im Auge behalten: „China gibt für Forschung und Entwicklung etwa das Fünffache aus wie wir, die USA ebenfalls.“

Dringend nötig sei eine bessere Finanzierung von Schulen und Universitäten. Das Bundesbildungs- und -forschungsministerium liege mit einer Etatsteigerung im diesjährigen Bundeshaushalt von gerade einmal 0,1 Prozent im Vergleich zu 2019 auf einem der letzten Plätze aller Ressorts. „Das spricht Bände“, sagte Degenhart. Es müsse einen der ersten Ränge einnehmen, doch mit weitem Abstand vorn liege Arbeit und Soziales. „Umverteilung wird bei uns Priorität vor dem Thema Bildung eingeräumt. Das ist nicht nachhaltig und muss korrigiert werden.“

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