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Corona-Krise: So will der Volkswagenkonzern seine Händler stützen

| Autor: Christoph Seyerlein

Der Volkswagenkonzern will seinen Markenhändlern in der Coronakrise beispringen. Die einzelnen Fabrikate schnüren Hilfspakete. Darüber hinaus hat Volkswagen Financial Services einen markenübergreifenden 8-Punkte-Plan entworfen.

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Volkswagen will seine Markenhändler bei der Liquiditätssicherung unterstützen.
Volkswagen will seine Markenhändler bei der Liquiditätssicherung unterstützen.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Auch der Volkswagenkonzern fährt aufgrund der Corona-Krise die Hilfsmaßnahmen für seine Markenhändler hoch. Wie aus Schreiben an die Partner verschiedener Fabrikate aus dem Konzern hervorgeht, die »kfz-betrieb« vorliegen, geht es in einem ersten Schritt vor allem darum, die Liquidität der Betriebe möglichst zu sichern.

Konkret verkündete Volkswagen Financial Services folgende Punkte, mit denen der Konzern die Unternehmer unterstützen will:

  • 1. Erhöhung des Zahlungsziels für alle Fahrzeuglieferungen (Neuwagen) und Fahrzeuge im Bestand, die bereits ausgeliefert wurden und noch nicht finanziert sind, auf zusätzlich 120 Tage
  • 2. Laufzeit-Ausweitung befristeter Krediterhöhungen von derzeit 90 auf bis zu 270 Tage (Einkaufsfinanzierung, Factoring & Kontokorrent). Bereits genehmigte befristete Krediterhöhungen sind auf die Maximallaufzeit von 270 Tagen anzurechnen
  • 3. Maximale Krediterhöhung im Produkt Kontokorrent: 25 Prozent
  • 4. Aussetzung von Ratenplänen für Abschlagszahlungen (Neuwagen und Gebrauchtwagen) für maximal dreimal 90 Tage, auch unmittelbar aufeinander folgend (somit maximal 270 Tage). Auf die Nachholung der ausgesetzten Abschläge verzichtet Volkswagen
  • 5. Ratenstundung (Zins- und Tilgung) für bankeigene Darlehen für maximal 270 Tage
  • 6. Bis auf Weiteres verzichtet Volkswagen auf bonitätsabhängige Zins-/Konditionserhöhungen
  • 7. Die Verzugszinsen bei fehlendem Rückgabeprotokoll bei Leasingfahrzeugen setzt Volkswagen bis zum 31. Mai 2020 aus
  • 8. Ausweitung der Vertragszeitüberschreitung (VZÜ) bzw. Prolongationsregelung für Rückläufer aus Leasing und Autocredit bis maximal 12 Monate (Befristung vorerst bis zum 30.06.2020)

Händler, die Volkswagens Hilfsangebot in Anspruch nehmen wollen, müssen, sofern Belege verfügbar sind, nachweisen, dass sie auch staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch nehmen. Die Punkte 1. bis 6. will Volkswagen auf einen persönlichen Antrag des jeweiligen Händlers hin bearbeiten. Partner sollen dafür auf ihren Firmenkundenberater zugehen. Wer auch die Maßnahmen 7. und 8. wahrnehmen möchte, soll sich an den Kundenservice Einzelkunden und die Postfächer im Vertragsmanagement Großkunden wenden.

Weitere Maßnahmen von VW und Audi

VW Pkw und Audi teilten ihren Partnern darüber hinaus mit, dass sie die Zahlungsziele für Lager- und Ausstellungswagen mit einer Faktur ab dem 18. März 2020 automatisch auf 210 Tage ab dem Rechnungsdatum verlängert. Derartige Fahrzeuge, deren Valuta ab dem 18. März endet, erhalten eine neue Fakturierung von ebenfalls maximal 210 Tagen. Gleiches gilt jeweils für Vorführwagen.

Die Valutierung junger Gebrauchtwagen verlängern die Hersteller um 120 auf 210 Tage. Ab dem 23. März gilt das auch für Bestandsfahrzeuge im Handel.

Audi kündigte zudem an, seinen Partnern für ausgefallene Auslieferungen an den Werksstandorten Ingolstadt und Neckarsulm je Fahrzeug eine Pauschale in Höhe von 350 Euro zu erstatten. Um die Erhaltung der Mobilität betroffener Kunden will sich Audi ebenfalls kümmern. Auch Kunden, die einen Audi aktuell geleast haben, macht der Hersteller ein Angebot: Sie dürfen die Laufzeit bestehender Leasing-Verträge (mit Vertragsende bis 30. Juni 2020) bei der Audi Bank maximal um 12 Monate überziehen.

Um die Liquidität der Händler zu unterstützen, will Audi außerdem den Großkundenbonus für das Jahr 2019 in den nächsten Tagen auszahlen. Gutschriften für Fahrzeuge, die Partner aufgrund fehlender Fakturierung bis zum Ende des Jahres 2019 nicht mehr bonuswirksam melden konnten, will der Hersteller ebenfalls erstatten. Für die Monate Februar bis Juni 2020 hebt Audi außerdem die Hauptnutzerquote bei Connect-Diensten für alle Handelsbetriebe automatisch auf 100 Prozent an. Die weiteren Auswirkungen auf das Bonussystem will der Hersteller beobachten und mit dem Händlerverband besprechen.

Seine Vertragsstandards für den Bereich Fahrzeuge wird Audi bis zum 30. Juni 2020 aussetzen. Das gilt auch für Kundenzufriedenheitsbefragungen, Mitarbeiterschulungen und alle baulichen Fristen.

Händlerverbände mit Appell an die Politik

Sowohl der deutsche als auch der europäische VW/Audi-Partnerverband sprachen in Reaktionen von einem konstruktiven Austausch mit den Herstellervertretern. Dirk Weddigen von Knapp, Präsident des deutschen Partnerverbandes, fügte in einem Interview mit der Zeit allerdings an, dass die beschlossenen Maßnahmen für viele Händler nicht zum Überleben ausreichen würden.

Weddigen appellierte deshalb an die Politik, Bürokratiehürden bei der Kreditvergabe abzubauen. Die zugesagten Kredite bei der KfW-Bank seien grundsätzlich ein hilfreiches Instrument. Allerdings müssten die Hausbanken der Händler erst einmal 20 bis 30 Prozent der Summe garantieren. Die Bonitätsprüfungen dafür dauern in der Regel bis zu 90 Tage. „Am Ende hat der Autohändler dann die Kreditzusage, aber das Geld kriegt der Insolvenzverwalter“, mahnte Weddigen. Schließlich könne kaum ein Partner die laufenden Kosten bei verordneten Betriebsschließungen so lange alleine tragen.

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