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Corvette Stingray: Raserei mit Bodenhaftung

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Chevrolet schickt die neue Corvette Stingray ins Rennen. Die Ikone pflegt ihre rabiaten Tugenden, ist in der Neuauflage aber raffinierter geworden. Bodenhaftung behalten die Amerikaner beim Preis.

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Siebte Auflage: Die neue Corvette Stingray pflegt ihre rabiaten Tugenden, ist in der Neuauflage aber deutlich raffinierter geworden.
Siebte Auflage: Die neue Corvette Stingray pflegt ihre rabiaten Tugenden, ist in der Neuauflage aber deutlich raffinierter geworden.
(Foto: Chevrolet)

Provokant gezeichnet mit fast schon lasziver Leidenschaft, potent motorisiert und mit quietschenden Reifen und brüllendem Auspuff so laut im Auftritt, dass man schon ein stabiles Selbstvertrauen und tolerante Nachbarn braucht: So gibt die Chevrolet Corvette – nach drei Jahrzehnten erstmals wieder mit dem Beinamen „Stingray“ geadelt, 343 kW/466 PS stark und 69.900 Euro teuer – vordergründig wieder einmal den ebenso rabiaten wie rustikalen Rockstar unter den Rennwagen mit Straßenzulassung.

Wer allerdings ein bisschen genauer hinschaut, entdeckt an dem Renner eine Raffinesse, wie man sie von den Amerikanern bis dato nicht erwartet hat. Das gilt für die Karosserie mit einem um 45 Kilo abgespeckten Alurahmen und den Hauben aus Karbon genauso wie für die manuelle Siebengang-Schaltung mit dem spektakulären Drehzahlangleichen („Rev-Match“) auf Knopfdruck, das Schaltvorgänge so sanft und seidig macht wie eine Doppelkupplung. Oder die fünf elektronisch geregelten Fahrprogramme - von „Eco“ mit flüsterleisem Säuselsound und einer politisch korrekten aber eigentlich völlig überflüssigen Zylinderabschaltung, bis „Track“ mit brettharten Magnetfedern, messerscharfer Lenkung, furchtlosen Fahrdynamikhelfern und einem infernalischen Gebläse aus den vier Fanfahren, durch die das Abgas aus dem Heck flutet.

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Erlebnis für alle Sinne

Und das gilt erst recht für das Ambiente: Leder, Aluminium, Karbon, endlich ein Head-Up-Display, das seinen Namen zurecht trägt, und dazu digitale Hightech-Instrumente wie auf der Play-Station – so wird die Vollgas-Flunder zur American Beauty, die sich auch neben Porsche oder Jaguar sehen lassen kann. Noch lange nicht so kultiviert, aber dafür auch nicht so kühl wie zum Beispiel ein Elfer, will sie mehr denn je ein ernsthafter Supersportwagen sein.

Was die Fahrleistungen betrifft, gibt es daran ohnehin keine Zweifel: Der nagelneue V8-Motor – mittlerweile mit Direkteinspritzung aber gottlob noch immer ohne Turbo – holt aus wunderbar großspurigen 6,2 Litern Hubraum schon in der Basisversion 343 kW/466 PS und 630 Nm. Obwohl so nach oben noch jede Menge Luft für manches Sportmodell bleibt, ist schon mit diesem Auto auf dem Highway wieder die Hölle los: 4,2 Sekunden von 0 auf 100, ein Spitzentempo um die 300 km/h – da wird Autofahren zu einem Erlebnis für alle Sinne.

Günstig und praktisch

Sie ist vielleicht noch immer nicht so fein und vornehm, aber damit stiehlt sie jedem Porsche die Schau. Und wer als etablierter Elfer-Kunde zum ersten Mal auf das Preisschild der Amerikaner schaut, kämpft ohnehin mit der Schnappatmung. Denn mit einem Grundtarif von 69.990 Euro ist die Corvette fast ein Drittel billiger als der 911 – von anderen Sportwagen ganz zu schweigen. Aber die Corvette ist nicht nur das günstigere, sondern obendrein auch noch das praktischere Auto: Ihr Gepäckteil fasst mit 425 Litern sogar mehr als das eines VW Golf. Und selbst wer nicht bis zum Frühjahr auf das mindestens 72.990 Euro teure Cabrio warten will, kann die Raserei auch Open-Air genießen. Denn mit zwei Handgriffen verschwindet die Karbonplatte über den Sitzen unter der Haube im Heck und das Coupé wird zum Targa.

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