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Daimler: Autohäuser trotz sinkender Kundenfrequenz strategisch wichtig

| Autor: Christoph Seyerlein

Die Corona-Pandemie hat auch bei Daimler den Einsatz digitaler Mittel im Vertrieb beschleunigt. Laut Vertriebsvorständin Britta Seeger will der Hersteller das noch stärker vorantreiben. Als Abgesang auf den stationären Handel will sie das aber nicht verstanden wissen.

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(Bild: Daimler)

Daimler-Vertriebschefin Britta Seeger will den Handel ihrer Marken weiter digitalisieren. In einem Interview mit dem Magazin „Drive“ wurde die Managerin darauf angesprochen, wie der Automobilhandel der Zukunft ihrer Meinung nach aussehen wird. Seeger antwortete: „Es wird sich viel verändern, das sehen wir am Kundenverhalten. Wer früher einen Kaufvertrag unterschrieb, war vorher bis zu achtmal im Autohaus – heute sind es nur noch ein- bis zweimal.“

Daran könne man erkennen, dass digitale Komponenten an Bedeutung gewönnen, so Seeger weiter. Die Corona-Pandemie ist in dem Zusammenhang offenbar auch bei Daimler ein zusätzlicher Katalysator. „Auch bei unseren Kunden hat die Pandemie die Nutzung von digitalen Touchpoints beschleunigt. Gemeinsam mit unseren Handelspartnern haben wir kurzfristig unsere bestehenden Online-Angebote verstärkt, und das wurde gut angenommen“, erklärte die Vertriebsvorständin. In Zukunft würden digitale Kanäle sowie kontaktlose Services noch stärker in den Fokus rücken.

Komplett ersetzen will Seeger den stationären Handel nach eigener Aussage aber nicht. „Die aktuellen Herausforderungen können wir nur gemeinsam als Team meistern“, sagte sie. Sie sei überzeugt davon, dass das persönliche Erleben einer Marke ein wesentlicher strategischer Faktor sei, gerade in einer digitalisierten Welt. „Über 80 Prozent der Kunden möchten noch immer im persönlichen Kontakt beraten werden und Probefahrten machen“, so Seeger.

Mobilitätsbedürfnisse weiter „sehr individuell“

Aus der Corona-Krise zieht die Managerin durchaus Chancen. „Die Situation hat uns vor Augen geführt, dass individuelle Mobilität ein sehr wertvolles Gut ist und bleibt“, sagte Britta Seeger.

Allerdings erlebe man derzeit einen Wandel, auch sie persönlich: Sie selbst sei Mutter von Drillingen, die bald volljährig werden. Ihre Kinder hätten Zugriff auf Nahverkehr, Nachtbusse, Carsharing und Co., „eine Infrastruktur, die wir früher nicht hatten.“ Seeger sieht das als plausible Gründe, erst dann ein Auto zu besitzen, wenn sich die Lebensumstände ändern. Daraus schließt die Daimler-Vertriebschefin: „Die Befriedigung des Mobilitätsbedürfnisses der Kunden wird also auch in Zukunft sehr individuell sein.“

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