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Daimler-Manager wechselt zu Tesla – und löst damit Proteste aus

Autor: Christoph Seyerlein

Der Leiter des Berliner Mercedes-Werks wechselt zum Jahreswechsel zu Tesla nach Grünheide. So weit, so unspektakulär sollte man meinen. Die IG Metall macht rund um den Fall nun allerdings ein großes Fass auf.

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René Reif heuert im kommenden Jahr bei Tesla an.
René Reif heuert im kommenden Jahr bei Tesla an.
(Bild: Daimler)

Man sollte meinen, der Vorgang sei etwas ziemlich Alltägliches: Ein Mitarbeiter von Autofirma A wechselt demnächst zu Autofirma B. In Berlin sorgt ein solcher Fall nun allerdings für Aufsehen und sogar Protestaktionen.

Aber der Reihe nach: Wie gestern bekannt wurde, wechselt der Leiter der Mercedes-Werke Berlin und Hamburg, René Reif, zum Jahreswechsel zu Tesla nach Grünheide. Möglicherweise übernimmt er auch dort den Posten des Werkleiters, nachdem dieser seit Kurzem vakant ist. Dem bisherigen Chef war wohl eine nicht bezahlte Wasserrechnung zum Verhängnis geworden.

IG Metall attackiert „seelenlose Manager“

In die Personalie Reif schaltet sich nun aber die IG Metall ein. Diese hatte am heutigen Donnerstag zu einer Protestaktion vor dem Tor 2 des Berliner Mercedes-Werks aufgerufen. Die Beschäftigten seien irritiert, hieß es im Vorfeld. Inzwischen teilte Jan Otto, Geschäftsführer der IG Metall Berlin, laut regionalen Medien mit: „Mit solchen seelenlosen Managern können wir die Zukunft nicht bauen.“

Man verstehe nicht, „warum Daimler vor dem amerikanischen Konkurrenten kapitulieren“ wolle, so Otto weiter. „Es kann doch nicht angehen, dass Tesla 50 Kilometer von Mercedes ein Werk mit 10.000 Arbeitsplätzen baut und Daimler fällt nicht mehr ein, als vor der Zukunft zu kneifen und sein ältestes produzierendes Werk dicht machen zu wollen“, wird Otto zitiert. Das sei verheerend für die Marke.

Unklare Zukunft in Berlin

Innerhalb der Belegschaft sind Zukunftsängste offenbar weit verbreitet. Daimler-Chef Ola Källenius hat beim schwäbischen Autobauer einen rigiden Sparkurs ausgerufen, der unter anderem die Entwicklung von Verbrennungsmotoren stark betreffen wird. In Berlin wird der V6-gefertigt, für den es ab 2021 keine Verwendung mehr gibt. Zwar gibt es mit Clemenz Dobrawa, der von Accumotive in Kamenz nach Berlin wechselt, bereits einen Nachfolger für Reif. Wie genau sich Daimler die Zukunft des Werks vorstellt, scheint aber unklar.

Mit der heutigen Demonstration ist das Thema offenbar noch nicht erledigt: Die IG Metall hat für den 9. Dezember eine „große Aktion“ angekündigt.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«