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Dale – die gescheiterte Revolutionierung der Autoindustrie

| Autor / Redakteur: Jens Meiners / Andreas Grimm

Die gesamte Autobranche befindet sich im Wandel. Doch das Thema der Disruption in der Automobilindustrie stand schon einmal an. Die Geschichte des Revolutionsfahrzeugs Dale zeigt allerdings, dass eine gesunde Skepsis bei neuen Ansätzen durchaus berechtigt ist.

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In den 1970er Jahren sorgte der Dale für viel Aufmerksamkeit.
In den 1970er Jahren sorgte der Dale für viel Aufmerksamkeit.
(Bild: Dale/gtspirit.de)

Die Autoindustrie, so scheint es, befindet sich in einer Zeit des Umbruchs. Die traditionellen Marken stehen unter Beschuss, der „Dieselskandal“ stürzt die Titanen der Branche in tiefe Verunsicherung. Zumal die Zukunft um die Ecke steht. Aggressive, innovative Player, privat finanziert, stehen bereit, den Stab von den Dinosauriern zu übernehmen. Doch während die Presse schon drei Schritte weiter ist, würdigt nicht jeder zahlende Kunde die grandiosen Neuheiten. An diesem Punkt waren wir schon einmal.

Die Automobilhistorie ist reich an solchen Beispielen. So scheiterten die Sportwagenhersteller Malcolm Bricklin und John DeLorean mit ihren Flügeltürern, obwohl sie doch – mit geradezu altruistischem Impetus – die „sichersten“ Autos der Welt bauen wollten. Das schillerndste Projekt von allen war jedoch der Dale. Scheiterte er Anfang der Siebzigerjahre an Zweiflern? Werfen wir einen Blick zurück.

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Der Dale war das Ergebnis einer Symbiose: Der Ingenieur Dale Clifft traf mit einem selbstkonstruierten Dreirad auf die Unternehmerin Liz Carmichael, die sofort die Genialität seines Konzepts erkannte. Die Charismatikerin stammte aus einfachen Verhältnissen und hatte sich angeblich bis zur NASA-Ingenieurin nach oben gearbeitet. Später kamen weitere faszinierende Facetten ihrer Biographie ans Tageslicht: Ihr Geburtsname lautete (Mr.) Jerry Dean Michael. Zitat: „Ich bin ein Genie“.

Das Konzept des Dale war von verblüffender Einfachheit: Man verzichtete einfach auf ein Hinterrad und setzte auf ein einfaches Package mit genügend Platz für die Passagiere. Für Vortrieb sorgte ein BMW-Motorrad-Motor. Genau das richtige, so glaubte man, für den Verkehr der frühen Siebzigerjahre – und den Verkehr der Zukunft.

Fahrdynamik, Design und Sicherheit

Vorn dabei: Der Dale setzte mit niedrigem Gewicht und BMW-Maschinen auf Dynamik. Mittlerweile ist es Allgemeingut: Neue Technologien verlangen nach einem gewissen „Coolness-Faktor“, sie dürfen keinen Verzicht bedeuten. Unterhalb des Claims „schnellstes Auto der Welt“ geht es heute kaum noch.

Wo die etablierten Hersteller auf überladene, feinziselierte Formen setzten, bewies der Dale schon in den frühen Siebzigerjahren Mut zu puristischem Design. Die Kunststoff-Karosserie wirkte authentisch, und der Verzicht auf den Kühlergrill verweist bereits auf die elektrisch angetriebenen Design-Ikonen der Gegenwart.

Der Dale, so die Eigendarstellung, war das sicherste Auto der Welt. Dafür sorgte das steife Chassis und die stabile Karosserie. „Sie können kein sichereres Auto fahren“, beteuerte die Verkaufsbroschüre, behauptend, das 500-Kilo-Gefährt könne „ein Vierfaches der Crash-Energie eines Cadillac“ aufnehmen.

Heute setzen aufgeklärte Unternehmenslenker auf den Elektroantrieb, Carmichael beschäftigte sich noch mit hocheffizienten Verbrennungsmotoren. Mit einem Verbrauch von sage und schreibe nur 3,4 Litern pro 100 Kilometer spreizte sich der Dale als Rettung für die gebeutelte Umwelt.

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