Darf’s eine Schippe mehr sein?

Hersteller und Importeure, aber auch Händler legen bei der Umweltprämie noch etwas drauf

06.11.2009 | Autor: Elvira Minack

Fast jeder Hersteller und Importeur legt auf die staatliche Umweltprämie noch etwas drauf.
Fast jeder Hersteller und Importeur legt auf die staatliche Umweltprämie noch etwas drauf.

Die Pessimisten wussten es ganz genau: „2.500 Euro sind zu wenig“, „Wer sich kein Auto leisten kann, dem hilft auch die Prämie nicht“, „Das funktioniert nie im Leben“.

Und selbst die kühnsten Optimisten hätten wohl nicht gedacht, dass nach dem Bekanntwerden der ersten Eckpunkte zur Umweltprämie ein solcher Run auf die Autohäuser einsetzen würde. „Die Verkäufer schreiben sich die Finger wund“, „Die Kunden fragen nicht mal mehr nach dem Preis“, „Wir sind im Kleinwagensegment ausverkauft“ – das sind nur drei von vielen überraschenden Händleraussagen unterschiedlicher Marken gegenüber »kfz-betrieb«.

Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, die Verkäufer müssten den Kunden nur noch sagen: „Hier müssen Sie unterschreiben.“ Aber dem ist nicht so. Fast jeder Hersteller und Importeur hat sich zur staatlichen Prämie noch etwas Hauseigenes einfallen lassen.

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Wer legt was drauf?

Am schnellsten war Peugeot. Der Importeur hat seine bereits gestartete Aktion „1.000 Euro bar auf die Hand“ für jeden Kunden beim Neuwagenkauf blitzschnell umweltprämienfähig gemacht. Mit dem Ergebnis, dass im Januar die Händlerbestellungen für Neuwagen um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr angewachsen sind. Fiat und Lancia zogen mit „Ecoplus“ und „Per te“ für bestimmte Aktionsmodelle nach. Auch Toyota hat eine eigene Umweltprämie aufgelegt. Die Tatsache, dass sich nicht alle Händler beteiligen müssen, erweckt den Verdacht, dass die Händler mit zur Kasse gebeten werden.

Abschied vom Alten leicht gemacht

Skoda brauchte für seinen Bye-Bye-Bonus zwar bis Anfang Februar. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Für Fabia, Roomster und Octavia gibt es bis zu 1.785 Euro als Zuschlag für die Käufer und die Listenpreise werden zusätzlich um acht Prozent gesenkt. Und auch Volkswagen lässt sich nicht lumpen und zahlt eine zusätzliche Prämie für jedes Neufahrzeug, je nach Modell. Für den Polo gibt es zum Beispiel 1.000 Euro.

Daihatsu schenkt seinen Kunden einen Benzingutschein, der für 10.000 Kilometer reichen soll.

Ford hat seine bekannte Flatrate aus Finanzierung, Versicherung, Garantie und Inspektionen aufgewertet. Nach drei Monaten bekommt der Kunde drei Raten zurück. Das gilt zwar nur für Lagerfahrzeuge. Aber genau die müssen ja endlich raus.

Was für andere längst selbstverständlich und ein alter Hut ist, bietet Audi seinen Kunden gemeinsam mit der Audi Bank neu an: eine Finanzierung inklusive Haftpflicht- und Kaskoversicherung sowie Neuwagenanschlussgarantie.

BMW stellt seinen Händlern frei, die Umweltprämie zu verdoppeln. Das Geld dafür könnten sie aus den bereits vom Hersteller ausgegebenen Fördermitteln schöpfen.

Mercedes geht einen anderen Weg: Kunden, die sich bis zum 31. März für ein Neufahrzeug entscheiden, erhalten für ihren Gebrauchten 2.500 Euro zusätzlich zum Restwert.

Warten und dann verteilen ist nicht genug

Auch die Händler gehen an das Thema unterschiedlich heran. Viele haben sich sofort nach Bekanntwerden der Umweltprämie etwas Besonderes einfallen lassen. So wie die Opel-Händlerin Stefanie Sürth aus Mayen, die ein hauseigenes „Konjunkturpaket“ (siehe Händlerstimmen) geschnürt hat. Andere haben sofort die Werbung umgestellt oder auf ihrer Homepage kundgetan, dass sie ihre Kunden in allen Fragen zur Umweltprämie beraten und unterstützen werden. »kfz-betrieb« hat bei seinen Gesprächen mit Händlern allerdings nur wenige angetroffen, die alle ihre Kunden angeschrieben haben, deren Fahrzeuge älter als neun Jahre sind. Dabei liegt doch genau das auf der Hand. Und es gab auch Händler, die bekannten, gar nichts unternommen zu haben.

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Was sagen die Händler?

Das wird auf Dauer nicht genügen, denn wenn diejenigen Fahrzeughalter, die sich ohne Prämie wirklich kein neues Auto hätten leisten können, und diejenigen, die nur einen handfesten Anstoß brauchten, sowie die Schnäppchenjäger ein Auto gekauft haben, wird der Fördertopf nicht leer sein. Aber vielleicht sind es dann die Autohäuser wieder.

Genauso wenig kann es richtig sein, bei der hohen Nachfrage noch immer Rabatte zu geben. Betriebswirtschaftlich klug denkende Händler machen genau das Gegenteil und erhöhen die Preise für Autos mit Umweltprämie ein wenig.

Ob ein Händler seinen Kunden die Umweltprämie vorschießt, muss jeder für sich entscheiden. Auf jeden Fall sollte man immer die eigene Liquidität im Auge haben. Einzelne Hersteller- und Freie Autobanken bieten dafür auch schon Hilfe in Form von Zwischenfinanzierungen für Händler oder Kunden an.

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Was tun die Freien Autobanken?

Gar nicht zu verstehen sind Händler oder besser gesagt deren Verkäufer, die schon Anfang Februar die Notbremse gezogen haben. Mit der Begründung, auf Neufahrzeuge müsste man jetzt drei bis vier Monate warten und sie könnten nicht garantieren, dass dann noch Prämiengeld da sei, schicken sie Kunden weg. Dafür gibt es keinen Grund, denn Lieferzeiten gibt es bei vielen Marken, vor allem bei denen, die ihre Produktionen erst wieder in Gang bringen müssen. Und 600.000 Autos verkaufen sich nicht so schnell. Renault hat dennoch auf diese Ängste reagiert und garantiert seinen Kunden die Umweltprämie.

Fest steht, dass die Umweltprämie nicht jedem Händler jeder Marke gleich viel Erfolg bringen wird. Doch selbst bei BMW-Händlern nehmen die Nachfragen nach Minis und 1ern inzwischen zu.

Böse Zungen behaupten, dass auch die Umweltprämie die Spreu vom Weizen trennen wird. Das wäre schade, denn das Instrument ist für alle da. Man muss nur klug darauf spielen.

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