Das Mini Coupé als sportliches Go-Cart

Autor / Redakteur: sp-x / Vera Scheid

Das Versprechen gilt: Jedes Jahr ein neues Modell, lautet die Ansage bei Mini. Nach dem Countryman folgt deshalb jetzt das Coupé - und der Autobauer erlaubte eine erste Testfahrt mit dem Prototypen.

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Heinz Krusche ist gespannt. Bislang haben nur er und seine Kollegen im Mini Coupé gesessen. Doch jetzt, drei Monate vor der Weltpremiere auf der IAA in Frankfurt und dem Verkaufsstart am 1. Oktober, gibt der oberste Fahrdynamiker bei BMW und Mini zum ersten Mal das Steuer aus der Hand und kann die Reaktionen kaum erwarten. „Wir haben viel dafür getan, um das für Mini sprichwörtliche Go-Kart-Gefühl noch einmal zu steigern und das Coupé sportlicher abzustimmen“, sagt der Entwickler. Wie ernst es ihm damit tatsächlich ist, sieht man spätestens ab Tempo 80, wenn man in den Rückspiegel blickt.

Dann drückt sich automatisch ein kleiner Spoiler ins Bild, der diesseits von 60 km/h wieder verschwindet. „Für die Stabilität wäre der gar nicht nötig gewesen“, sagt Krusche. Aber wenn bei Vollgas 40 Kilo mehr auf der Hinterachse lasten, dann liege das Auto einfach satter auf der Straße und gehe flotter um die Kurven, rechtfertigt er diesen aerodynamischen Kunstgriff. „Und cooler sieht das Auto damit natürlich auch aus.“

Zwar braucht es zum Beleg für diese Behauptung schon ein geschultes Popometer und am besten auch den direkten Vergleich mit dem Dreitürer auf einer abgesperrten Strecke. Doch ganz gleich ob man die härter abgestimmten Dämpfer und den dickeren Stabilisator an der Hinterachse, den tieferen Schwerpunkt und die 25 Kilogramm Mehrgewicht tatsächlich spürt: Auf jeden Fall fühlt sich das derzeit kleinste Coupé im deutschen Neuwagenangebot bei dieser ersten Ausfahrt nicht nur kurz, sondern auch ungeheuer knackig an.

Wieselflink kurvt der Zweitürer um den Kurs, wedelt durch Hütchengassen, die so eng sind, dass ein 3er BMW sie wahrscheinlich nicht einmal im Schritttempo schaffen würde und macht auf der langen Gerade deutlich, warum Chefdesigner Anders Warming so gerne vom Asphalt Racer spricht. Steigern lässt sich der Spaß noch per Druck auf die DSC-Taste. „Mini ist der einzige Anbieter in diesem Segment, bei dem man die Stabilitätskontrolle in drei Stufen abschalten kann“, sagt Krusche. Mit jeder Stufe steigt zwar ein wenig das Risiko – aber es wächst auch der Reiz. Selbst wenn man ganz ohne elektronische Schutzengel ordentlich Kurbeln muss, um auf der Strecke zu bleiben.

Basismotorisierung in der Baureihe nicht im Angebot

Am größten ist der Spaß natürlich mit der Top-Motorisierung, dem John-Cooper-Works: Er holt aus dem 1,6-Liter-Motor 211 PS und bis zu 280 Nm. Wer sich geschickt genug durch die sechs eng gestuften Gänge schaltet, kommt damit in 6,4 Sekunden auf Tempo 100, und wer auf einer Strecke mit längeren Geraden als auf dem Wachauring unterwegs ist, kommt mit der kleinen Spaßgranate immerhin auf 240 km/h. Daneben gibt es noch zwei weitere Benziner mit 122 und 184 PS sowie einen Diesel mit 143 PS. Die Basismotorisierungen dagegen bietet Mini in der Baureihe lieber nicht an: „Das würde nicht so recht zum Wagen passen“, sagt Markenchef Kay Segler.

Aber das Coupé will nicht nur schnell, sondern auch schön sein. Zwar hat es für ein eigenes Interieur nicht gereicht, so dass Fahrer und Beifahrer auf dieselbe kugelrunde Kunststofflandschaft schauen wie im Dreitürer. Doch außen durfte Designchef Anders Warming tief ins Blech greifen: Die Frontscheibe steht 13 Grad flacher als beim Hatchback, das Dach verläuft drei Zentimeter tiefer und anstelle der steilen Heckscheibe des Dreitürers folgt beim Coupé eine große Glasklappe mit fließender Linienführung. Auf die sind die Bayern besonders stolz, weil sie eine Spur Vernunft ins Vergnügen bringen.

50 Prozent mehr Stauraum

Immerhin kann man das Coupé dadurch besser beladen als jeden anderen Mini und der Kofferraum lässt sich ebenfalls sehen: 280 Liter sind fast 50 Prozent mehr Stauraum als üblich. Wer will da schon über die verlorenen Rücksitze jammern?

Mit jeder Runde auf der Teststrecke wird nicht nur das Lachen auf dem Gesicht der Tester breiter. Auch die Mine von Heinz Krusche entspannt sich zusehends. Ganz offensichtlich haben er und seine Kollegen einen ordentlichen Job gemacht. Lange allerdings kann sich der oberste Fahrdynamiker daran nicht erbauen. Denn während die Kollegen aus dem Marketing gerade über die richtige Positionierung grübeln und noch ausrechnen, ob sie eher 1.500 oder doch 2.000 Euro Aufpreis für das Coupé verlangen sollen, ist er im Geiste schon beim nächsten Projekt: Pünktlich zum Frühjahr soll es den Mini schließlich auch als Roadster geben.

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