Das Reifenlabel: Fitness-Check für die Branche

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Die Hersteller liefern sich derzeit ein Wettrennen um die besten Werte auf dem Reifenlabel. Doch der von der EU vorgeschriebene Aufkleber verrät nicht alles über einen Reifen. Eine Beratung in den Kfz-Betrieben bleibt unerlässlich.

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(Foto: Rosenow)

Auf der Reifenmesse Essen ging es beinahe so zu wie bei der Fußball-EM: Bis zuletzt feilten die Firmen im Geheimen an der Aufstellung, beobachteten die Gegner und reagierten sofort auf deren Maßnahmen. Nur rangelten sie nicht um einen Pokal, sondern um die beste Startposition beim Reifenlabel. Zur Erinnerung: Ab 1. November dieses Jahres müssen neue Reifen einen Aufkleber tragen, auf denen drei wichtige Leistungsmerkmale (Nasshaftung, Rollwiderstand und Rollgeräusch) mit einer Buchstabenskala sinnbildlich dargestellt sind. Die „schwarze Kunst“ der Reifenbäcker soll so für den Endkunden ein wenig transparenter werden.

Im Vorfeld der Messe hatte Goodyear Dunlop bereits zwei Konzeptreifen vorgestellt, die in den Kriterien Nasshaftung und Rollwiderstand jeweils die Bestnote „A“ aufweisen – eine technische Leistung, die nach dem damaligen Konsens in der Reifenindustrie heute noch nicht zu vertretbaren Kosten in der Großserienfertigung umsetzbar ist. Doch ebenso wie beim Fußball zeigten sich die Italiener in Essen in überraschend starker Form: Pirelli verblüffte die Reifenwelt am ersten Messetag mit der Präsentation des ersten käuflichen „A/A“-Pneus. Der neue Cinturato P7 Blue ist ab sofort im Handel erhältlich.

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Top-Labelwerte bleiben noch die Ausnahme

„Aber seine A/A-Bewertung gilt doch nur für drei Größen“, mäkelte die getroffene Branche hinter vorgehaltener Hand. Stimmt: Von den 13 Ausführungen des P7 Blue, die derzeit erhältlich sind, tragen nur 215/55 R 16 97W XL, 225/55 R 16 99W XL und 235/45 R 17 97W XL das begehrte Zeichen – allesamt traglastverstärkte Ausführungen, die aufgrund ihrer Bauweise weniger Verformung zeigen und damit einen geringeren Rollwiderstand haben. Doch diese Einschränkung soll die Pirelli-Leistung nicht schmälern, denn keine Version des P7 Blue ist beim Rollwiderstand schlechter als „B“, was gegenüber der Topnote lediglich 0,1 Liter mehr Kraftstoffverbrauch auf 100 Kilometer bedeutet.

Der erste Reifenhersteller, der den Pirelli-Ball aufnahm und mit einem Serienreifen kontert, ist Michelin. In Stockholm stellte das Unternehmen der Presse den neuen Energy Saver Plus vor, der über die gesamte Palette ein „A“ im Nassgrip aufweist, im Rollwiderstand allerdings, je nach Größe, „B“ oder „C“. Welche Leistung selbst diese auf den ersten Blick durchschnittlichen Einstufungen den Entwicklern abverlangten, zeigt die Tatsache, dass der Energy Saver Plus im Vergleich zu seinem gewiss nicht schlechten Vorgänger beim Rollwiderstand gleich um 18 Prozent abspeckte. Bis Ende August soll der Neuling in 58 Ausführungen und Größen von 14 bis 16 Zoll im Handel sein.

Auf der Messe präsentierten noch mehrere andere Reifenhersteller Konzeptreifen oder seriennahe Konstruktionen mit „A“- und/oder „B“-Labelwerten: so etwa Toyo den Nano Energy (lieferbar voraussichtlich ab Januar 2013), Kumho den Ecowing ES 01, Hankook den Ventus S1 Evo2 (lieferbar ab Januar 2013) und Nexen den N-Blue HD.

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