Das sind die neuen Kandidaten für das H-Kennzeichen

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Ein Trend, bei dem die neue Liga der Luxuslimousinen vorweg fuhr. War die Mercedes-Benz S-Klasse bislang ultimatives deutsches Monument automobiler Macht, geschaffen für Konzernvorstände, Kanzler und Könige, musste sie sich diese Rolle nun teilen mit dem neuen Audi V8, dem noch frischen Zwölfzylinder-BMW 750i, den zur Jahreswende 1988/89 vorgestellten japanischen Herausforderern Lexus LS 400 und Infiniti Q45 und dem erneuerten Cadillac De Ville. Anlass für die Marke mit Stern, mit dem 560 SEL einen 5,6-Liter-V8 vorzustellen, der kräftiger war als der Rolls-Royce Silver Spirit.

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Am anderen Ende des Marktes findet sich ein Meer mit Klassikern für Knauserer, die Sparen mit Spaß und Stil verbinden. Denn in einem Jahr, als Glitzerstoffe und Lycra in knalligen Farben Mode machten und Karl Lagerfeld über das Label KL bezahlbare Designermode in die Schaufenster brachte, wurden auch Knausertypen cool.

Etwa der billige Skoda Favorit im begehrenswerten Bertone-Dress, der klassische Wartburg mit neuem VW-Motor für frische West-Exporterfolge, der originelle Fiat Tipo (Slogan „Mehr Ideen pro PS“), der 3,30 Meter kurze Suzuki Alto als kürzester Fünftürer, der Renault 19 mit einem vollkommen neuen französischen Qualitätsanspruch, der Mazda 121 mit riesigem Faltdach als Herald des kommenden Kia Pride und der billige Isuzu Gemini als ebenso frecher wie kurzlebiger Golf-II-Diesel-Herausforderer.

„Lieben Sie Überraschungen? Ja? Dann freuen Sie sich auf den neuen Volvo 440!“ Tatsächlich überraschte der kompakte Volvo mit fortschrittlichem Frontantrieb und Turbo-Temperament – und alle Schwedenfans mit Renault-Motoren und einem niederländischen Fertigungsstandort. Eine Erfolgskombination, wie die Volvo-Zulassungszahlen zeigten. Noch erfolgreicher waren die Niederländer 1988 nur im Fußball. Bei der Fußball-EM im eigenen Land verlor die Beckenbauer-Elf damals im Halbfinale gegen Holland, das auch den Titel holte.

Rallye-Veteranen als Straßenversionen

Auch im Motorsport gab es Überraschungen: In der Formel 1 holte Ayrton Senna seinen ersten Titel mit McLaren-Honda und in der Rallye-WM fuhr Lancia mit einem Delta HF 4WD den Ford Sierra RS Cosworth, Audi quattro, Opel Kadett GSI und VW Golf GTI 16V davon. Tatsächlich gab es alle Rallyekämpen auch als zivile Straßenversionen und die wenigen bis heute Überlebenden werden künftig das H-Kennzeichen als neue Trophäe tragen.

Nicht nur der WRC-Champion setzte 1988 auf Vierradantrieb, Allrad war allgemein angesagt wie noch nie. Ob neues Audi Coupé, Citroen BX, Ford Scorpio, Opel Vectra, Porsche 911, Renault Espace, Subaru Justy oder VW Passat (B3), 4x4-Technik lag im Trend. Das galt auch für Geländegänger, wie die Neuzugänge Jeep Cherokee, Nissan Patrol GR, Range Rover 3.9, Suzuki Vitara oder Toyota 4-Runner zeigten. Stehen heute Sports Utilty Vehicles (SUV) dem Namen nach für Sportlichkeit im Alltag, waren es damals schnelle Coupélinien. Allen voran die neuen deutschen Nachwuchssportler Ford Probe und VW Corrado.

Let the Sunshine in: Im Sommer 1988 ging die freudlose Dekade geschlossener Blechbüchsen allmählich zu Ende. Oldtimer-Enthusiasten wird es freuen, können sie doch ab 2018 erstmals viele frühe Frischluftmodelle mit Katalysator durch ein „H“ adeln lassen. Dabei Alfa Spider, BMW Z1, Chrysler´s TC by Maserati, Jaguar XJ-S, Mazda RX-7, Porsche 944 S, TVR S und natürlich die vielen etablierten offenen Viersitzer wie VW Golf, Opel Kadett, Ford Escort, BMW 325i oder Saab 900. Sonnige Aussichten für die Klassikerszene!

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