Jakob kauft Fahr Deal „bei Würstchen und Bier“

Autor: Jens Rehberg

Das Autohaus Jakob baut sein Mehrmarkenportfolio aus. Neben Opel soll demnächst noch ein weiteres Fabrikat hinzukommen.

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Der ehemalige Fahr-Hauptsitz am Andreasberg.
Der ehemalige Fahr-Hauptsitz am Andreasberg.
(Bild: Jürgen Schneider)

Eine starke Erdung signalisiert das Autohaus Jakob schon allein durch sein Geschäft mit Spezialumbauten: Seit 2010 verkaufen die Fuldaer zum Beispiel an Bergbaukonzerne speziell umgerüstete Jeep Wrangler und Dodge Ram 5.500, die zum Aufräumen unter anderem in Atommüll-Lagerstätten eingesetzt werden. Dementsprechend rustikal werden größere Deals auch ohne Weiteres bei Würstchen und Bier eingefädelt, wie Senior-Chef Peter Jakob erzählt. Die Imbiss-Vereinbarung manifestiert sich zum Jahreswechsel in der Übernahme der Wolfgang Fahr GmbH in Petersberg bei Fulda, einem Opel-Autohaus mit 61 Mitarbeitern.

Hinsichtlich des 1937 gegründeten Traditionsbetriebes hatte das Gespräch in der Würstchenbude freilich einen ernsteren Hintergrund: Die aktuellen Umwälzungen in der Kfz-Branche in Verbindung mit einer nicht vorhandenen Nachfolgeregelung setzten den beiden Fahr-Geschäftsführern Rainer Schwab und Jürgen Schneider immer mehr zu. „Wir haben beide Kinder“, sagte Schneider am Rande einer Presseveranstaltung im Nissan-Schauraum von Auto Jakob am Donnerstag in Petersberg, „aber deren Weg ist nun mal nicht das Kfz-Geschäft“.

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Im vergangenen Jahr hatte Jürgen Schneider noch versucht, das zurückgehende Opel-Geschäft zumindest teilweise mit dem Vertrieb chinesischer Fabrikate zu kompensieren. Das Experiment hat der Händler aber mittlerweile aufgegeben.

Die beiden geschäftsführenden Inhaber bleiben auch künftig im Besitz dreier Immobilien – dem Fahr-Stammsitz in Fulda sowie zweier Filialen in Hofbieber und Hünfeld. Diese verpachten Rainer Schwab und Jürgen Schneider ab dem 1. Januar an die Familie Jakob. Der Betrieb in einem weiteren Autohaus in Petersberg wird eingestellt.

Hatte Fahr an zwei Standorten vor zwei Jahren noch 700 Neu- und 500 Gebrauchtfahrzeuge vermarktet, werden es im Corona-Jahr und nach dem Wegfall mehrerer B-Händler wohl nur noch 300 Neu- und 600 Gebrauchtwagen werden. Die Familie Jakob verkauft dieses Jahr mit ihren drei Vertriebsverträgen (Jeep, Dodge/Ram und Nissan) in Fulda voraussichtlich 350 Neu- und 150 Gebrauchtfahrzeuge. Zuletzt setzte das Familienunternehmen 16 Millionen Euro im Jahr um.

Und so stellen Peter und Benjamin Jakob ihr Geschäft künftig in und um Fulda auf: Der ehemalige Fahr-Stammsitz im Westteil der Stadt wird wieder Opel-Vollfunktionsbetrieb. Außerdem starten die Jakobs in dem Traditionshaus ein neues Geschäftsfeld mit Wohnmobilen von Hymer, Reisemobilen für Einsteiger von Etrusco sowie Wohnwagen von Eriba. Zudem soll ein weiteres neues Fabrikat an dem Standort eingeführt werden. Hierzu tauscht sich Peter Jakob mit mehreren Herstellern aus – unter anderem ist Fiat im Gespräch. Für die Leitung des Standortes konnten die Jakobs Fahr-Geschäftsführer Jürgen Schneider gewinnen.

Am Hauptsitz des Autohauses Jakob in Petersberg im Osten Fuldas platzte das junge Geschäft mit PS-starken US-Cars zuletzt aus allen Nähten. Deshalb verlegen die Jakobs die Big Blocks GmbH zum Jahreswechsel an den jetzigen Opel-Service-Standort von Fahr in Hofbieber zehn Kilometer östlich von Fulda.

Die Fahr-Filiale in Hünfeld – 15 Kilometer nördlich von Fulda – bleibt ein Opel-Vollfunktionsbetrieb.

Das zugekaufte Fahr-Geschäft verbleibt in einer separaten Vertriebsgesellschaft. Die Firmierung soll dabei erhalten bleiben. „Den Namen Fahr möchten wir bewahren“, versichert Benjamin Jakob.

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Stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Newsdesk des »kfz-betrieb«