Dekra: Corona macht die Branche digitaler

Erstmals seit 16 Jahren rückläufiger Umsatz erwartet

| Autor: Holger Schweitzer

Dekra verzeichnet ein positives Geschäftsergebnis 2019. Das volle wirtschaftlichen Ausmaß der Corona-Pandemie erwartet das Unternehmen in den kommenden Monaten.
Dekra verzeichnet ein positives Geschäftsergebnis 2019. Das volle wirtschaftlichen Ausmaß der Corona-Pandemie erwartet das Unternehmen in den kommenden Monaten. (Bild: Dekra)

Konnte die Sachverständigenorganisation Dekra für 2019 noch ein Umsatzplus von zwei Prozent auf 3,4 Milliarden Euro verzeichnen, so erwartet das Unternehmen für 2020 rückläufige Umsätze. Dieser Trend zeige sich bereits in den Umsatzzahlen des ersten Quartals, erklärte der Dekra-Vorstandsvorsitzende Stefan Kölbl auf der Bilanz-Jahrespressekonferenz des Unternehmens am Dienstag in Stuttgart. Der Umsatz sei in den ersten drei Monaten des Jahres um fünf Prozent hinter dem Wert des Vorjahreszeitraums zurückgeblieben.

Der Dekra-Chef hält es aktuell für sehr wahrscheinlich, dass die Corona-Pandemie den 16-jährigen Wachstumskurs des Unternehmens beenden wird. Noch könne man kaum absehen, wie stark sich die Pandemie auf das Geschäftsjahr auswirken werde, so Kölbl. „Die Entwicklung ist davon abhängig, wie lange der Shutdown der Wirtschaft anhält.“

Da nicht kalkulierbar sei, wann wieder mit einer normalen wirtschaftlichen Situation zu rechnen ist, kündigte Köbl ein „umfassendes Maßnahmenbündel“ an. Dazu gehöre, dass Investitionen teilweise verschoben und Einstellungen nur noch selektiv erfolgen würden. Dies sei jedoch von der jeweiligen Region und Dienstleistung abhängig.

Einer der deutlichsten Anzeichen, wie sich die Corona Krise bereits im Unternehmensalltag auswirkt, ist die Kurzarbeit: Laut Kölbl wurde sie für die Geschäftsfelder Zeitarbeit und Training bereits eingeführt. Sie werde absehbar auch auf die Unternehmenszentrale ausgeweitet. Waren im Geschäftsfeld Zeitarbeit Ende 2019 in Deutschland noch fast 7.700 Mitarbeiter beschäftigt, sind es nach Unternehmensangaben im ersten Quartal 2020 noch rund 4.000. Kölbl zeigt sich dennoch vorsichtig optimistisch: „Wir werden zu den ersten gehören, die nach der Krise von einem Aufschwung profitieren.“

Hauptuntersuchungen bleiben sichergestellt

Von Kurzarbeit verschont bleiben dürften die Mitarbeiter in den Prüfstationen der Sachverständigenorganisation. Da die periodische Fahrzeugprüfung als systemrelevante Dienstleistung auch während der Corona-Pandemie gewährleistet bleiben muss, führt die Stuttgarter Sachverständigenorganisation Hauptuntersuchungen weiterhin durch. „Unsere mehr als 500 eigenen Prüflokationen sind bundesweit und flächendeckend geöffnet – und wir prüfen weiterhin in Kfz-Werkstätten“, erklärte Kölbl. Es gelten strikte Regeln, mit denen wir sowohl Kunden als auch Mitarbeiter schützen.“

Der Vorstandsvorsitzende erklärte zudem, wie unterschiedlich aktuell Fahrzeugprüfungen im Ausland gehandhabt würden. So seien sie beispielsweise in Italien bis Oktober vollständig ausgesetzt und in Frankreich würden Pkws an nur jedem zehnten Standort geprüft. Auch in Brasilien, Spanien und in der Slowakei seien die Prüfstationen geschlossen. Hingegen sind laut Kölbl in Schweden, Dänemark und Tschechien die Mehrzahl der Prüfstandorte geöffnet. In den USA sei dies von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich und in China würden die Kapazitäten gerade wieder nach oben gefahren, ergänzte der Vorstandsvorsitzende.

Mehr digitale Serviceangebote

Wie Kölbl außerdem mitteilte, verändere die Corona-Pandemie das Angebot der Dienstleistungen des Unternehmens. „Vor Ort in der Fläche haben wir den direkten Kontakt zwischen unseren Experten und den Kunden auf ein Minimum reduziert“, so Kölbl. Deshalb setze das Unternehmen verstärkt auf digitale Angebote bei Audits, Trainings und Zertifizierungen.

Dies gilt nach Ansicht Kölbls auch für digitale erstellte Gutachten, wie es beispielsweise mit dem Dekra-Konzept der sogenannten „i2i-Technik“ umgesetzt werden soll: Der Kunde schickt Fotos oder Videos zur Begutachtung elektronisch und der Sachverständige dokumentiert und bewertet je nach Schadenaufwand den Fall live oder möglichst zeitnah. „Die Notwendigkeit, persönlichen Kontakt aktuell so weit wie möglich zu vermeiden, wird die Akzeptanz von digitalen Lösungen im Markt beschleunigen“, ist sich der Dekra Chef sicher.

Ein beschleunigtes Interesse an digitalen Produkten, wird sich nach Ansicht der Stuttgarter auch auf den Bereich der sogenannten „Künstlichen Intelligenz“ (KI) auswirken. Hier habe Dekra bereits 2019 Fortschritte gemacht und in Neuseeland einen Prototyp eines selbstlernenden KI-Systems getestet, das defekte Fahrzeugteile prognostizieren soll. Der Prototyp erreiche bereits heute Vorhersagegenauigkeit von 90 Prozent, so Kölbl. „Das eröffnet uns mittelfristig Geschäftschancen, beispielsweise durch die Integration in Flottenmanagementsysteme“, erklärte der Vorstandschef. Ziel des Konzepts sei es, mit hoher Wahrscheinlichkeit vorauszusagen, wann welche Bauteile kaputt gehen, um Reparaturen zeit- und kostengünstig durchführen zu können, sagte Kölbl.

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