Dekra: Mehr Leben retten

Autor: Wolfgang Michel

Rund 200 Gäste aus der Automobilbranche kamen zum ersten Safety-Day in das Klettwitzer Dekra-Technologie-Center. Eine Frage dort lautete: Ist der Unfall am Stauende bald Vergangenheit?

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(Foto: Dekra)

Die Sachverständigenorganisation Dekra hat eine höhere Marktdurchdringung von Fahrerassistenzsystemen angemahnt. Ob Notbremsassistent, Fahrdynamikregelung, Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent – alle diese Systeme haben ein Ziel: Sie unterstützen den Autofahrer und kompensieren wenn nötig sein Fehlverhalten. „Im Hinblick auf das Fernziel der ‚Vision Zero‘, also null Verkehrstote, sind solche Systeme als Elemente der aktiven Sicherheit unverzichtbar“, sagte Dekra-Vorstand Clemens Klinke beim ersten Dekra-Safety-Day im Technologie-Center Klettwitz.

„Immer mehr Technik soll den Unsicherheitsfaktor Mensch in Teilen ersetzen. Dazu muss sie perfekt und unabhängig funktionieren. Diesbezüglich sind alle Fahrzeugüberwacher herausgefordert“, sagte der Chef der Dekra Automobil, Gerd Neumann.

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Für die Automobilindustrie seien vorausschauende Frontschutzsysteme eine große Herausforderung. Damit gemeint ist unter anderem der Fußgängerschutz oder das Verhindern des typischen Auffahrunfalles. Ziel beim Fußgängerschutz ist es, die Unfälle mit tödlich verletzten Fußgängern deutlich zu reduzieren. „45 Prozent der Unfälle mit Fußgängern passieren bei Dunkelheit, rund 30 Prozent am Tag“, sagte Walter Niewöhner, Teamleiter der Dekra-Unfallforschung. „Deshalb sind hier nicht nur die Automobilhersteller gefordert, sondern ebenso die Kommunen. Schließlich spielen sowohl die Straßenbeleuchtung als auch unverdeckte Fußgängerwege eine wichtige Rolle“, so Niewöhner.

Herausforderung: Drohende Auffahrunfälle verhindern

Niewöhner ging auch auf die Szenarien von Auffahrunfällen ein. „Bei rund einem Viertel aller Auffahrunfälle fährt das auffahrende Fahrzeug ungebremst auf das vordere Auto auf“, erläuterte Niewöhner. Hier gelte es unter anderem die Reflektionsgeschwindigkeit der automobilen Radarsysteme zu verbessern. Diesbezüglich gibt es noch viel Arbeit: Notbremsung, moderates oder sportliches Ausweichmanöver, also bremsen oder lenken in der jeweiligen brenzligen Verkehrssituation, stellen Unfallforscher und Entwickler vor große Herausforderungen. Eine Voraussetzung ist der Notbremsassistent an Bord, neudeutsch ein „Advanced Emergency Braking System“ (AEBS). Im Ernstfall erkennt dieses System den drohenden Auffahrunfall und leitet die automatische Vollbremsung des Fahrzeugs ein.

Welches Potenzial in den elektronischen Helfern steckt, präsentierte die Dekra im praktischen Teil der Veranstaltung mit Crashversuchen und Demonstrationsfahrten. Simuliert wurde unter anderem ein Autobahncrash, bei dem ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h ins Stauende fährt. Im Kontrast dazu wurde gezeigt, wie der Notbremsassistent den Unfall verhindert hätte.

Bedeutung der Hauptuntersuchung nimmt zu

„Wenn im Auto Systeme der aktiven Sicherheit verbaut sind, muss gewährleistet sein, dass sie – wie auch die mechanischen Systeme – über das ganze Fahrzeugleben hinweg zuverlässig funktionieren“, gab Gerd Neumann zu bedenken. Denn nur dann könnten sie auch ihre erhoffte Wirkung entfalten. Der periodischen Fahrzeugüberwachung kommt nach seiner Ansicht daher in Zukunft eine noch größere Bedeutung als heute schon zu.

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Chefredakteur »kfz-betrieb«