Wunder-Baum Den richtigen Riecher gehabt?

Autor: Steffen Dominsky

Es gibt vieles, was Autofahren angenehmer macht. Auch ein kleines buntes Ding aus Pappe mit Gummizug gehört dazu. Seit fast 70 Jahren sorgt es für „olfaktorischen“ Genuss.

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Der Wunder-Baum: in den Fünzigern trat er seinen Siegeszug an. In ihm sind Duftstoffe gebunden, die über einen längeren Zeitraum an die Luft abgegeben werden. Im Mercedes-Benz-Museum gehört der kleine Pappkamerad als Exponat zu den „33 Extras“.
Der Wunder-Baum: in den Fünzigern trat er seinen Siegeszug an. In ihm sind Duftstoffe gebunden, die über einen längeren Zeitraum an die Luft abgegeben werden. Im Mercedes-Benz-Museum gehört der kleine Pappkamerad als Exponat zu den „33 Extras“.
(Bild: Daimler AG)

10.000 verschiedene Gerüche können wir unterscheiden. Viel meinen Sie? Im Vergleich zu einem Hund weit gefehlt! Der schafft sage und schreibe eine Million. Was beiden wiederum gemeinsam ist: Sie mögen keine schlechten Gerüche – auch wenn Mensch und Tier in der Definition derselben sicher unterschiedlicher Ansicht sind. Sei es drum. Wer im Auto unterwegs ist und Unangenehmes riecht, der hat im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder Fenster bzw. Lüftung auf und (kalte) Frischluft rein, oder mit der Belästigung leben. Genau Letzteres wollte jedoch ein Milchwagenfahrer aus dem Norden New Yorks vor rund 70 Jahren nicht mehr. Er wandte sich an einen gewissen Julius Sämann und fragte, ob es nicht etwas gäbe, das dem Geruch von verschütteter Milch in seinem Laster etwas entgegenzusetzen hätte.

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Sämann war ein aus dem fränkischen Uffenheim nach Kanada ausgewanderter Biochemiker und Geschäftsmann. Er erforschte die Gewinnung von Kiefernnadelöl. Durch den Milchkutscher inspiriert, kam er auf die Idee, dieses Öl kurzerhand in einem Stück porösen Karton zu binden, um so einen intensiven und langanhaltenden Kiefernduft zu erhalten. 1952 gründete er in Watertown im US-Bundesstaat New York die Firma Car-Freshner Corporation, wo er die Produktion seiner Erfindung aufnahm. Er gab dem Stück Karton fortan die abstrakte Form eines Baumes, färbte ihn grün ein und tränkte ihn mit Aromaölen aus Kanadas Kiefernwäldern. Zuletzt machte er ein Stück Gummischnur dran. Der Name von Sämanns neuem Produkt: „Little Trees“ – kleine Bäumchen.

Eine Idee geht um die Welt

Die kleinen Bäumchen erwiesen sich als effiziente Lufterfrischer, und schon bald erreichten die junge Firma Bestellungen aus dem ganzen Land. Rasch expandierte sie in alle Welt. In den Anfangsjahren wurden die Little Trees durch Taxis populär, wo sie sowohl zur Erfrischung der Innenluft als auch häufig als Dekoration dienten. Es galt als Extraservice, den Fahrgästen ein wohlduftendes Gefährt bereitzustellen.

In den frühen Sechzigern entstanden auch Produktionsstätten in Schweden, Italien und der Schweiz. Dort produzieren mehrere Unternehmen die Little Trees unter der Lizenz. Hier tragen sie unterschiedliche Namen. Bei uns sind sie unter dem Namen „Wunder-Baum“ bekannt, ebenso in Österreich, der Schweiz, Dänemark, Finnland, Norwegen, Polen, Rumänien, Slowenien, Ungarn und Schweden. Während sie in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, Portugal und Spanien „Arbre Magique“ genannt werden. In Großbritannien hießen sie früher „Magic Tree“, bis 2011 der Name „Little Tree“ übernommen wurde. Neben der sogenannten „Classic Line“ mit über 40 Sorten gibt es die Wunderbäumchen mittlerweile auch in Form von Clips, kleinen Fläschchen sowie kleinen Blechdosen.

Technisch perfektionierter Duft im Automobil

Längst gibt es jedoch ausgefeilte technische Möglichkeiten, um in Fahrzeugen angenehme Düfte zu verbreiten. 2009 feierte im Maybach Zeppelin eine Flakonbeduftungsanlage ihre Weltpremiere. Auf Tastendruck erzeugt sie dank ausgeklügelter Technik und hochwertiger Parfums laut Daimler ein wahres Dufterlebnis. Kernstück des Systems ist eine von innen beleuchtete Acrylglaskugel auf der Fondmittelkonsole, die der Maybach Zeppelin-Eigner auch mit seinem Wunschparfum versehen kann.

2013 präsentierte Mercedes-Benz in der S-Klasse der Baureihe 222 sein „Air Balance“-Paket. Es beduftet nicht nur aktiv das Interieur, sondern ionisiert die Innenraumluft auch und bietet ein weiter verbessertes Filtersystem. Die Intensität der Beduftung können Fahrer/Beifahrer über das Command-System einstellen. Heute bietet Daimler dieses System in zahlreichen Modellen an.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group