Fahrbericht Der Abarth 695 Esseesse ist ein exklusiver Spaßbringer

Autor / Redakteur: ampnet / Andreas Wehner

1.390 Exemplare, jeweils 695 Stück in grau und in schwarz: Der Abarth 695 Esseesse punktet mit Exklusivität. Aber nicht nur: Die 180-PS-Rennsemmel macht auch unglaublich viel Spaß.

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Abarth bringt in seiner „Collectors Edition“ den 695 Esseesse auf den Markt. Er ist eine Reminiszenz an das gleichnamige Modell von 1964.
Abarth bringt in seiner „Collectors Edition“ den 695 Esseesse auf den Markt. Er ist eine Reminiszenz an das gleichnamige Modell von 1964.
(Bild: Auto-Medienportal.Net/Stellantis)

Klein und stark und schwarz oder grau ist dieses italienische Produkt, das PS-Feinschmeckern munden soll: Der Abarth 695 Esseesse basiert zwar auf dem Fiat 500, will aber vor allem durch Exklusivität punkten. Mehr als 1.390 Exemplare wird es nicht geben. Die Stückzahl errechnet sich aus der Typenziffer, die mit zwei multipliziert wird. Außer in „Scorpione Schwarz“ gibt es das Sondermodell nämlich noch in „Campovolo Grau“, jeweils 695-mal.

Die Buchstabenform von „Esseesse“ verbietet sich aus historischen Gründen und es ist auch nicht die Bezeichnung der italienischen Überlandverbindungen „Strada Statale“ gemeint. Zweimal „S“ soll als „Super Sport“ verstanden werden. Nach zahlreichen „Biposto“-, „Corsa“- und „Anniversario“-Varianten stellt der aktuelle Zwerg-Renner einen neuen Versuch dar, fast 34.000 Euro für einen aufgemotzten Kleinwagen zu erlösen.

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Dem gebürtigen Wiener Karl (Carlo) Abarth ist es zu verdanken, dass sich das Fiat-Marketing heute auf so eine umfängliche Rennsport-Tradition berufen kann. Die von ihm getunten Fiat-, Simca-, Autobianchi- und Alfa-Romeo-Modelle fuhren in Händen von Motorsport-Größen wie Derek Bell, Hans Herrmann, Walter Röhrl und vielen anderen nicht nur ungezählte Siege ein, sondern sorgten auch dafür, dass das Firmenlogo mit dem Skorpion – dem Tierkreiszeichen Karl Abarths – zum Ausweis ernsthafter Sportlichkeit wurde.

Den Abarth 695 Esseesse befeuert ein 180 PS starker 1,4-Liter-Motor, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 225 km/h. Dass abweichend vom historischen Vorbild Motor und Antrieb vom Heck nach vorn wanderten, daran hat sich die Fangemeinde inzwischen gewöhnt. Vielmehr dürfte sie interessieren, welche Art von Feinschliff den 695 Esseesse noch sportlicher, noch bissiger und noch exklusiver macht.

In 6,7 Sekunden auf Tempo 100

Die Motorhaube aus Aluminium und Veränderungen an den Brembo-Bremsen bringen eine Gewichtseinsparung von 15 Kilogramm. Ein neuer, variabler Dachkantenspoiler soll den Abtrieb an der Hinterachse um bis zu 42 Kilogramm erhöhen. Dies und die maximal 250 Newtonmeter Drehmoment aus dem Turbomotor verbessern das Spurtvermögen um 0,1 Sekunden auf 6,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Für einen sportlich satten Sound sorgen zwei Akrapovic-Auspuffendrohre aus Titan.

Die in Weiß gehaltenen Alu-Felgen, Außenspiegelkappen und Spoilerlippen setzen optische Akzente, die der Innenausbau fortschreibt. Die Schalen der äußerst anschmiegsamen Sportsitze sind ebenfalls weiß, ein Schriftzug auf den Polstern „One of 695“ ruft die Exklusivität der Kleinserie in Erinnerung. Freilich wurde, vermutlich aus Kostengründen, die Chance verpasst, per Durchnummerierung jedes einzelne Fahrzeug zu individualisieren.

Das in aufwändiger Handfertigung mit Alcantara bezogene Armaturenbrett kann allerdings nicht davon ablenken, dass bei den Türverkleidungen auch Hartplastik großflächig zum Einsatz kommt. Die Erwartungen an Multimedia- und Konnektivitäts-Ausstattung werden durch Uconnect-Infotainmentsystem mit Navi, Sieben-Zoll-Touchscreen, USB und Bluetooth erfüllt. Apple Carplay und Android Auto sind selbstverständlich integriert.

Lenkradverstellung verbesserungswürdig

Je flotter ein 3,66 Meter kurzer Renn-Floh bewegt werden soll, desto wichtiger ist eine gute Sitzposition für die optimale Beherrschung von Längs- und Querdynamik. Hierzu fehlt es dem Esseesse an einer Längs-Verstellmöglichkeit der Lenksäule. Bei Kleinwagen ist dieser Verzicht leider gängige Praxis. Bis 1,75 Meter Körpergröße von Fahrer oder Fahrerin mag das noch einigermaßen ausgewogen funktionieren, bei größeren Menschen sind entweder die Pedale zu nah dran oder das Lenkrad zu weit weg.

Auf der langen Geraden wäre ein sechster Gang wünschenswert, denn auf dem scharf gefahrenen Rundkurs kann der Verbrauch bis weit in den zweistelligen Bereich hineingehen. Im öffentlichen Verkehr sind zwischen sieben und acht Liter je 100 Kilometer möglich.

Zum hohen Unterhaltungswert einer Ausfahrt mit dem Abarth 695 Esseesse tragen die Drehfreude des Motors, die geringen Antriebseinflüsse in der Lenkung, der kernige Sound und die knackige Schaltung bei. Gangwechsel per Lenkradpaddel sind auch möglich, dazu muss man sich die automatisierte Schaltbox bestellen. Die Verzögerung und die Feinfühligkeit der Brembo-Bremse ist ohne Fehl und Tadel.

Zweifellos wurde die Vokabel „Rennsemmel“ für Autos wie diesen Abarth erfunden und deshalb waren die meisten Sondermodelle dieser Art im Nu ausverkauft. Zum neuen Line-up der Marke gehören noch der 595 Turismo, der 595 Competizione und der F595, die ebenfalls mit besonderen Ausstattungsmerkmalen glänzen.

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