Markenchef Brandstätter „Der Anspruch der Marke Volkswagen: bezahlbare Premiumtechnologie für alle“

Autor: Christoph Seyerlein

VW führt mit dem ID 4 ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Elementen ein. Für VW-Markenchef Ralf Brandstätter ein Beweis, dass die Wolfsburger Kunden Luxus-Technik zu erschwinglichen Preisen bieten. Selbst aus den eigenen Reihen gibt es aber Kritik, VW werde diesem Anspruch nicht gerecht.

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„Vielen Menschen individuelle Mobilität zu ermöglichen – diese Mission haben wir bei Volkswagen in unserer DNA“, meint VW-Markenchef Ralf Brandstätter.
„Vielen Menschen individuelle Mobilität zu ermöglichen – diese Mission haben wir bei Volkswagen in unserer DNA“, meint VW-Markenchef Ralf Brandstätter.
(Bild: Volkswagen)

Erst vor Kurzem hatte Volkswagens Konzern-Vertriebsleiter Christian Dahlheim angekündigt, die Kernmarke VW Pkw soll künftig näher an den Premiumbereich heranrücken. Diesen Anspruch will das Fabrikat nun offenbar auch direkt mit Leben füllen. Wie VW vermeldete, bringen die Wolfsburger mit dem Marktstart des Elektro-SUVs ID 4 ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Elementen ins Volumensegment.

Die Technik ermöglicht, Fahrinformationen in je zwei Feldern und Ebenen auf die Windschutzscheibe zu projizieren. Das große Fenster für die dynamischen Anzeigen liegt mit einem virtuellen Abstand von etwa 10 Meter im Sichtbereich des Fahrers, es hat rund 1,8 Meter Diagonale. Dort erscheinen Informationen der Assistenzsysteme sowie die Abbiegepfeile und Start- und Zielpunkte der Navigation. Unter dem großen Fernbereichsfenster liegt das Nahbereichsfenster als flaches Band. Dort kann der Fahrer die Geschwindigkeit, die Verkehrszeichen sowie die Assistenz- und Navigationssymbole als statische Anzeigen sehen. Sie scheinen zirka drei Meter vor dem Fahrer zu schweben.

Technik hätte schon mit dem ID 3 starten sollen

Ursprünglich wollte VW das AR-Display schon zum Start des ID 3 einführen. Software-Schwierigkeiten machten diesen Plan allerdings zunichte. Nun folgt der Start im ID 4. Fahrern des ID 3 soll die Technik aber bald als Option per Software-Update zur Verfügung stehen.

In seiner Pressemitteilung spricht Volkswagen von einer „echten Weltneuheit“. Das kann man allerdings infrage stellen: Beispielsweise arbeitet Mercedes-Benz mit seinem Bediensystem MBUX schon länger ebenfalls mit AR-Elementen. Dementsprechend schrieb VW-Markenchef Ralf Brandstätter auch bei Linkedin: „Ein solches System gibt es bisher nur in der Luxusklasse.“ VW führe es nun als erster Volumenhersteller im Kompaktsegment ein. „Genau das ist der Anspruch der Marke Volkswagen: bezahlbare Premiumtechnologie für alle. Und zwar in jeder Klasse“, so Brandstätter weiter.

VW? „Kann sich „das Volk“ kaum noch leisten“

Dass Volkswagen aber eben jenem Anspruch wirklich gerecht wird, stellt mancher in Frage. Dahlheims Ankündigung zur künftigen Positionierung der Marke kommentierte ein VW-Händler gegenüber »kfz-betrieb« beispielsweise folgendermaßen: „Ich glaube, so langsam verlieren die Herren Vorstände jeglichen Bezug zur Realität und vor allem zu unseren Kunden. Für einen einigermaßen ausgestatteten Golf VIII Style E-Hybrid müssen jetzt schon ca. 43.000 - 45.000 Euro hingelegt werden.“

Seine Empfehlung: „Gerade in der aktuellen Cornakrise, mit einer sicher folgenden Wirtschaftskrise, sollte der Volkswagen-Konzern auch wieder Fahrzeuge auf den europäischen Markt bringen, die sich die Menschen leisten können.“

Ähnlich äußerte sich ein weiterer User im Forum von »kfz-betrieb«: „Wenn VW eine Premiummarke sein will, muss das Unternehmen nicht dann über einen Namenswechsel nachdenken? Schon heute haben sich die Modelle in Preisregionen bewegt, die sich ‚das Volk‘ kaum noch leisten kann. Oder warum muss ich für einen nicht üppig ausgestatteten Passat Alltrack 65.000 Euro beim Händler lassen?“

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Fachredakteur Next Mobility