Markt Der Pick-up ist in Europa gescheitert

Autor / Redakteur: sp-x / Marie Lücke

Für kurze Zeit galten Pritschenfahrzeuge bei den Autoherstellern als kernige Alternative zu den immer softeren SUVs. Die europäischen Kunden sahen das offenbar anders.

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Der Versuch, den Pick-up in Europa zu etablieren, ist nicht nur bei Mercedes gescheitert.
Der Versuch, den Pick-up in Europa zu etablieren, ist nicht nur bei Mercedes gescheitert.
(Bild: Daimler AG)

Der europäische Pick-up-Boom ist vorbei, noch bevor er richtig angefangen hat. Das zeigen Zahlen der Beratungsagentur Inovev. Die Neuzulassungszahlen der Pritschenwagen brechen ein, viele Hersteller ziehen sich vom Markt zurück. Dabei waren sie erst vor wenigen Jahren mit großem Optimismus gestartet.

Als SUVs und Geländewagen immer populärer wurden, präsentierten sie sich zunehmend Pkw-hafter. Und so wollten die Autohersteller neben diesen „Softroadern“ eine robuste und bullige Alternative etablieren. Vorbild für die auf dem europäischen Markt verkauften Pick-ups waren die in den USA populären Full-Size-Pick-ups. Diese Trucks sind eher einfach konstruiert, dafür aber stark motorisiert.

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Ab dem Jahr 2013 funktionierte dies zunächst ganz gut. Der Absatz stieg in Europa laut Inovev innerhalb von fünf Jahren von rund 50.000 Einheiten auf 114.000 Fahrzeuge. Anschließend geriet der Boom ins Stocken. Schon ein Jahr später fanden nur noch 105.000 Autos einen Käufer, im Corona-Jahr 2020 später sanken die Zulassungen auf 75.000 Einheiten. Obwohl sich der Markt in Europa zuletzt wieder erholt hat, rollten auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres kaum 50.000 neue Einheiten auf die Straße. Angesichts des gewachsenen Angebots war das deutlich zu wenig Nachfrage.

Viele Hersteller wagten sich auf den SUV-Markt

Besonders Prominent ist unter den gescheiterten Hoffnungsträgern die Mercedes X-Klasse, welche sich trotz der Abstammung vom Nissan Navara als edle Alternative präsentieren wollte. Dies spiegelte sich im Preis wieder. Die Kundschaft zog jedoch nicht mit. Nach gerade einmal drei Jahren Bauzeit lief bereits im Mai 2020 das letzte Exemplar des gemeinsam mit Nissan gebauten Allradlers vom Band.

Nicht nur für Daimler wirkte die Europäisierung des Pick-ups wie eine gute Idee. Vor gut einem Jahrzehnt starteten gleich mehrere Hersteller eine Pritschenwagen-Offensive: Angeführt vom VW Amarok drängten neben dem Mercedes auch der Renault Alaskan und der Fiat Fullback in das zuvor kleine Segment. Beherrscht wurde es bis dato vor allem von asiatischen Modellen wie Nissan Navara, Mitsubishi L200 und Toyota Hilux. Diese mittelgroßen Pritschenwagen fanden in Europa nur ein paar Fans - wirtschaftlich also nicht rentabel.

Pick-up-Markt schrumpft schon wieder

Neben Mercedes reagierten auch andere Hersteller. Der Renault Alaskan ist ebenso verschwunden wie der Fiat Fullback. Auch Nissan will den Navara in Europa künftig nicht mehr anbieten. Selbst VW lässt die nächste Generation des Amarok von Ford bauen. Deren Ranger dürfte zu den wenigen Gewinnern des Pritschenwagen-Abschwungs zählen, muss er sich den Europa-Markt doch künftig wieder mit weniger Konkurrenten teilen. Auch wenn das erhoffte Wachstum ausgeblieben ist: Einen kleinen Markt für die robusten Pritschenwagen gibt es hier auch weiterhin.

In den USA ein Dauerbrenner – hier nicht alltagstauglich

X-Klasse und Co. waren mit gut fünf Metern Länge kompakter als ihre amerikanischen Verwandten. Trotzdem stießen sie in Altstädten und Parkhäusern schnell an bauliche Grenzen. Ihre praktischen Vorteile konnten sie häufig nicht ausspielen. Als Alltagsfahrzeug taugten sie hierzulande kaum.

Hinzu kamen ein gelegentlich ruppiges Fahrverhalten, ein recht hoher Verbrauch und ein nicht eben dezenter Auftritt, der nicht von allen Kunden gewünscht ist. Nicht zuletzt bekamen die Allradler zunehmend ein Problem mit der sozialen Akzeptanz, vor allem dort, wo sie nicht als Nutzfahrzeuge, sondern als reine Lifestyle-Transporter auftraten.

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