Sozialpartner Der Ton in der Industrie wird schärfer

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Trotz der wirtschaftlichen Folgen durch die Corona-Pandemie herrscht in den Großunternehmen der Automobilbranche kein Burgfrieden. Bei VW rüsten sich die Tarifparteien für Gehaltsverhandlungen. Und bei Conti fordert die Gewerkschaft eine stärkere Inpflichtnahme der Shareholder.

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In der Automobilindustrie wird zwischen den Unternehmenführungen und den Gewerkschaften um die Verteilung der Corona-Lasten gerungen.
In der Automobilindustrie wird zwischen den Unternehmenführungen und den Gewerkschaften um die Verteilung der Corona-Lasten gerungen.
(Bild: IG Metall)

In der Automobilindustrie bringen sich Management und Gewerkschaften in Stellung, um ihre Interessen auszufechten. Nach der zweiten Gesprächsrunde zum neuen Haustarifvertrag hat etwa die IG Metall nun Volkswagen aufgefordert, spätestens beim nächsten Treffen Ende Februar ein konkretes Angebot vorzulegen. „Wir erwarten jetzt ein zeitnahes Angebot, über das wir dann auch verhandeln können“, sagte der Bezirksleiter der Gewerkschaft für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger.

VW und IG Metall hatten ihre Verhandlungen zuvor auf einen dritten Termin am 23. Februar vertagt. Es geht um einen neuen Tarifvertrag für die rund 120.000 Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Hannover, Emden und Kassel sowie der VW-Finanztochter. Die Gewerkschaft fordert vier Prozent mehr Geld, mehr Umwandlung in freie Tage und weitere Ausbildungsgarantien.

VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel bekräftigte, angesichts der Doppelbelastung aus Kaufzurückhaltung und Strukturwandel sei die Sicherung zukunftsfähiger Jobs gefragt. Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, es sei für ihn schwer verständlich, warum das Unternehmen sich so zögerlich zeige. Die Belegschaft habe nach der Verschiebung der Entgelt-Frage im „Not-Tarifvertrag” während der ersten Corona-Welle nun Anspruch auf die erste Erhöhung seit Mai 2018. Der 2020 laut vorläufigen Zahlen erreichte Betriebsgewinn von rund 10 Milliarden Euro sei „ein Fingerzeig”, dass es VW recht gut gehe.

Bei Continental verlangt der Betriebsrat angesichts der zahlreichen Stellenstreichungen und des Umbaus beim Autozulieferer mehr Verzicht von den Aktionären. Für das von weiteren Kürzungsbeschlüssen und der Corona-Absatzkrise geprägte Jahr 2020 solle es keine Dividende geben, fordert der oberste Vertreter der Belegschaft im Konzern, Hasan Allak. „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben mit der befristeten Aussetzung der Konzern-Erfolgsbeteiligung einen deutlichen Beitrag geleistet, um Kosten zu senken – von den sehr schmerzvollen Jobverlusten ganz zu schweigen“, sagte er auf Anfrage der „DPA“. Andere Gruppen müssten nun ebenso „spürbare Beiträge leisten“.

Weiter sagte der Gewerkschafter, das Management müsse der Belegschaft mehr Sicherheit und Planbarkeit bieten, um „endlich belastbare individuelle Antworten in Sachen persönliche Perspektiven, Beschäftigung und Qualifizierung zu bekommen“. Die IG Metall hatte im Dezember die Gespräche zum Fortgang des Konzernumbaus abgebrochen. Der Chef der IG Bergbau Chemie Energie, Michael Vassiliadis, drohte: „Dieser Stellenabbau wird teuer.“ Allein in Deutschland stehen rund 13.000 Arbeitsplätze bei Continental im Feuer, weltweit sind es bis zum Jahr 2029 gut 30.000.

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