Der wenig genutzte Netzwerkstandard

Asanetwork verbindet Werkstattgeräte mit DM-Systemen

| Autor: Frank Schlieben

Verteilt die Software automatisch und auftragsbezogen die fahrzeugspezifischen Daten an jede Arbeitsstation in der Werkstatt, bietet das einen enormen Zeitvorteil.
Verteilt die Software automatisch und auftragsbezogen die fahrzeugspezifischen Daten an jede Arbeitsstation in der Werkstatt, bietet das einen enormen Zeitvorteil. (Bild: © WavebreakmediaMicro - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung soll helfen, Prozesse und Organisationen schneller und effizienter zu machen, Routinen zu automatisieren und durch Vernetzung Folgeprozesse zu initiieren, die ebenfalls wieder automatisiert ablaufen. Einerseits sollen dadurch Mitarbeiter von standardisierten Routinetätigkeiten entlastet werden und Freiräume für wichtigere Aufgaben bekommen. Andererseits lässt sich so mit unveränderter Mitarbeiterstärke ein höheres Auftragsvolumen abarbeiten und unter dem Strich das Unternehmen wirtschaftlicher führen.

Mehr Sicherheit und Effizienz in den Prozessen, Entlastung der Mitarbeiter und die Erschließung von Einsparpotenzialen sind auch Ziele des 1998 eingeführten Kommunikationsstandards Asanetwork. Prozesse in der Werkstatt zu beschleunigen, indem man den administrativen Aufwand für Mitarbeiter reduziert, ist ein wesentlicher Punkt des Standards. Die Grundidee hinter Asanetwork: Wenn Werkstattgeräte unabhängig vom Gerätehersteller in der Lage sind, mit der kaufmännischen Software (Dealer-Management-System, DMS) einer Werkstatt bzw. eines Autohauses oder einer Prüfstelle Daten auszutauschen, dann reduziert das klassische Fehler. Denn die Mitarbeiter müssen Fahrzeug- oder Kundendaten nicht mehr selbst eingeben. Durch den freien Austausch von Daten zwischen den einzelnen Systemen wird es zudem möglich, neue Prozesse und Geschäftsmodelle zu installieren.

Schlummernde Potenziale für freie Werkstätten

Das Konzept der herstellerübergreifenden vernetzten Werkstattgeräte hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr durchgesetzt. Heute nutzen Werkstätten, Autohäuser, aber auch Prüforganisationen den Vernetzungsstandard, um ihre internen Prozesse zu beschleunigen und zu verbessern. Nahezu jedes neue, von einem deutschen Hersteller verkaufte Werkstattausrüstungsgerät hat heute die Asanetwork-Schnittstelle ab Werk mit an Bord. Auch viele Softwareanbieter in Deutschland haben die Schnittstellen mittlerweile fast flächendeckend in ihre Systeme integriert. Die Asanetwork GmbH spricht von rund 7.000 Netzwerknutzern im Werkstattbereich. Das ist ordentlich, könnte aber deutlich mehr sein.

Ausgerechnet freie Werkstätten sind häufig zögerlich, wenn es darum geht, den Netzwerkstandard zu nutzen. Asanetwork-Geschäftsführer Frank Beaujean schätzt die Zahl der Asanetwok-fähigen, aber ohne Vernetzung betriebenen Geräte in Deutschland auf gut 100.000 Stück. Das ist unverständlich, wenn man sich vor Augen hält, wie viel administrativen Aufwand eine Werkstatt pro Auftrag mithilfe vernetzter Geräte einsparen kann. Die Funktionsweise des Vernetzungsstandards: Wenn ein Mitarbeiter den Auftrag in der kaufmännischen Software eröffnet, gibt das System die Fahrzeug- oder Kundendaten automatisch an Bremsenprüfstand, zentrales Ölmanagement, Achsvermessung, Klimaservicegerät etc. weiter. Dadurch stehen die Kunden-, Fahrzeug- oder Sollwert-Daten für Fahrzeugeinstellungen und -services in dem Moment an der jeweiligen Arbeitsstation zur Verfügung, in dem der Monteur den Auftrag startet.

Asanetwork spart Werkstätten fünfstellige Beträge

Damit nicht genug: Mit Asanetwork ausgestattete Ausrüstungsgeräte senden die Werte, die bei der Auftragsbearbeitung am Fahrzeug ermittelt wurden, automatisch an das DMS zurück und erzeugen dabei – je nach Art des Auftrags – ein Protokoll für den Kunden oder die Überwachungsorganisationen. Die Datenkommunikation läuft dabei vollautomatisch und unabhängig davon, von welchem Hersteller die Ausrüstungsgeräte stammen.

Stichhaltigstes Argument der Asanetwork-Macher: Selbst kleine Betriebe können durch die Vernetzung von Werkstattausrüstungsgeräten und die damit verbundenen zeitlichen Einsparungen im Tagesgeschäft jährlich fünfstellige Beträge einsparen bzw. die betriebliche Auslastung aufgrund deutlich verbesserter Prozesse durch Mehraufträge steigern. Doch viele Werkstattunternehmer konnte das nicht überzeugen.

Digitaler Schub für Asanetwork

Bis jetzt, denn das omnipräsente Thema Digitalisierung verleiht dem Vernetzungsstandard neuen Schub. Daten, die über den Vernetzungsstandard zwischen Werkstattgeräten und DMS-Systemen ausgetauscht werden, sind eine wichtige Grundlage für digitalisierte Prozesse im Betrieb. Denn Daten aus dem Vernetzungsstandard kann man in einen digitalen Prozess integrieren und automatisiert an andere Systeme übergeben und dort für ebenfalls automatisierte Folgeprozesse verarbeiten. Wie ein digitaler Prozess aussehen kann, soll das folgende Beispiel verdeutlichen.

Aktuell: Der Kunde bringt sein Fahrzeug für Inspektion, HU und AU in die Werkstatt. Dank Asanetwork-Vernetzung sendet das DMS die Fahrzeugdaten direkt an die AU-Arbeitsstation. Manuelle Eingaben am AU-Tester sind nicht erforderlich, fahrzeugspezifische Abgas-Solldaten sind aufgrund der Fahrzeugdaten aus dem DMS bereits vorkonfiguriert, die Abgasmessung kann sofort starten. Das vom Tester erzeugte Messprotokoll wird über die Schnittstelle zurück an das DMS übergeben, um es dort zusammen mit allen anderen Auftragsdaten in der elektronischen Fahrzeugakte abzulegen bzw. einen Ausdruck für den Kunden zu erzeugen. Dieser Datenaustausch funktioniert ähnlich für unterschiedliche Werkstattausrüstungsgeräte.

Wenn das Diagnosegerät mit dem DMS kommuniziert

Künftig: Der Ablauf bei der AU ändert sich nicht, aber das System kann nachgelagerte und parallele Prozesse auf Grundlage der Daten aus dem AU-Tester automatisch digital anstoßen. Beispiel: Das Fahrzeug besteht die AU im ersten Anlauf nicht, weil die vom Abgasmessgerät ermittelten Werte die vorgeschriebenen Sollwerte überschreiten. Das in den Prozess eingebundene Diagnosegerät ermittelt automatisch eine defekte Lambdasonde. Diese Information wird an das DMS übergeben, über das eine Abfrage der Lagerbestände und der Auftrag zur Entnahme einer passenden Sonde aus dem Lager inklusive automatischer Buchung der Ersatzteilposition auf der späteren Kundenrechnung erfolgt. Parallel generiert das DMS automatisch eine Auftragserweiterung für das Kundenfahrzeug und sendet den Zusatzauftrag „Lambdasonde erneuern“ mit den dazugehörigen Arbeitswerten an die elektronische Auftragskarte des Monteurs. Da nach Entnahme der Lambdasonde eine Bestandsuntergrenze im Lager erreicht ist, löst die über das DMS digital vernetzte Lagerverwaltungssoftware automatisch eine Nachbestellung beim Teilelieferanten aus.

Währenddessen ersetzt der Monteur die defekte Lambdasonde, führt die Abgasuntersuchung erfolgreich durch und schließt den Auftrag mit einem Klick auf dem Display seines Handys ab. Dieser Klick löst nicht nur die Übermittlung des AU-Ergebnisprotokolls an das DMS aus; zudem werden die vom Monteur für den Auftrag verbrauchten Arbeitswerte auf die Rechnung übertragen, und diese wird zusammen mit dem AU-Messprotokoll zur Übergabe an den Kunden automatisch im Servicebüro ausgedruckt. Parallel wird der Auftrag im DMS als erledigt gekennzeichnet. Diese Meldung löst im CRM-System des Betriebs automatisch eine SMS-Benachrichtigung an den Kunden aus, dass sein Fahrzeug abholbereit ist. All diese und weitere Prozesse geschehen künftig ohne Zutun eines Mitarbeiters vollautomatisch. Was ein wenig nach Science Fiction klingt, ist in voll digitalisierten und vernetzten Betrieben heute schon Realität.

Fazit: Asanetwork stellt Messwerte und -protokolle aus Werkstattausrüstungsgeräten führender Anbieter als einziger Vernetzungsstandard herstellerübergreifend für die Weiterverarbeitung in allen wichtigen kaufmännischen Softwaresystemen zur Verfügung. Es schafft damit für einen Großteil der täglich in einer Werkstatt anfallenden Arbeiten die Grundlage für die Einbindung von Prüf-, Einstell- und Diagnosearbeiten in einen digitalisierten und automatisierten Workflow.

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