„Design ist Kaufgrund Nummer eins“

Autor / Redakteur: Andreas Wehner / Andreas Wehner

Kia-Chefdesigner Peter Schreyer sprach mit »kfz-betrieb« über Markenbewusstsein, schwarze Schafe in der Modellpalette und die Atmosphäre im Autohaus.

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Peter Schreyer, Chefdesigner bei Kia Motors: „Beim Design ist es wie mit der Architektur: Es muss sinnvoll sein.“
Peter Schreyer, Chefdesigner bei Kia Motors: „Beim Design ist es wie mit der Architektur: Es muss sinnvoll sein.“
(Foto: Kia)

Redaktion: Kia hat ambitionierte Ziele. Weltweit wächst die Marke rasant. Welchen Anteil daran hat das Design der Autos?

Peter Schreyer: Das kann man nicht in Prozent ausdrücken, aber ich glaube, dass das Design eine wesentliche Rolle spielt. Es ist Kaufgrund Nummer eins. Natürlich sind auch Dinge wie der Preis oder die Garantie entscheidend. Aber letztlich geht es darum: Gefällt mir das Auto oder gefällt es mir nicht? Das ist der große Wandel, der sich bei Kia vollzogen hat. Vor einigen Jahren kamen die Leute nur zum Kia-Händler, um ein preisgünstiges Auto zu kaufen. Inzwischen kommen die Leute, weil ihnen die Autos gefallen und weil sie vielleicht auch die Marke für attraktiver halten als noch vor einigen Jahren. Das sind wichtige Voraussetzungen für das Wachstum.

Gilt das auch für Kleinwagen, dass die Leute die Autos in erster Linie wegen des Aussehens kaufen?

Das gilt für alle Autos. Und natürlich und insbesondere auch für kleine Autos.

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Kia versucht gerade, sich eine neue Markenidentität zu geben und diese auch nach außen zu tragen. Auf welche Art spiegeln denn die Modelle diese Markenidentität wider?

Wenn man die Modelle alle nebeneinanderstellt, sieht man ja sehr deutlich, dass sie zusammen ein einheitliches Bild abgeben. Man erkennt, dass sie zu einer Fahrzeugfamilie gehören. Es ist zwar nicht so, dass alle fast bis zum Verwechseln gleich sind, wie das zum Teil bei anderen Marken der Fall ist. Aber die Autos haben alle ein Kia-Gesicht, zwar in verschiedenen Variationen, aber doch wiedererkennbar. Das ist wichtig, um ein gewisses Bewusstsein für die Marke zu schaffen, eine gewisse Aufmerksamkeit. Man muss jedes Modell als Teil der Marke erkennen können.

Wie wichtig ist es denn, auch mal einen Ausreißer in der Palette zu haben, wie beispielsweise den Soul?

Ich finde es ganz schön, wenn man im positiven Sinne ein schwarzes Schaf in der Familie hat. Das Auto ist ja besonders in Amerika ein Renner. So ein Auto polarisiert: Es gibt Leute, die finden es super, andere lehnen es ab. Das erzeugt Reibung, das erzeugt Diskussion, und deshalb muss es solche Autos geben. Es ist gut für die Weiterentwicklung einer Marke. Eine interessante Aufgabe wird sein, in welche Richtung wir das Auto weiterdenken, wenn wir es ersetzen: Ob der kommende Soul etwas ganz was anderes werden soll, oder ob das Auto vielleicht mit einer etwas anderen Charakteristik in der nächsten Generation so fortgeführt wird. Unsere Studie Trackster gibt Ihnen einen Eindruck, in welche Richtung der kommende Soul gehen könnte.

Was ist denn die reizvollere Aufgabe für einen Designer: Eher ausgefallene Autos zu entwerfen oder eine klassische Limousine oder ein typisches Kompaktmodell?

Für mich sind alle Aufgaben spannend, weil ich immer versuche, das Maximum herauszuholen. Bei einem kompakten Fünftürer ist man sehr eingeschränkt. Es ist eine schwierige Aufgabe, das so hinzukriegen, dass er nicht so ausschaut wie alle anderen Fünftürer auch. Noch schwieriger sind Limousinen. Um eine gute Limousine zu entwerfen, braucht man viel Erfahrung. Da ist das Spiel der Proportionen wichtig, wie sitzt die C-Säule, wie sitzt das Greenhouse auf dem Body, wie ist das Verhältnis vom Blech zum Glas, wie sind die Überhänge, die Einzüge. Eine Limousine ist eine gewisse Herausforderung.

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