Detroit 2018: Die Zukunft kann warten

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Christoph Seyerlein

Auf der North American International Auto Show 2018 in Detroit gibt es viele echte Neuigkeiten zu bestaunen. Allerdings zeigen die meisten ganz klar: In den USA kann sich die Mobilität der Zukunft nur schwer durchsetzen.

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(Bild: SP-X/Michael Gebhardt)

Der Star der diesjährigen North American Auto Show (NAIAS) in Detroit? Sicher ein Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern, oder? Weit gefehlt. Die Besucher drängten sich um den neuen Chevrolet Silverado, einen gigantischen Full-Size-Truck, wie die großen Pick-Ups hier heißen. Auch der aufgefrischte Ram 1500 oder der Ford F-150 – erstmals mit Dieselmotor – standen in der Gunst des Publikums ganz weit oben.

Der Jahresauftakt in Detroit ist ein guter Gradmesser, was im zweitgrößten Automarkt der Welt gefragt ist und womit die großen drei Chrysler, Ford und GM ihr Geld verdienen. Die Verkaufszahlen des Jahres 2017 lassen keine Zweifel: Die Pick-ups legen weiter zu (+6 %), die Crossover und SUVs verlieren leicht und die Limousinen sind weniger gefragt. Die vor Jahren bei Benzinpreisen von vier Dollar pro Gallone eilig eingeführten Kleinwagen wie Ford Fiesta, Mazda 2 oder die Scion-Modelle aus dem Hause Toyota stehen sich die Reifen in den Verkaufsräumen platt oder wurden sogar aus dem Programm geworfen. Size matters.

Detroit 2018: Hier und Jetzt schlägt Zukunft
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Das US-Verkaufsvolumen ist mit 17.208.748 Autos im Jahr 2017 immer noch riesig. Beim Business hört bei den Big Three aus Detroit der Spaß auf, und zwar gehörig. Die meisten der US-Stars, die in den Messehallen im Scheinwerferlicht glänzen, schaffen nie den Sprung über den großen Teich nach Europa. Pick-ups und monströse SUVs mit weit mehr als fünf Metern Länge sind allerdings für die US-Amerikaner gang und gäbe.

Rollende elektrische Feigenblätter mögen zwar in Kalifornien hipp sein, der große Rest der USA bleibt aber den traditionellen Fahrzeugen treu, die schon seit Jahrzehnten Bestseller jenseits des Atlantiks sind. Vor allen in ländlichen Gegenden außerhalb der großen Metropolen sind Pick-ups beliebt. Ford entschied sich jetzt sogar dazu, dem Bestseller F-150 einen 184 kW / 250 PS starken V6-Diesel zu verpassen, der einen Durchschnittsverbrauch von 7,8 l/100 km verspricht.

Elektro kann warten

Elektrifizierte Antriebsstränge spielen im Kernland der USA so gut wie keine Rolle. Erst im Jahr 2020 will Ford den Bestseller F-150 als Hybrid anbieten. Dann soll das aber einen echten Verbrauchsvorteil bringen. „Wir haben 150 Patente für dieses System“, erklärt der Leiter von Fords Elektrodivison „Team Edison“, Sherif Marakby. Insgesamt will der amerikanische Autobauer in Zukunft elf Milliarden Dollar in die Elektromobilität investieren.

Im Hier und Jetzt will die örtliche Konkurrenz aber erst einmal nicht zurückstehen und sich vom Platzhirschen mit der Pflaume auf dem Kühlergrill einfach die Butter vom Brot nehmen lassen. Chevrolet hat den komplett neu entwickelten Silverado 1500 im Gepäck. Dank Leichtbau speckt er laut Hersteller deutlich ab – bis zu 200 Kilo sind je nach Version drin. Das senkt den Verbrauch, ein neuer Diesel hilft dabei ebenfalls. Eine komplett neue Front hat der Ram 1500, der bei weitem nicht mehr so barock daherkommt. Größer sind beide Modelle ohnehin noch einmal geworden. US-Medien und Autofans sind gleichermaßen begeistert und prognostizieren neue Verkaufsrekorde.

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 Stefan Grundhoff

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