Detroit: GT is back!

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Jens Rehberg

Mehr als in den Jahren zuvor geben Pick-ups, Sportwagen und große SUVs in der Cobo Hall den Ton an. Die Stars heißen Ford GT, Acura NSX, Audi Q7 und Nissan Titan.

Firmen zum Thema

(Foto: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann)

Im lokalen Frühstücksfernsehen wird bereits früh um 5 Uhr jubiliert. „Buckle up Detroit!“ ruft der bestens gelaunte Moderator ins Mikro, „the carshow is coming back to town.“ Draußen prasselt der Schnee an die Scheiben, der Verkehr auf der Interstate 94 ist nahezu zum Erliegen gekommen und die Gallone Benzin kostet 1,78 Dollar. Detroit im Januar 2015.

Die internationalen Autohersteller melden auf der NAIAS Rekordzahlen und klopfen sich dabei zum Jahresauftakt einmal mehr selbstbewusst auf die breiten Schultern. Absolute Verkaufszahlen, Zuwachsraten oder nationale Erfolge – nahezu jeder findet seine Kategorie, in der er die Konkurrenz ausgestochen hat. So präsentieren sich die Neuheiten zum Jahresauftakt mit dem nötigen Rückenwind gleich doppelt gut.

galleryid=4742

Keine große Überraschung, dass in der Cobo Hall direkt am Detroit River leistungsstarke Sportwagen, luxuriöse SUVs und Pick-ups das Sagen haben. Nachdem Elektroautos weitgehend spurlos von den Messen verschwunden sind, haben es bei lokalen Kraftstoffpreisen von umgerechnet 40 Cent pro Liter Benzin selbst Plug-in-Hybride wie der Mercedes C 350 e schwer, in die erste Reihe zu fahren. „Und für alle, die bei den aktuell sehr niedrigen Benzinpreisen an Plug-in-Hybriden zweifeln“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche, „die dürfte die Boostfunktion des Elektromotors begeistern.“ Der 279 PS starke Vierzylinder mit Elektromotor bringt 600 Nm an die Hinterachse. Der überarbeitete Chevrolet Volt dürfte es angesichts von Billigkraftstoff, Design und Verarbeitung in seiner zweiten Generation schwer haben – genau wie Elektro-Studie „Bolt“ von Chevy – die nach Serienreife einmal dem BMW i3 Konkurrenz machen soll.

Keine große Überraschung, dass in Detroit die Pick-ups für das meiste Aufsehen sorgen. Im abgelaufenen Jahr 2014 belegten Ford F-150, Chevrolet Silverado und RAM 1500 die ersten drei Plätze der Verkaufsstatistik. Im schneereichen Detroit gibt es vom erst jüngst vorgestellten Ford F-150 die nachgeschärfte Raptor-Version und eine Modellpflege nebst Rebel-Modell vom RAM, der ehemals Dodge hieß. Nissan will mit einer Neuauflage des mächtigen Titan endlich an den großen Dreien kratzen. Toyota legt eine Klasse darunter den Tacoma nach – alles Fahrzeuge ohne Bedeutung für den europäischen Markt. Was schade ist, denn die aktuellen Pick-ups sehen nicht nur klasse aus und punkten mit einem großen Nutzwert, sondern haben dank Leichtbau mächtig abgespeckt und bieten echtes Mittelklassefahrgefühl mit dem Nutzen eines Kleinlasters.

Die Europäer greifen die Amerikaner auf der NAIAS derweil mit ihren eigenen Waffen an. Mercedes legt beim GLE Coupé die 585 PS starke Power-Version aus dem Hause AMG nach, Porsche zieht das Tuch vom 570 PS starken Cayenne Turbo S und Audi enthüllt nach langem Warten seinen neuen Q7 – leichter, effizienter und luxuriöser als je zuvor. GLE und Q7 werden noch in diesem Jahr ebenso wie der BMW X5 als Plug-in-Hybride kommen, die den reinen Elektromodellen aufgrund der größeren Praktikabilität längst den Rang abgelaufen haben. Ebenfalls auf die Kombination aus Benzin- und Elektrotriebwerk setzt Volvo mit seinem XC90, der jedoch nur mit kleinen Vierzylindermotoren zu bekommen ist.

(ID:43151338)

Über den Autor

 Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Journalist