Detroit Motorshow: Wenig Amerika, viel Europa

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Christoph Seyerlein

2015 war für den amerikanischen Automarkt ein Rekordjahr. Die Automesse in Detroit und die nationalen Hersteller müssen in der Heimat trotzdem um Aufmerksamkeit kämpfen.

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(Foto: Marcel Sommer)

Das Frühstücksfernsehen ist den USA eine feste Größe. Da macht die einstige Millionenmetropole Detroit keine Ausnahme. Doch am Eröffnungstag der NAIAS 2016 flimmern zu morgendlicher Stunde diesmal in erster Linie Prominente wie Leonardo DiCaprio, Lady Gaga und Matt Damon über den Flachbildschirm. Nur in kurzen Einblendungen kommen zwischen Wetter und den Nachrichten über 46 geschlossene Schulen in Detroit die Verantwortlichen der Autohersteller vor das Mikrofon der Reporter.

Die abendliche Verleihung der Golden Globes in Los Angeles als wichtigstem Fernsehpreis der Welt hat auch der North American International Autoshow im winterlichen Detroit einen Strich durch die Rechnung gemacht. So interessiert viele Amerikaner scheinbar nur am Rande, dass die nationale Autoindustrie gerade das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte hinter sich gebracht hat. 17,4 Millionen verkaufte Autos waren fast sechs Prozent mehr als 2014 und schoben das bisherige Rekordjahr 2000 auf Platz zwei.

Detroit Motorshow: Auftakt ins Autojahr 2016
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Auch die deutschen Hersteller konnten mit 1,4 Millionen US-Verkäufen das erfolgreichste Jahr ihrer Importgeschichte feiern. VDA-Präsident Matthias Wissmann: „Man muss klar sehen, die USA sind für uns einer der beiden wichtigsten Exportmärkte der Welt. Neben allem, was wir hier vor Ort produzieren, geht auch vieles aus Deutschland direkt in die USA.“

Doch nicht nur die Golden Globes bereiten der Automesse in Detroit Schmerzen. Auch die Los Angeles Motorshow, gerade erst zwei Monate vergangen, kostet die Metropole im Bundesstaat Michigan Autopremieren und somit die so wichtige Aufmerksamkeit. So fallen in diesem Januar die Neuigkeiten aus der Autowelt deutlich geringer aus als erwartet. Gerade das in Detroit allzu gern verhätschelte Herstellerdreigestirn aus Ford, General Motors und Fiat Chrysler Automobiles bleibt weit hinter den Erwartungen zurück.

Da ist der mächtige Großraumvan Chrysler Pacifica, der mit seinem variablen Innenraum und jeder Menge Platz für acht Personen für echte Aufmerksamkeit sorgt; auch weil der Familientransporter erstmals als Plug-In-Hybrid zu bekommen ist. Nach Europa kommt der bis zu 287 PS starke Schiebetürvan als Nachfahre des einst so erfolgreichen Voyagers nach der neuen Ausrichtung von FCA aber nicht mehr.

Pick Ups dominieren die Szene

Mit dem Chevrolet Bolt (150 kW, 320 km Reichweite und 30.000 Dollar) ist zumindest ein neuer Konkurrent für BMW i3 und Nissan Leaf entstanden. Doch das rund vier Meter lange Elektromobil hat GM-Chefin Mary Barra an sich bereits vergangene Woche auf der CES in Las Vegas enthüllt. So bleibt es für die amerikanischen Hersteller bei müden Premieren wie dem Chevrolet Cruze Hatchback oder der Modellpflege des Ford Fusion, der in Europa als Mondeo verkauft wird.

„Unser Star auf der NAIAS ist der Fusion“, sagt Joe Hinrichs, von Ford of the Americas, „wir setzen verstärkt auf Plug-In-Hybriden; auch wenn die Nachfrage wegen der niedrigen Kraftstoffpreise aktuell gesunken ist.“ Ein paar Meter weiter zeigen Honda Ridgeline und die imposanten Kraftpakete Nissan Titan Warrior sowie Ford F-150 Raptor, dass Pick Ups in den USA die treibende Kraft sind. Der F-150 ist seit 39 Jahren der meistverkaufte Pick Up in den USA. Weltweit sieht es kaum anders aus. Alle 19 Sekunden wird ein Pick Up aus Dearborne verkauft.

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