Deutsche Autobauer auf Rekordfahrt

Redakteur: Gerd Steiler

Die deutsche Autoindustrie profitiert vom schwachen Euro. Laut E&Y-Studie fuhren die Autobauer 2014 mehrere Rekorde ein: VW mit dem Umsatz, Daimler beim Gewinnzuwachs und BMW in Sachen Profitabilität.

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(Foto: BMW)

Die deutschen Automobilhersteller haben nicht zuletzt dank der Euro-Schwäche im Jahr 2014 kräftig zugelegt. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (E&Y), die die Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt vergleicht, erreichten die deutschen Autobauer im Vorjahr gleich mehrere Rekorde.

Unter anderem konnte Volkswagen 2014 den Titel des Umsatzweltmeisters verteidigen: Der Wolfsburger Autokonzern setzte im vergangenen Jahr 202,5 Milliarden Euro um und damit drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dahinter folgt Erzrivale Toyota: Der japanische Konzern steigerte den Umsatz um sieben Prozent auf umgerechnet 188 Milliarden Euro und verkürzte zugleich den Abstand zu Volkswagen von 21 auf 14 Milliarden Euro.

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Beflügelt vom schwachen Yen konnten gerade die japanischen Autokonzerne ihre Umsätze im Vorjahr überdurchschnittlich stark – durchschnittlich um acht Prozent – steigern. Die weltweit stärksten Zuwachsraten verzeichneten mit Mazda (plus 13 Prozent) und Nissan (plus 11 Prozent) zwei japanische Autobauer.

BMW und Daimler dominieren

Den stärksten Gewinnanstieg schaffte hingegen ein deutscher Autokonzern: Daimler steigerte den operativen Gewinn um 42 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro. Generell waren die deutschen Autobauer im vergangenen Jahr überaus erfolgreich unterwegs: Zusammen schafften Volkswagen, Daimler und BMW ein Umsatzplus von sechs Prozent. Ihr Gewinn (Ebit) stieg um 20 Prozent auf 32,6 Milliarden Euro – im Schnitt stiegen die operativen Gewinne der 16 weltweit größten Autohersteller im vergangenen Jahr um vier Prozent. Den höchsten Gewinn erwirtschaftete wie schon im Vorjahr Toyota mit rund 18,0 Milliarden Euro (Vorjahr: 17,3 Milliarden Euro), gefolgt von den drei deutschen Herstellern Volkswagen (12,7 Milliarden Euro), Daimler (10,8 Milliarden Euro) und BMW (9,1 Milliarden Euro).

Derweil verteidigte BMW seinen Titel als profitabelster Autokonzern der Welt: Mit einer Ebit-Marge von 11,3 Prozent (Vorjahr: 10,5 Prozent) lag der bayerische Autokonzern deutlich vor Toyota mit 9,6 Prozent (Vorjahr: 9,8 Prozent) und Hyundai mit 8,5 Prozent (Vorjahr: 9,5 Prozent).

Auch die beiden anderen deutschen Autokonzerne konnten ihre operative Marge erhöhen: Volkswagen von 5,9 auf 6,3 Prozent und Daimler von 6,4 auf 8,3 Prozent. Laut Studie ernteten die deutschen Autobauer damit die Früchte ihrer Maßnahmen zur Kostensenkung und einer breiten Modelloffensive. Besonders bemerkenswert sei dabei, dass die Unternehmen nicht an Zukunftsinvestitionen gespart hätten, vermerken die Studienautoren. Im Gegenteil: Die Ausgaben der deutschen Hersteller für Forschung und Entwicklung seien im Jahr 2014 um 6,5 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro gestiegen.

Von solchen Margen sind die französischen und US-amerikanischen Autobauer den Angaben zufolge weit entfernt: PSA Peugeot Citroën und Renault erwirtschafteten eine operative Ebit-Marge von je 2,6 Prozent. Ford, Fiat Chrysler Automobiles und General Motors kamen auf eine Ebit-Marge von 2,7 Prozent. Während der operative Gewinn der deutschen Autobauer im Gesamtjahr 2014 bei insgesamt 32,6 Milliarden Euro lag, erzielten die US-Hersteller zusammen eine Ebit-Marge von 9,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn der beiden französischen Autokonzerne lag bei 2,4 Milliarden Euro.

Auch beim Absatzwachstum hatten die deutschen Hersteller die Nase vorn: Volkswagen (plus fünf Prozent), BMW (plus acht Prozent) und Daimler (plus zehn Prozent) legten durchschnittlich um sechs Prozent zu und wuchsen damit stärker als die beiden französischen Autokonzerne (plus vier Prozent) sowie die japanischen und US-Hersteller (jeweils plus drei Prozent). Der weltweite Pkw-Absatz stieg im vergangenen Jahr laut Branchenverband OICA um knapp vier Prozent. Profitiert hätten die deutschen Autokonzerne vor allem vom starken Wachstum in China, aber auch von der Erholung auf dem europäischen Markt, heißt es in der Studie.

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Gute Aussichten für 2015

2015 stünden die Zeichen gerade für die deutschen Autokonzerne erneut auf Wachstum – dank billigem Öl und schwachem Euro: „Der relativ niedrige Ölpreis wirkt in vielen wichtigen Märkten wie ein Konjunkturprogramm und kurbelt dort die Nachfrage nach Neuwagen an“, heißt es in der Studie weiter. Der schwache Euro biete zudem den Unternehmen aus dem Euroraum die Chance auf höhere Umsätze und steigende Marktanteile. Einzig die konjunkturelle Abschwächung auf dem Wachstumsmarkt China und die Absatzkrise in Russland könnten sich für die deutschen Autobauer negativ auswirken.

Nach einer langen Durststrecke ging es im vergangenen Jahr auch in Westeuropa wieder aufwärts: Der Gesamtmarkt wuchs um fünf Prozent, das Wachstum der deutschen Autokonzerne erreichte ebenfalls fünf Prozent. „Der westeuropäische Markt hat im vergangenen Jahr die Kurve gekriegt und bietet der Autobranche endlich wieder Wachstumsmöglichkeiten. Die deutschen Autokonzerne haben in den vergangenen Krisenjahren massiv Marktanteile in Europa gewonnen und dürften von der Erholung des europäischen Neuwagenmarktes in den kommenden Jahren überdurchschnittlich stark profitieren“, heißt es in der E&Y-Studie.

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