Deutscher Pkw-Markt im September erstmals 2020 im Plus – doch nicht alle Marken profitieren

Autor: Christoph Seyerlein

Anders als 2018 und 2019 ist der deutsche Pkw-Markt in diesem Jahr im September nicht in ein WLTP-Loch gefallen. Im Gegenteil: Erstmals im Jahresverlauf gingen die Neuzulassungen im Vergleich zu einem Vorjahresmonat nach oben. Manche Marke verpasste es allerdings, auf diesen Zug mit aufzuspringen.

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Im September 2020 gab es in Deutschland 265.227 Pkw-Neuzulassungen.
Im September 2020 gab es in Deutschland 265.227 Pkw-Neuzulassungen.
(Bild: Volkswagen)

Der September 2020 war der erste Monat, in dem der deutsche Pkw-Markt im Vergleich zum Vorjahr gewachsen ist. 265.227 Neuzulassungen bedeuteten laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ein Plus von 8,4 Prozent. Angetrieben wurden die Geschäfte vor allem von Privatkunden (+18,3 %). Doch auch der Gewerbemarkt, der für 64 Prozent aller Zulassungen gut war, legte im Vergleich zum September 2019 zu (+3,5 %). Im Gesamtjahr bleibt der deutsche Automarkt nach neun Monaten mit insgesamt 2.041.831 Neuzulassungen allerdings weiter klar im Minus (-25,5 %).

Anders als 2019 und vor allem 2018 sackte das Neuwagen-Geschäft im September diesmal nicht wegen Problemen mit der Umstellung auf den Abgas-Prüfzyklus WLTP ab. Das lässt sich auch an den Bilanzen von Marken ablesen, die damit große Probleme hatten. Beispiel Audi: Die Ingolstädter legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um satte 42,4 Prozent zu. Größter Gewinne im September war unterdessen Tesla mit einem Plus von 82,7 Prozent. Doch längst nicht jedes Fabrikat profitierte von der Markterholung: Deutliche Einbußen mussten beispielsweise Opel (-27,6 %) und Mazda (-24,7 %) verkraften.

Beim Marktanteil lag wie gewohnt VW ganz vorne. Mit 15,2 Prozent lagen die Wolfsburger allerdings weit von ihrem angepeilten 20-Prozent-Ziel entfernt. Zwar hatte die Marke im September gegenüber dem Vorjahresmonat ein Neuzulassungswachstum vorzuweisen, mit 1,6 Prozent legte das Fabrikat aber in einem deutlich geringeren Ausmaß zu als der Gesamtmarkt. Im Gesamtjahr kommt VW bislang auf 18,0 Prozent Marktanteil.

Zulassungsstärkstes Segment im September waren erneut die SUVs mit 21,2 Prozent Marktanteil. Der Vorsprung auf die Kompaktklasse (21,0 %) fiel aber geringer aus als zuletzt. Einen Boom erfahren weiter Wohnmobile. Ihre Neuzulassungen schnellten im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 160 Prozent in die Höhe. Kaum gefragt sind dagegen nach wie vor Mini-Vans (-46,8 %) und Großraum-Vans (-19,6 %).

Ungebrochener Elektro-Boom

Ungebrochen ist in Deutschland auch der Run auf elektrifizierte Fahrzeuge. Rein batteriebetriebene Autos legten mit 21.188 Neuzulassungen um gut 260 Prozent zu und erreichten einen Marktanteil von 8,0 Prozent. Noch stärker fiel das Wachstum bei Plug-in-Hybriden (+463,5 %, 7,6 % Marktanteil) aus. Insgesamt war mehr als jedes fünfte neue Auto im September ein reiner oder ein Plug-in-Hybrid (20,4 % Marktanteil). Zuwächse gab es auch für Flüssiggas-Autos (+176,1 %, 0,3 % Marktanteil) und Erdgas-Pkw (+17,9 %, 0,2 % Marktanteil).

Dagegen waren vor allem Benziner zuletzt spürbar weniger gefragt. Ihre Neuzulassungszahlen brachen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,6 Prozent ein. Damit lag ihr Marktanteil im September bei 45,5 Prozent. Diesel verzeichneten ein Minus von 6,4 Prozent und einen Anteil von 25,6 Prozent. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß ging um 13,4 Prozent zurück und betrug 134,3 Gramm pro Kilometer.

Krise noch nicht überwunden

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) führt das Wachstum im September vor allem auf den WLTP-Effekt zurück. Ein Ende der Corona-Krise sieht die Lobbyvereinigung noch nicht. Gegen einen nachhaltigen Aufschwung spreche beispielsweise, dass im vergangenen Monat lediglich 396.300 Autos produziert worden seien. Das waren 11 Prozent weniger als vor einem Jahr. Für das Gesamtjahr geht der VDA nach wie vor von einem Rückgang der Zulassungszahlen um rund 25 Prozent im Vergleich zu 2019 aus.

Auch Peter Fuß, Automobilexperte der Unternehmensberatung EY, trat auf die Euphoriebremse. Zwar habe sich die Lage normalisiert, „aber die erhofften starken Aufholeffekte, die sich aus aufgeschobenen Käufen in den Vormonaten hätten ergeben könnten, bleiben aus“, analysierte er. „Somit wird immer klarer, dass der deutsche Neuwagenmarkt auf eine tiefrote Jahresbilanz zusteuert“, so Fuß weiter.

Im europäischen Vergleich schlug sich der deutsche Automarkt im September insgesamt gut. Ähnliche Ergebnisse gab es beispielsweise in Italien (+9,8 %) und Österreich. Alles in allem bleibt die Lage aber fragil: In Spanien sanken die Neuzulassungen um 13,5 Prozent, in der Schweiz um 11,4 Prozent und in Frankreich um 3 Prozent.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility