Deutscher Pkw-Markt überwindet kurzes Zwischentief

Deutlich mehr Neuzulassungen im Mai

| Autor: Christoph Seyerlein

(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland ist im Mai deutlich gestiegen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) kamen im zurückliegenden Monat 323.952 Autos erstmals auf die Straße. Das waren 13,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Damit kehrte der deutsche Pkw-Markt nach einem Durchhänger im April (-8 %) zurück in die Erfolgsspur. Im Gesamtjahr hat das KBA bislang 1.459.333 Neuzulassungen gezählt, 4,7 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2016.

Die gute Entwicklung im Mai ist teilweise auch darauf zurückzuführen, dass der Monat 2017 einen Verkaufstag mehr hatte als im Vorjahr. Laut der Unternehmensberatung EY legte der Markt bereinigt um diesen Sondereffekt aber immer noch um acht Prozent zu.

Die gewerblichen Zulassungen legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,5 Prozent zu, bei den Privatkäufern entschieden sich 8,5 Prozent mehr für ein neues Auto. Rund zwei Drittel aller Neuzulassungen entfielen im Mai auf den gewerblichen Bereich (64 %), der Privatsektor war für die restlichen 36 Prozent verantwortlich.

EY-Berater Peter Fuß sieht auch in der nahen Zukunft günstige Rahmenbedingungen für den deutschen Pkw-Markt. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und das niedrige Zinsniveau gepaart mit positiven Konjunkturaussichten würden Risiken wie den Brexit oder die Unsicherheiten aufgrund der US-Handelspolitik unter Präsident Trump locker kompensieren. Große Sprünge seien aber nicht zu erwarten, so Fuß: Bereits im vergangenen Jahr habe der deutsche Automarkt in der ersten Jahreshälfte stark losgelegt, in der Folge ging ihm aber etwas die Puste aus. „Insgesamt wird der Absatz von neuen Pkw in diesem Jahr voraussichtlich um drei Prozent zulegen – nachdem er im Vorjahr noch um 4,5 Prozent gewachsen war“, schätzt Fuß.

Weiter auf dem Vormarsch sind hierzulande Importeursmarken. Ihr Marktanteil stieg in den ersten fünf Monaten 2017 laut dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) von 35,4 Prozent im Vorjahr auf 37,5 Prozent. Auch die Marken mit dem prozentual stärksten Zuwachs im Mai waren Importeursfabrikate. Die Top drei stellten hier Dacia (+49,2 %), Toyota (+38,2 %) und Fiat (+36,5 %). Die einzig relevanten Marken (0,5 % Marktanteil oder mehr), bei denen der Absatz im zurückliegenden Monat zurückging, waren Honda (-1,6 %) und Smart (-10 %).

Neuzulassungsentwicklung Mai 2017:
Gewinner und Verlierer in Deutschland

(Nur Marken mit mindestens 0,5 Prozent Marktanteil; Erklärung zur Tabelle: Nur zwei der relevanten Fabrikate haben im Mai 2017 weniger Autos verkauft als im Vorjahresmonat)
Hersteller Entwicklung zu Mai 2016 Anzahl NZL Mai 2017
Dacia +49,2 % 6.785
Toyota +38,2 % 7.608
Fiat +36,5 % 10.635
Mitsubishi +29,4 % 4.756
Suzuki +26,9 % 6.622
Honda -1,6 % 1.736
Smart -10,0 % 3.269
Gesamtmarkt +12,9 % 323.952

Quelle: KBA

Von den deutschen Herstellern strahlte Mercedes im Mai am hellsten. Die Stuttgarter legten im Vergleich zum Vorjahr um satte 25,2 Prozent zu. Porsche erreichte ebenfalls ein zweistelliges Plus (+11 %). VW legte um 8,8 Prozent zu, BMW um 6,9, Opel um 3,9 und Audi um 1,4 Prozent.

Diesel verliert weiter an Boden

Autos mit Dieselantrieb befinden sich unterdessen weiter in der Abwärtsspirale. Nur noch 40,4 Prozent der im Mai neu zugelassenen Fahrzeuge waren Selbstzünder (-1,4 %). Dagegen boomten die Benziner regelrecht. Ihr Anteil stieg auf 56,8 Prozent (+22,6 %). Nach Einschätzung von EY-Mann Fuß dürfte die Abkehr vom Diesel in den kommenden Monaten weiter an Fahrt aufnehmen – vor allem im Kleinwagen- und Kompaktsegment. Den Hauptgrund dafür sieht Fuß in der anhaltenden Debatte um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. „Ohnehin werden sich Dieselfahrzeuge aufgrund zusätzlicher technischer Maßnahmen zur Abgasreinigung zukünftig verteuern“, sagt der Berater.

Positiv fiel auch die Entwicklung der Neuwagen mit elektrischen Antrieben aus. Plug-in- und Vollhybride (+134 %) und reine Elektroautos (+158,5 %) waren deutlich stärker gefragt als vor Jahresfrist. Ein Blick auf die reinen Absatzzahlen zeigt aber, dass es für diese Fahrzeuge nach wie vor ein weiter Weg aus der Nische ist. 6.843 neu zugelassene Hybride und 1.520 E-Autos sind gemessen an den insgesamt 323.952 neuen Autos auf der Straße immer noch eine verschwindend geringe Zahl. Ein geteiltes Bild ergab sich im Mai bei den Autos mit Gasantrieben: Während Fahrzeuge mit Flüssiggas (LPG) um 79,3 Prozent zulegten, fiel die Nachfrage nach Erdgas-Autos (CNG) wesentlich geringer aus als im Vorjahresmonat (-46,6 %).

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