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Diagnose: Freie bleiben auf Augenhöhe mit dem Hersteller

| Autor: Jan Rosenow

Die Fachtagung für freie Werkstätten verdeutlichte, dass in Zukunft kaum noch Arbeiten ohne Kontakt mit dem Autohersteller durchgeführt werden können. Trotzdem bleiben die freien Betriebe mit den richtigen Werkzeugen und Informationen handlungsfähig und kompetent.

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Jeder nur einen Tisch! Der sichere Abstand zwischen den Teilnehmern blieb bei der Fachtagung jederzeit gewahrt.
Jeder nur einen Tisch! Der sichere Abstand zwischen den Teilnehmern blieb bei der Fachtagung jederzeit gewahrt.
(Bild: Stefan Bausewein)

Pass-thru, Security Gateway oder Update-over-the-Air – bei vielen freien Werkstätten lösen diese englischen Wortschöpfungen Unbehagen aus. Stehen sie doch für den immer größeren Einfluss, den die Autohersteller auf die Fahrzeugdiagnose und auf Arbeiten an der Fahrzeugsoftware ausüben. Viele Betriebe befürchten, dass sie in Zukunft kaum noch eigenständig Fehlersuchen oder Software-Updates durchführen können. Doch das stimmt nicht: Mit den richtigen Werkzeugen schaffen es die Freien, in der Diagnose auf Augenhöhe mit den Hersteller zu kommen und damit weiterhin in vollem Maße handlungsfähig zu bleiben.

Fachtagung 2020: Die Diagnose-Kompetenz entscheidet
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Wie dieses Ziel erreicht wird, zeigten die Expertenvorträge auf der Fachtagung für freie Werkstätten und Servicebetriebe, die am 10. Oktober im Vogel Convention Center in Würzburg stattfand. Um die immer aufwendigeren Sicherheitsmaßnahmen der Autohersteller überwinden zu können, müssen Kfz-Unternehmer allerdings technisch stets up to date sein. „Betriebliche Investitionen in Hard- und Software sind absolut nötig“, betonte Stefan Vorbeck, Sprecher der Bundesfachgruppe freie Werkstätten im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), in seinem Grußwort.

Vorbeck kritisierte allerdings, dass alle Fahrzeughersteller die Zugangsvoraussetzungen selbst regelten, und forderte eine Standardisierung für den Zugriff der Kfz-Betriebe. Der ZDK setzt sich laut Vorbeck bei der Europäischen Union bereits dafür ein, einen standardisierten Fahrzeugzugang für Werkstattbetriebe in die Homologationsvorschriften aufzunehmen.

Der Diagnoseexperte Professor Stefan Goß von der Fachhochschule Ostfalia betonte, dass Automobilhersteller das Security Gateway, also den Schutz der Diagnoseschnittstellen vor unbefugter Benutzung, keinesfalls als Behinderung freier Werkstätten eingeführt hätten, sondern tatsächlich als Schutz vor Hackerangriffen. Mit einer Anmeldung beim Hersteller können also auch weiterhin Diagnosearbeiten an solchen „gesperrten“ Fahrzeugen vorgenommen werden. Dies dürfte ohnehin bald Standard werden. Laut Dr. Harald Neumann, Leiter des Fachbereichs Diagnose beim Werkstattausrüsterverband ASA, arbeiten nämlich „alle Autohersteller an einem Security Gateway“.

Praxisnahe Vorträge und Livepräsentationen machten auf der Fachtagung zudem deutlich, dass die Arbeit mit den Herstellerportalen keine „Raketenwissenschaft“, sondern von jedem Werkstattmitarbeiter zu erlernen und umzusetzen ist. So demonstrierten die „Autodoktoren“ Hans-Jürgen Faul und Holger Parsch, bekannt aus der Sendung „Auto Mobil“ auf Vox, wie man mit dem Diagnosegerät Euro-DFT Zugang zur Diagnose- und Programmierungssoftware der Fahrzeughersteller bekommt und damit beispielsweise in wenigen Minuten einen Fahrzeugschlüssel anlernt. Und Thorsten Blos, Fachredakteur beim Ausbildungsmagazin »autoFACHMANN«, erklärte den Umgang mit den digitalen Serviceheften mehrerer Autohersteller und führte vor, dass sich hinter diesen oft erstaunlich leistungsstarke Diagnose- und Programmierungsfunktionen verbergen.

Angeregter Austausch trotz Hygieneabstands

Vielen Teilnehmern merkte man die Freude darüber an, dass sie mit der Fachtagung endlich wieder die Gelegenheit zum Reden von Angesicht zu Angesicht hatten. Rudolf Pickl, Geschäftsführer von Pickl Automobile aus Hohenwart, sagte: „Die Fachtagung gehört für mich einfach jedes Jahr dazu, um sich mit Kollegen auszutauschen und sich fernab vom Tagesgeschäft über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Der Besuch hat sich für mich trotz der widrigen Umstände gelohnt.“ Am Computer verfolgte Bert Lembens, Leiter Sales Service bei Continental Aftermarket, die Veranstaltung. Sein Fazit: „Mein Kompliment zu dieser gelungen Hybrid-Veranstaltung! Es gab spannende, zukunftsorientierte Themen und klare Botschaften an die Werkstätten.“

Insgesamt verfolgten 230 Teilnehmer das Geschehen auf der Fachtagung live, davon 170 im Vogel Convention Center in Würzburg (das war die von den Gesundheitsbehörden maximal erlaubte Personenzahl) und 60 über den Livestream im Internet. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den Sponsoren Automechanika Frankfurt, BMW und GTÜ. Zudem präsentierten über 20 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen dem Publikum.

Trotz des strengen Hygienekonzepts, das den Abstand zwischen den Teilnehmern zu jeder Zeit sicherstellte, erwies sich die Fachtagung auch bei ihrer 29. Auflage als unverzichtbarer Treffpunkt für die Betreiber und Mitarbeiter von freien Kfz-Werkstätten, die hier Vertretern von Teileindustrie und Werkstattausrüstern begegnen und sich austauschen konnten.

Die Fachtagung ist ein Forum für Inhaber und Führungskräfte freier Werkstätten und Servicebetriebe. Die praxisnahen Vorträge und Livepräsentationen sind ein besonderes Merkmal der Veranstaltung und behandeln das gesamte Arbeitsgebiet freier und markengebundener Kfz-Betriebe. Eine umfassende Branchenausstellung rundet das Programm ab.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group