Suchen
+

Diagnose: Macht hoch die Tür, die Tor ...

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Vera Preising

Weit offene Tore zu Daten und Service-/Reparaturfunktionen moderner Automobile – schön wär’s! Stattdessen sorgen Security Gateway und Co. für immer mehr verschlossene Diagnosezugänge. Ein Grund für freie Werkstätten, zu verzagen? Nein!

Plötzlich Halt? Das kann Werkstätten in Sachen Diagnose bzw. einfache Servicefunktionen immer öfter passieren. Nämlich dann, wenn Hersteller wie FCA, VW oder Mercedes-Benz ihren Fahrzeugen ein „Security Gateway“ verpassen.
Plötzlich Halt? Das kann Werkstätten in Sachen Diagnose bzw. einfache Servicefunktionen immer öfter passieren. Nämlich dann, wenn Hersteller wie FCA, VW oder Mercedes-Benz ihren Fahrzeugen ein „Security Gateway“ verpassen.
(Bild: ©pikselstock - stock.adobe.com)

Nein, es ist nicht schon bald wieder Weihnachten, wie es eine deutsche Fußballikone gerne werbetechnisch formulierte. Und Geschenke gibt es deshalb schon gleich zweimal nicht – zumindest keine schönen. Denn die, die die Autoindustrie für freie Werkstätten und zahlreiche andere, sogenannte „unabhängige Marktteilnehmer“ seit einiger Zeit auf Lager hat, hören auf Namen wie „Security Gateway – SGW“ (FCA), „Schutz der Fahrzeugdiagnose – SFD“ (VW), „Seed-&-Key-Verfahren“ (Mercedes-Benz). Und die sind auf den ersten Blick erst mal „bäh“, schließlich bedeuten sie allesamt, dass (freie) Betriebe mit klassischen Multimarken-Diagnosetestern bei ausgesuchten oder auch sämtlichen Modellen einer Marke plötzlich vor einem elektronisch verschlossenen Tor stehen und nicht weiterkommen – so wie bei Fiat-Chrysler seit gut zwei Jahren und beim neuen Golf 8. Fehlerspeicher lesen/löschen, Serviceanzeige zurückstellen und so weiter: Fehlanzeige!

Problem Funkschnittstelle

Dass Autobauer mehr und mehr Sicherheitsschleusen in ihren Fahrzeugen verbauen, ist verständlich. Schließlich sind Autos mittlerweile zu wahren Kommunikationsmaschinen mutiert: Sie funken Datenmengen nach draußen, dass die Schwarte kracht. Umgekehrt sollen und müssen sie auch solche empfangen – aber bitte nur „autorisierte“! Genau dieser Datenaustausch via Funk ist es, der dafür sorgt, dass der eine oder andere Hersteller auch seine Diagnoseschnittstelle (OBD-Dose) für Nichtmarkenpartner verschließt. Sie ist quasi ein „Bauernopfer“. Denn das weiß mittlerweile jeder kleiner Mechatroniker: Alles und jedes in einem modernen Auto ist heute vernetzt. Jedes Steuergerät kommuniziert mit jedem anderen. Und genau diese Vernetzung sorgt dafür, dass man als OEM nur bedingt sagen kann: „Ich mache meine Funkschnittstelle hochsicher, aber über den OBD-Anschluss kommt jeder rein wie bisher.“ Denn beides ist ein hohes Gut: technische Sicherheit und der sichere Umgang mit (sensiblen) Daten. Um diese beiden Dinge geht es bei dem ganzen Spiel.