Die deutsche Hybridwelle rollt an

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Jan Rosenow

In den nächsten Monaten schicken alle heimischen Premiumhersteller neue Hybride auf den Markt. Darunter Modelle von Mercedes-Benz,BMW und Volkswagen.

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Das Batteriemodul und die Leistungselektronik sitzen beim VW Touareg unter dem Kofferraumboden, die Antriebstechnik wie gehabt unter der Haube.
Das Batteriemodul und die Leistungselektronik sitzen beim VW Touareg unter dem Kofferraumboden, die Antriebstechnik wie gehabt unter der Haube.
( Foto: VW )

Den Auftakt zur neuen deutschen Hybridwelle machte in diesem Frühling der Mercedes ML 450 Hybrid. Nach der Weltpremiere auf der New York Motorshow kommt der 2,2 Tonnen schwere Allrader im Herbst in den Handel. Die Kunden in Deutschland haben davon jedoch wenig. Nach aktuellen Überlegungen will Daimler den teilelektrifizierten ML Hybrid nur in den USA anbieten. Ungewiss ist, ob er überhaupt jemals zu uns kommt. Die Daimler-Verantwortlichen geben ihm angesichts des anhaltenden Dieseltrends im europäischen SUV-Segment und des zu erwartenden Aufpreises im Vergleich zum Benziner kaum reale Marktchancen.

BMW schickt mit deutlich mehr Power zum Ende des Jahres seinen X6 Hybrid ins Rennen. Die Kunden von Porsche Cayenne und VW Touareg müssen sich bis 2010 gedulden. Die gemeinsam entwickelten und weitgehend identischen Hybridmodule sind fertig, die letzten Abstimmungsfahrten laufen. Jetzt müssen beide Hersteller nur noch die Nachfolgemodelle vorstellen. Denn weder Porsche noch Volkswagen wollen die sparsamen Hybridmodule in den auslaufenden Modellvarianten verbauen.

Volkswagen hat sich den Touareg für den Hybrideinstieg ausgeguckt. 2010 werden die Wolfsburger den Touareg II sowohl mit Benzin- und Dieselvarianten als auch mit Hybridantrieb auf den Markt bringen. Die Vollhybrid-Technologie, die das neu gestylte SUV dann mitbringen wird, verfügt über einen rund 70 Kilogramm schweren Nickelmetallhybrid-Akku. Der zunächst geplante 3,6-Liter-V6 mit 280 PS wurde von einem neuen, mechanisch aufgeladenen Benzin-Direkteinspritzer mit 245 kW/333 PS ersetzt, der unter anderem den Audi S4 antreibt. Der zusätzliche Elektromotor stellt in Touareg und Cayenne weitere 38 kW/52 PS zur Verfügung.

Geräusch- und emissionslos unterwegs

Bei moderaten Geschwindigkeiten bis rund 50 km/h können Touareg und Cayenne vollkommen elektrisch und somit bis zu zwei Kilometer emissionsfrei fahren. Bei höheren Geschwindigkeiten schaltet sich der drei Liter große Verbrennungsmotor ein, der dank seiner Kompressoraufladung aus sechs Zylindern so viel Power bietet wie üblicherweise ein gewöhnliches V8-Aggregat. Der Elektromotor übernimmt die Rolle eines Generators und sorgt für die Energie, die Bordelektronik und Klimaanlage benötigen. Bei hohen Leistungsanforderungen unterstützt der Elektromotor den aufgeladenen Sechszylinder per Kickdown. Die Kraft der beiden Herzen leitet eine Achtgang-Automatik aus dem Hause Aisin an die Vorder- und Hinterachse weiter. Dabei stehen kurzzeitig 275 kW/375 PS und ein maximales Drehmoment von 550 Nm zur Verfügung.

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Die hoch gelobten Dieselversionen von Mercedes ML oder BMW X6 bekommen bisher kein Bein auf den US-Boden. Ab Spätsommer kommen die Hybridvarianten. „Wir sind zwar nicht die ersten“, sagt Mercedes-Chefentwickler Dr. Neil Amstrong, „haben mit dem Mercedes ML 450 Hybrid aber den besten Hybriden.“

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