Reifentest Die Dimension beeinflusst die Reifenleistung nur gering

Autor: Jan Rosenow

Der TÜV Süd hat zusammen mit der Schweizer „Auto-Illustrierte“ einen Ganzjahresreifen in vier Größen von 15 bis 18 Zoll getestet. Tuningfreunde müssen angesichts der Ergebnisse ganz tapfer sein.

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Auf der nassen Kreisbahn zeigte der 17 Zoll große Versuchsreifen die beste Leistung.
Auf der nassen Kreisbahn zeigte der 17 Zoll große Versuchsreifen die beste Leistung.
(Bild: TÜV Süd)

Große Räder- und Reifendimensionen stehen ganz oben auf der Liste der beliebtesten Extras. Kaum jemand will bei einem Kompaktwagen noch mit 15-Zoll-Rädern unterwegs sein, wenn das Radhaus mit einem wuchtigen 18-Zöller doch viel besser gefüllt ist. Und gleichzeitig bieten größere und breitere Reifen ja auch die bessere Performance, oder?

Diese Frage hat nun die Schweizer „Auto-Illustrierte“ zusammen mit dem TÜV Süd in einem Vergleichstest beantwortet. Die Tester verglichen auf einem VW Golf Reifen der Dimensionen 195/65 R 15, 205/55 R 16, 225/45 R 17 und 225/40 R 18. Interessanterweise verwendeten sie bei diesem Versuch einen Ganzjahresreifen, und zwar den Goodyear Vector 4 Seasons Gen-3, was die Bandbreite der Herausforderungen an den Pneu noch einmal deutlich vergrößerte.

Im Wintertest gewinnt der 16-Zöller

Beim Wintertest in Sankt Moritz lag der Golf mit dem 16-Zoll-Raddurchmesser leicht vorn und schlug die anderen Reifendimensionen vor allem beim Beschleunigen auf Schnee. Beim Bremstest auf Schnee aus 35 km/h kamen der 16- und der 18-Zöller nach zwölf Metern gleichzeitig zum Stehen, die beiden anderen Dimensionen brauchen jedoch nur wenig länger.

Auf dem Handling-Parcours hatte der 16-Zöller ebenfalls knapp die Nase vorn, allerdings fielen auch hier die anderen Größen nicht nennenswert zurück. Die Unterschiede in den Standardtests waren also marginal. Und auch bei der Praxisprobe auf öffentlicher Straße, inklusive schneebedecktem Höhenpass, zeigten alle vier Größen gute Traktions- und Bremseigenschaften.

Kein Märchen: Breitreifen sind anfällig für Aquaplaning

In den Sommertests auf der Goodyear-Teststrecke im französischen Mireval zeigte bei 30 Grad Außentemperatur der 17-Zoll-Allrounder die besten Werte – vor allem beim Bremsen. Auf nassem Asphalt aus Tempo 80 brauchte der Golf 35,5 Meter Bremsweg, auf trockener Straße und aus 100 km/h 41,5 Meter. Doch auch hier benötigten die anderen Varianten maximal 1,5 Meter mehr.

Beim Aquaplaning bestätigte sich erneut die Faustformel: Je breiter der Reifen, desto schneller schwimmt er auf. Während der breite 18-Zöller bereits bei 76,1 km/h das Wasser nicht mehr verdrängte, hielt der schmale 15-Zoll-Reifen noch bis 90 km/h die Haftung. Die nasse Kreisbahn absolvierte wiederum der 17-Zöller in der kürzesten Zeit.

Der modische 18-Zöller konnte also in keiner Disziplin wirklich herausstechen – moderate Dimensionen wie 16 oder 17 Zoll bringen die besseren Allroundleistungen. Aber auch mit dem „kleinen“ 15-Zoll-Rad ist die Fahrsicherheit jederzeit gegeben. Gleiches gilt für den Ganzjahresreifen an sich. Fazit des TÜV-Süd-Reifenexperten Michael Stamm: „Qualitativ hochwertige Allwetterreifen bieten in allen Dimensionen sehr akzeptable Fahreigenschaften und sind für viele eine gute Alternative. Die Ergebnisse der verschiedenen Test-Szenarien zeigten eher geringe Unterschiede. Alle Reifen waren stets sicher – auf Schnee und unter sommerlichen Bedingungen.“

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Über den Autor

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group