Die Geschichte der S-Klasse

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Sie bilden seit jeher den Schwerpunkt des Lieferprogramms der Marke Mercedes-Benz: Fahrzeuge mit und auch ohne das berühmte „S“. 1972 taufte man sie offiziell „S-Klasse“.

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Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihen W 112, W 109, W 116, W 126 auf der Einfahrbahn in Stuttgart-Untertürkheim.
Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihen W 112, W 109, W 116, W 126 auf der Einfahrbahn in Stuttgart-Untertürkheim.
(Foto: Daimler)

Die S-Klasse von Mercedes-Benz verfügt über eine lange Tradition, die zurückreicht bis zu den Anfängen der Marke zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Schon lange vor der offiziellen Bezeichnung S-Klasse bilden Fahrzeuge der Ober- und Luxusklasse den Schwerpunkt des Lieferprogramms der Stuttgarter Marke, bei der vor allem Luxus, Komfort und Sicherheit im Vordergrund steht. Das Topmodell von Mercedes-Benz verstehe sich dank moderner Technik, hohem Komfort und ausgeklügelten Sicherheitssystemen in jeder Generation als Vorreiter für die Automobilentwicklung, sagt der Stuttgarter Autobauer nicht ohne Stolz. Viele Technikmerkmale, die Mercedes-Benz in der S-Klasse erstmals in einem Serienautomobil anbot, seien in der Folge auch von anderen Automobilherstellern aufgegriffen worden. Seit 1951, als die Produktion von Oberklasse-Limousinen zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufgenommen wurde, hat Mercedes-Benz weltweit mehr als 3,5 Millionen Limousinen der Luxusklasse verkauft.

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Vom W 187 zum „Ponton-Mercedes“ (1951 bis 1959)

In der Nachkriegszeit beginnt die direkte Ahnenreihe der S-Klasse mit dem Typ 220 (W 187) 1951. 1954 folgt ein grundlegend neues Modell mit der gleichen Typenbezeichnung. Dieser neue Typ 220, intern auch 220 a (W 180) genannt, ist das erste Mercedes-Benz-Sechszylindermodell in selbsttragender Bauweise. Mit dem überarbeiteten, leistungsstärkeren Typ 220 S hält 1956 der Buchstabe „S“ dauerhaft Einzug in die Nomenklatur der Mercedes-Benz-Oberklasse und unterstreicht den Sonderklasse-Status des Ponton-Sechszylinders. 1958 debütiert der 220 SE (W 128) und damit eine weitere, dank Benzineinspritzung noch leistungsstärkere Variante des Oberklassemodells. Wie bei der ein Jahr zuvor eingeführten Repräsentationslimousine vom Typ 300 d (W 189) ist die leistungs- und effizienzsteigernde Technologie als Saugrohreinspritzung ausgeführt.

Der „Adenauer-Mercedes“ (1951 bis 1962)

Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzt Mercedes-Benz das Segment der automobilen Spitzenklasse erneut. Der Typ 300 (W 186) debütiert 1951 zusammen mit dem Typ 220 auf der ersten Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main. Bei seinem Erscheinen ist das neue Topmodell von Mercedes-Benz mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h das schnellste deutsche Serienfahrzeug. Zugleich ist der „Dreihunderter“ das erste Repräsentationsfahrzeug der deutschen Nachkriegsproduktion. Bundeskanzler Konrad Adenauer erhält noch im Dezember 1951 eines der ersten Exemplare als Dienstwagen und lässt sich fortan nur noch im Typ 300 chauffieren. Folgerichtig wird das Topmodell im Volksmund „Adenauer-Mercedes“ genannt. 1957 wird der Typ 300 grundlegend überarbeitet und erhält die interne Bezeichnung 300 d (W 189). Das „d“ steht dabei für die vierte Ausführung (nach 300, 300 b und 300 c). Für eine höhere Motorleistung sorgt die Benzineinspritzung, die erstmals nicht mehr als Direkteinspritzung, sondern als Saugrohreinspritzung ausgeführt ist. Der längere Radstand und die geräumigere Karosserie erhöhen den Komfort ebenso wie die auf Wunsch erhältliche Servolenkung oder die Klimaanlage. Die Klimaanlage, damals noch als „Kühlanlage“ bezeichnet, schlägt mit einem Aufpreis von 3.500 DM zu Buche – ein VW Käfer kostet Ende der 1950er-Jahre kaum mehr.

Von der „Heckflosse“ zur Hochleistungslimousine (1959 bis 1972)

Die 1959 eingeführten „Heckflossen“-Modelle 220, 220 S und 220 SE (W 111) erhielten ihren Beinamen nach den dezenten Heckflossen, welche die hinteren Kotflügel zieren und die wegen ihrer Funktion als Einparkhilfe offiziell „Peilstege“ genannt werden. Die neue Oberklasse-Generation verfügt über eine von Béla Barényi erdachte Sicherheitskarosserie mit Knautschzone, die erstmals in einem Serienautomobil umgesetzt wird. Das 1961 präsentierte Topmodell der Modellreihe, der 300 SE (W 112), ist serienmäßig mit Luftfederung und dem neu entwickelten Automatikgetriebe von Mercedes-Benz ausgerüstet und begründet 1963 in der längeren Ausführung eine Tradition in den Oberklasse-Limousinen von Mercedes-Benz: Der zehn Zentimeter längere Radstand ermöglicht den Fondpassagieren ein deutliches Plus an Beinfreiheit und Reisekomfort. 1965 lösen die Limousinen der Baureihe 108 und 109 die sogenannte „Heckflosse“ ab. Ein besonderes Highlight ist der 1968 präsentierte 300 SEL 6.3. Das neue Topmodell der Baureihe verfügt über den leistungsstarken V8-Motor der Highend-Limousine Mercedes-Benz 600 und bietet neben hohem Komfort und luxuriöser Ausstattung Fahrleistungen auf Sportwagenniveau.

Der legendäre Typ 600 (1963 bis 1981)

Eineinhalb Jahre nachdem der letzte „Dreihunderter“ im März 1963 die Werkshallen in Sindelfingen verlässt, debütiert auf der IAA in Frankfurt ein neues Topmodell von Mercedes-Benz. Der Typ 600 (W 100) ist ein Fahrzeug der Superlative: Sein 6,3-Liter-V8-Motor ermöglicht äußerst respektable Fahrleistungen und eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 200 km/h. Für größtmöglichen Fahrkomfort sorgen die Luftfederung, ein Automatikgetriebe aus eigener Fertigung sowie eine Servolenkung. Eine einzigartige Komfort-Hydraulik ermöglicht die Verstellung der Vordersitze und der Rücksitzbank, das Öffnen und Schließen der Autotüren, der Kofferraumklappe und des auf Wunsch lieferbaren Schiebedachs sowie das Öffnen und Schließen der Seitenfenster. Die fünf- bis sechssitzige Ausführung mit dem regulären Radstand von 3.200 Millimetern wird im Wesentlichen von sehr anspruchsvollen privaten Kunden bestellt. Daneben bietet Mercedes-Benz auch eine sieben- bis achtsitzige Version mit einem 70 Zentimeter längeren Radstand an, die vor allem als Staats- und Repräsentationslimousine zum Einsatz kommt. Im Juni 1981 wird das letzte von insgesamt 2.677 Exemplaren der legendären Luxuslimousine im Mercedes- Benz Werk Sindelfingen gefertigt und ausgeliefert.

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Baureihe 116 (1972 bis 1980)

Die 1972 präsentierte Nachfolge-Baureihe 116 bringt nun auch im Namen zum Ausdruck, was bei Mercedes-Benz seit Jahrzehnten Programm ist: Die Oberklasse-Limousinen mit dem „S“ in der Typenbezeichnung werden nun offiziell unter dem Begriff „S-Klasse“ geführt. Das Sicherheitskonzept umfasst zum Beispiel einen kollisionsgeschützten Tank, ein Vierspeichen-Sicherheitslenkrad, verschmutzungsarme Seitenscheiben, großflächige Scheinwerfer, auffällige Blinkleuchten und schmutzabweisende gerippte Heckleuchten. 1977 beginnt mit dem 300 SD das Dieselzeitalter in der Luxusklasse, zunächst jedoch nur auf den nordamerikanischen Märkten. Der Luxus-Diesel ist zugleich der erste Serien-Pkw mit Turbodieselmotor. Ab 1978 ist die S-Klasse als weltweit erstes Serienfahrzeug mit Anti-Blockier-System (ABS) erhältlich, das die Lenkfähigkeit auch bei einer Vollbremsung sicherstellt.

Baureihe 126 (1979 bis 1991)

In der 1979 vorgestellten Baureihe 126 hält der Airbag, heute ein zentrales Element der Automobilsicherheit, 1981 Einzug in den Automobilbau. Weitere Merkmale dieser S-Klasse-Generation sind die aerodynamisch optimierte Form und die konsequente Gewichtsreduzierung, unter anderem durch neue Leichtmetall-V8-Motoren. Akzente setzt die Baureihe 126 auch im Design: Als erster Mercedes-Benz-Personenwagen verzichtet sie auf die traditionellen Chrom-Stoßstangen und verfügt stattdessen über verformbare Kunststoff-Stoßfänger, die auch einen Parkrempler unbeschadet überstehen. Bei ihrem Erscheinen zunächst von manchem Betrachter als nüchtern und schmucklos empfunden, gilt das Design der Baureihe 126 schon bald als zeitlos-elegant.

Baureihe 140 (1991 bis 1998)

Die S-Klasse der Baureihe 140 ist 1991 der neue Mercedes-Benz der Superlative. Seine Entwickler setzen auf maximalen Komfort – unter anderem durch großzügige Abmessungen und Doppelverglasung für eine optimierte akustische Dämmung. Mit den Topmodellen 600 SE und 600 SEL bietet zum ersten Mal ein Mercedes-Benz-Serien-Pkw einen V12-Motor. Den Start des Leistungsspektrums markiert der 300 SD Turbodiesel, der den Luxusklasse-Diesel nun auch auf Märkten außerhalb Nordamerikas verfügbar macht. Auch diese Generation der S-Klasse führt eine bahnbrechende Sicherheits-Innovation in den Automobilbau ein: das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP, das seit 1995 in den V12-Versionen zum Serienumfang gehört und für die V8-Modelle optional erhältlich ist. Im Folgejahr kommt auch noch der Brems-Assistent BAS hinzu.

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