Lockdown im Kfz-Handel „Die Hetzjagd auf das Auto hat aufgehört, das ist viel wert“

Autor: Doris Pfaff

Das Auf und Ab von Lockerungen und Beschränkungen macht dem Handel zu schaffen. Der ZDK kämpft deshalb weiter für die Öffnung des stationären Autohandels. Ihren kleinen Spielraum sollten die Betriebe nutzen, sagen ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn und Arne Joswig, ZDK-Vorstandsmitglied.

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Die aktuellen Verschärfungen verunsichern die Kunden erneut. Die Öffnung der Verkaufsflächen durch die Terminvereinbarung hatte gerade erst zu einer leichten Erholung bei den Autohäusern geführt.
Die aktuellen Verschärfungen verunsichern die Kunden erneut. Die Öffnung der Verkaufsflächen durch die Terminvereinbarung hatte gerade erst zu einer leichten Erholung bei den Autohäusern geführt.
(Bild: Pfaff/»kfz-betrieb«)

Mit dem April geht der stationäre Autohandel – mit Ausnahme von Thüringen – in den fünften Lockdown-Monat. Aktuell heißt es für den Kfz-Handel, genau hinzuschauen, was im jeweiligen Landkreis möglich ist. Die aktualisierten Corona-Schutzverordnungen der Bundesländer sind in Kraft getreten.

ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn will als Unternehmer nicht erst abwarten, bis die Politik Schritte vorschreibt, sondern sie schon früher umsetzen.
ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn will als Unternehmer nicht erst abwarten, bis die Politik Schritte vorschreibt, sondern sie schon früher umsetzen.
(Bild: Promotor)

Vielerorts gibt es nach den März-Lockerungen mit Click and Meet wieder Verschärfungen: Statt Termin-Shopping kann teilweise nur bestellt und abgeholt werden. Einige Bundesländer wie NRW ermöglichen für ausgewählte Regionen ein neues Modell: Test, Click and Meet. Dann darf der Kunde nur ins Autohaus, wenn er einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorweisen kann.

ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn und ZDK-Vorstandsmitglied Arne Joswig sehen als Händler mit Autohäusern in mehreren Bundesländern und Landkreisen die Auswirkungen dieses Flickenteppichs in den eigenen Betrieben. Ständig müssen sie sich mit den Änderungen vor Ort beschäftigen und immer wieder Möglichkeiten austarieren, um handlungsfähig zu bleiben.

Die Kunden sind stark verunsichert

ZDK-Vorstand Arne Joswig fordert die Betriebe auf, die Bausteine Testen, Kontaktnachverfolgung durch die Luca-App und digitale Tools zum kontaktlosen Autoverkauf zu nutzen.
ZDK-Vorstand Arne Joswig fordert die Betriebe auf, die Bausteine Testen, Kontaktnachverfolgung durch die Luca-App und digitale Tools zum kontaktlosen Autoverkauf zu nutzen.
(Bild: Promotor)

Uneingeschränkt geöffneten Autohandel gibt es teilweise in Schleswig-Holstein, wo die Inzidenzwerte unter 50 liegen. Für den Autohandel ist das der angestrebte Idealzustand und die beste Perfomance, sagt Joswig. In Hamburg dagegen ist nur Click and Collect erlaubt, „da geht für den Privatmarkt so gut wie nichts mehr“. Die Kunden seien inzwischen absolut verunsichert.

Das bestätigt auch Peckruhn. Als die Kunden ab März nach Terminvereinbarung wieder ins Autohaus durften, habe sich das Privatkundengeschäft etwas erholt. Diese Tendenz könne den massiven Auftragseinbruch vom Jahresanfang zwar nicht kompensieren, aber den Betrieben wieder etwas Luft verschaffen, so Peckruhn.

Die finanzielle Situation der Betriebe sei sehr unterschiedlich. „Bei einigen steht das Wasser bis Oberkante Unterlippe, vor allem wenn Betriebe vorwiegend vom Privatkundengeschäft leben“, sagt Peckruhn. Wer auf viele Groß- und gewerbliche Kunden zurückgreifen könne, habe meist weniger Probleme.

Die aktuellen Verschärfungen durch die Notbremse stellten die Betriebe erneut vor großen Herausforderungen und gefährdeten den Erholungseffekt vom März. Sie wissen nicht, ob sie neue Ware bestellen und ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken sollen.

Sorgen vor der Reaktion der Hersteller

Was lässt sich vom verlorenen Frühjahrsgeschäft überhaupt noch aufholen? Auch die Frage nach den Zahlungszielen steht im Raum. Wie reagieren die Hersteller auf die Situation des Handels? Die Sorge ist groß, dass diese nur nach den jüngsten Zulassungszahlen schauen, die aber das Ergebnis des guten Dezembergeschäfts seien. „Wenn der Hersteller glaubt, die Liquidität der Händler stimmt, dann liefert er normal aus“, sagt Peckruhn. Wenn am Ende das Ergebnis nicht stimme, greife der Hersteller regulierend ein. Mit Folgen für den Händler. „Wir müssen aufpassen, dass dann nichts eingefordert wird, was wir nicht erfüllen können“, sagt Joswig.

Der ZDK fordert deshalb von den Herstellern und Importeuren, die Probleme des Handels zu berücksichtigen und die Ziele entsprechend anzupassen. Doch Peckruhn zeigt sich angesichts der Direktvermarktungsstrategien einiger Hersteller skeptisch: „Es entsteht der Eindruck, dass einige die Pandemie nutzen, um sich der unbequem gewordenen Partner zu entledigen.“

Unternehmen sollen verbleibenden Spielraum nutzen

Dennoch lasse die Situation der Pandemie den Betrieben auch Spielraum, den sie nutzen sollten, appellieren Peckruhn und Joswig. Wer sich digital gut aufstelle und schnell die Auflagen umsetze, stehe meist besser dar. Der kontaktlose Autoverkauf sei möglich. Wichtig sei, der großen Verunsicherung der Kunden entgegenzutreten. Peckruhn versuche dies mit Tests seiner Mitarbeiter. Zweimal wöchentlich lasse er sie testen: mittels Selbsttests im Betrieb und Schnelltests durch geschultes Personal. Damit werbe er um das Vertrauen des Kunden.

Die Betrieben sollten ihre Mitarbeiter freiwillig testen lassen oder Schnelltests zur Verfügung stellen, damit der Kunde seine Unsicherheit im Autohaus verliert.
Die Betrieben sollten ihre Mitarbeiter freiwillig testen lassen oder Schnelltests zur Verfügung stellen, damit der Kunde seine Unsicherheit im Autohaus verliert.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Ähnlich hält es Joswig: Auch er bietet seinen Mitarbeitern Schnelltests und setzt zudem die vom Kfz-Gewerbe beworbene Luca-App zur digitalen Kontaktnachverfolgung ein. „Die Luca-App, Tests der Mitarbeiter und die strenge Umsetzung der Hygieneauflagen sind unsere Bausteine und machen den Besuch im Autohaus sicher“, sagt Joswig.

Die Pandemie hat die Hetzjagd aufs Auto beendet

Er ist überzeugt davon, dass dies der richtige Weg ist und gibt sich optimistisch. „Der größte Teil der Durststrecke liegt hinter uns“, sagt er. Ähnlich sieht es Peckruhn. Die Pandemie werde zwar den Autohandel noch eine Weile im Griff haben, aber sie habe für das Kfz-Gewerbe einen ganz entscheidenden Sinneswandel gebracht. „Die individuelle Mobilität hat wieder an Bedeutung gewonnen, und die Hetzjagd auf das Auto hat aufgehört, das ist viel wert. Die Kunden wissen jetzt, wie wichtig es ist, ein Auto zu haben“, so Peckruhn.

Zudem haben sich die Digitalisierungsprozesse in den Betrieben beschleunigt, ebenso in den Behörden. Das Zulassungsdesaster vom ersten Lockdown habe sich nicht mehr wiederholt, weil die Behörden für die Belange des Autohandels sensibilisiert worden seien und sich deshalb besser organisiert haben. Zwar könnten Autohäuser noch nicht selbst zulassen, aber die Notwendigkeit, dass sie dies zukünftig tun können, sei erkannt worden.

Die Forderung nach Öffnung der Autohäuser bleibt

Die Pandemie habe allerdings unmissverständlich gezeigt, dass der Kunde weiterhin ins Autohaus kommen wolle, um ein Fahrzeug zu kaufen. Die Forderung des Kfz-Gewerbes, den stationären Autohandel von der Schließungsanordnung auszunehmen, bleibe deshalb klar bestehen. „Es ist unrechtmäßig und überhaupt nicht notwendig, wie das Beispiel Thüringen zeigt. Es gibt keinen einzigen Fall, wo es zu einer Ansteckung im Autohaus gekommen ist“, betont Peckruhn. Der Autohandel verfüge über ausreichend Verkaufsflächen, funktionierende Hygienekonzepte, teste Mitarbeiter und nutze die Luca-App. Den Kampf um die Öffnung der Autohäuser werde der ZDK deshalb auch weiter führen.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik