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Die Jäger und Sammler der Digitalisierung

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Kein Autofahrer mag Werkstattaufenthalte, schon gar nicht ungeplante. Genau die dürfte es künftig nicht mehr geben. „Datamining“ und „Predictive Diagnostic“ lauten die Schlagworte – in Zukunft geben Autos bereits Bescheid, bevor eine Störung eintritt.

Bisher konnten sich Fahrzeughersteller nur dann für sie relevante Daten aus den Systemen ihrer Fahrzeuge zu ziehen, wenn sie am Diagnosesystem in der Werkstatt hingen. Dank einer mobilen Datenanbindung mittles GSM-Modul/SIM-Karte können sie das heute jederzeit und völlig ohne das Wissen des Fahrzeughalters tun.
Bisher konnten sich Fahrzeughersteller nur dann für sie relevante Daten aus den Systemen ihrer Fahrzeuge zu ziehen, wenn sie am Diagnosesystem in der Werkstatt hingen. Dank einer mobilen Datenanbindung mittles GSM-Modul/SIM-Karte können sie das heute jederzeit und völlig ohne das Wissen des Fahrzeughalters tun.
(© industrieblick - Fotolia)

Gut 400 Jahre hatte die Erkenntnis des englischen Philosophen Francis Backon Gültigkeit: „Wissen ist Macht“. Doch im Zeitalter der Digitalisierung entsteht eine andere, neue Erkenntnis: „Daten sind Macht“. So verwundert es kaum, dass ein wachsender Personenkreis um den Besitz und die Nutzung digitaler Daten debattiert – um es höflich zu formulieren. Auch Automobilhersteller sind hier ganz vorne mit dabei. Denn mit den Daten, die ihre Fahrzeuge immer öfter in immer größerem Umfang sammeln, lässt sich so allerhand anfangen. Vor allem lässt sich damit Kasse machen – auch im Hinblick auf die Diagnose.

„Es ist ein Schatz, den man nutzen kann. Ich gehe davon aus, dass sämtliche OEMs bereits daran arbeiten“, ist sich Prof. Norbert Schreier sicher. Was der Dozent an der Uni in Esslingen und ausgewiesene Diagnoseexperte damit meint? Ganz einfach: die Millionen und Abermillionen Daten, die jedes moderne Fahrzeuge im Rahmen seiner On-Board-Diagnose (OBD) und darüber hinaus heute erhebt, aber zum allergrößten Teil nicht nutzt. Denn bisher merken sich Fahrzeuge Daten meist nur dann, wenn etwas passiert, also z. B. eine Störung aufgetreten ist. 99,9 Prozent der Diagnosedaten und Informationen landen im digitalen Papierkorb. Genau das könnte sich bald ändern. Sprich: Die Hersteller werden sich in absehbarer Zeit diesen Datenschatz aneignen und zu barer Münze machen.