Die Katze wird 75 Jahre alt

Redakteur: Dipl.-Ing. Edgar Schmidt

Die britische Nobelmarke Jaguar feiert im Jahr 2010 einen runden Geburtstag. Das Unternehmen wurde zwar schon vor 88 Jahren gegründet, doch 1935 kam das erste Auto mit der Bezeichnung „Jaguar“ auf die Straße.

Genau genommen ist Jaguar schon wesentlich älter als 75 Jahre. Doch Williams Lyons und William Walmsley hatten bei der Gründung ihres Unternehmens im Jahr 1922 im englischen Blackpool noch anderes im Sinn als Automobile. Sie bauten Motorradseitenwagen in Torpedoform und nannten ihre Firma Swallow Sidecars (zu deutsch: Schwalbe-Beiwagen).

Ab 1927 stiegen die beiden in den Automobilbau ein und fertigten Karosserien für den Austin Seven und den Morris Cowley sowie Chassis für verschiedene Hersteller. 1931 folgte die erste Eigenkonstruktion, der S.S. 1, der gleich erfolgreich war. Daraufhin führten die Gründer den Firmennamen „S.S. Cars“ ein.

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Erst im Oktober 1935 tauchte der erste Jaguar auf: Das Unternehmen gab einem von 73 auf 100 PS getunten S.S.-100-Modell mit 2,5-Liter-Motor diese Zusatzbezeichnung. Zu dieser Zeit war Swallow mit seinen S.S.-Modellen erfolgreich, weil sie sportlicher aussahen als vergleichbare Wettbewerber und zudem meist billiger waren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Jaguar dann zum Firmennamen, da die Bezeichnung S.S. durch die Deutschen zu negativ besetzt war.

Auf der London Motor Show im Oktober 1948 feierte mit dem XK 120 der Urahn der bis heute existierenden XK-Baureihe Premiere. Auf dieses Modell folgten die legendären Rennwagen C- und D-Type. Sie beherrschten den Motorsport der fünfziger Jahre und gewannen allein fünfmal die 24 Stunden von Le Mans.

Schönster Sportwagen aller Zeiten

Den wohl bekanntesten Jaguar stellte das Unternehmen 1961 vor – den E-Type. Er gilt heute als einer der bekanntesten Oldtimer und ist für viele einer der schönsten Sportwagen aller Zeiten. Zusätzlich zu den Sportwagen entwickelte Jaguar aber auch Luxuslimousinen. 1960 kaufte der inzwischen geadelte Firmengründer Sir William Lyons die englische Daimler Motor Company, deren Autos die britische Königsfamilie gern nutzte. Außerdem entwarf er den ersten XJ, der 1968 auf die Straße kam. Der neue XJ, den Jaguar Anfang 2010 vorstellte, ist mittlerweile die achte Generation der Oberklasse-Limousine.

1989 kaufte Ford das Unternehmen auf und brachte 2001 den X-Type auf Basis des Ford Mondeo. Mit Frontantrieb, Dieselmotor und dem 2004 vorgestellten Kombimodell Estate brach dieser Wagen mit zahlreichen lang gepflegten Jaguar-Traditionen. Wie schon in den Anfangstagen des Unternehmens sollten günstige Preise deshalb neue Käuferschichten erschließen und die Marke erfolgreich machen. Als Ford dann in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, boten die Amerikaner die Edelmarke zum Verkauf an. 2008 wechselte Jaguar in den Besitz des indischen Konzerns Tata.

Inzwischen geht das Unternehmen mit seinen neuen Modellen XF und XJ für eine Traditionsmarke durchaus mutige Wege im Design – und ist damit erfolgreich. Tata-Chef Carl-Peter Forster hat in diesem Jahr verkündet, dass die britische Marke wieder schwarze Zahlen schreibt. In Deutschland stiegen die Verkaufszahlen des XF in den ersten sechs Monaten um fast 40 Prozent auf mehr als 1.000 Fahrzeuge – ein schönes Geschenk zum Geburtstag.

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