Daimler-Vorstand droht dem Betriebsrat

„Die Kluft zwischen der Konzernführung und der Belegschaft wird immer größer“

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Eine Daimler-Sprecherin bestätigte, dass derzeit verschiedene Alternativen geprüft würden. Um wie geplant Zukunftstechnologien in Untertürkheim umzusetzen, müssten dort entsprechende Voraussetzungen zum Beispiel bei den Flächen geschaffen werden. Dazu gehöre auch, dass nicht am angestammten Portfolio festgehalten werden könne. Man strebe aber weiterhin eine konstruktive Lösung zusammen mit den Arbeitnehmervertretern an.

In dem Schreiben heißt es, die Vereinbarung zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2029 habe selbstverständlich Bestand. Zugleich bitten Schäfer und Burzer die Beschäftigten darum, flexibel zu sein und im Einzelfall auch einen Wechsel in ein anderes Werk in der Nähe in Erwägung zu ziehen.

„Die Kluft zwischen der Konzernführung und der Belegschaft wird immer größer“, beklagte der Untertürkheimer Betrebsratschef Michael Häberle am Mittwoch. „Dass der Vorstand die Kolleginnen und Kollegen jetzt aber zusätzlich verunsichert, indem er droht, wichtige Zukunftsthemen an andere Standorte zu geben, ist ein Schlag ins Gesicht.“ Man sei durchaus bereit, Vereinbarungen anzupassen, und man hänge auch nicht einseitig am Verbrenner. Aber die Prämisse sei eben die Kompensation.

„Wir haben immer mehr den Eindruck, dass der angebotene E-Campus in erster Linie ein Trojanisches Pferd ist, mit dem der Vorstand versucht, in Untertürkheim vereinbarte Regelungen zu kippen und bereits heute einen Abbau von Arbeitsplätzen künstlich zu erzwingen“, sagte Häberle.

„Dass wir willkürlich Arbeitsplätze abbauen wollen, ist schlicht falsch“

Auch im Truck-Bereich ist die Stimmung aufgeheizt, auch dort stehen Tausende Stellen zur Disposition. „Kahlschlag droht, wenn wir uns nicht wehren!“, hatten die Betriebsräte mehrerer Standorte kürzlich an die Beschäftigten geschrieben. „Das können wir so nicht stehenlassen“, heißt es nun in einem Schreiben, das unter anderem von Daimler-Trucks-Vorstandschef Daum und Personalvorstand Jürgen Hartwig unterzeichnet ist und der dpa ebenfalls vorliegt. „Kahlschlag unterstellt, dass wir willkürlich Arbeitsplätze abbauen wollen, und das ist schlicht falsch.“

Man müsse einerseits die Kosten senken, vor allem in Europa, und andererseits die technologische Transformation schaffen. Man suche den Dialog mit den Arbeitnehmervertretern, um gemeinsam die besten Lösungen zu finden. „Aber eines wollen wir Ihnen ganz offen sagen: Wir können nur Maßnahmen ergreifen, die wirtschaftlich sind“, schreibt das Management. Daher müsse man sich darauf einstellen, dass in einigen Bereichen Beschäftigung wegfallen werde.

Eine Sprecherin bestätigte, dass es „spürbare Veränderungen“ in den Werken geben werde. Der damit verbundenen Verantwortung sei man sich bewusst und werde in den kommenden Monaten mit dem Betriebsrat über die zukünftige Ausrichtung der Standorte verhandeln.

(ID:47011743)