Neue Oldtimer Die können 2022 ein H-Kennzeichen bekommen

Von spx

Immer mehr Menschen wollen sich die vermeintlich „gute alte Zeit“ in die Gegenwart holen und nutzen dazu einen Oldtimer als Zeitmaschine. So feiern die mindestens 30 Jahre alten H-Kennzeichen-Klassiker Zulassungsrekorde. 2022 kommen über 120 neue Modelle neu hinzu.

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Im Oktober 1992 stellte Renault den Twingo vor, der mit ungewöhnlichem Design und Innenraumkonzept ohne nennenswerte Änderungen fast 15 Jahre angeboten wurde. Allein hierzulande konnte der Importeur mehr als einen halbe Million Einheiten absetzen. Beliebtes Ausstattungsdetail war seinerzeit das ab Werk lieferbare Faltschiebedach.
Im Oktober 1992 stellte Renault den Twingo vor, der mit ungewöhnlichem Design und Innenraumkonzept ohne nennenswerte Änderungen fast 15 Jahre angeboten wurde. Allein hierzulande konnte der Importeur mehr als einen halbe Million Einheiten absetzen. Beliebtes Ausstattungsdetail war seinerzeit das ab Werk lieferbare Faltschiebedach.
(Bild: Renault)

Das begehrte H-Kennzeichen feiert 2022 sein Silberjubiläum. Und die Automobilindustrie gratuliert zu diesen 25 Jahren behördlicher Oldtimerförderung mit einer erstaunlichen Vielfalt historischer Fahrzeugtypen, die sich als neue Kandidaten für den amtlichen Oldtimerausweis vorstellen. Von A wie Alfa (155) bis Z wie Zagato-Lancia (Hyena) sind über 100 Debütanten des Jahrgangs 1992 dabei, dies vor allem nach dem Motto: „Es lebe der Sport.“

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Tatsächlich verlangte der Zeitgeist damals mehr als zuvor extrem starke Coupés, Kombis und Familienkutschen, die für den Ritt auf der Kanonenkugel gut waren oder beim Ampelsprint die Faust im Nacken spüren ließen. Darunter der McLaren F1 als schnellstes Hypercar der Welt und Herausforderer der endlich ebenfalls in Serie gebauten Jaguar XJ 220 und Bugatti EB 110 S, aber auch wilde Wölfe im Pelz des Kombi-Praktikers wie BMW M5 oder Audi S4 Avant 4.2 V8 bis hin zum Kraftzwerg Mini Cooper, der ein Revival feierte.

Anders als heute: Autos mit freundlicher Mine

„Twingo. Der macht die Welt verrückt!“, versprach dagegen die Renault-Werbung und tatsächlich begeisterte der winzige Gallier ganz ohne PS-Gewalt Millionen Käufer mit vanartigem Raumangebot und treuem Augenaufschlag. Im Jahr 1992 zeigten Autos wieder Gesicht, so auch die Neuauflage des Nissan Micra, die mit Kuscheltieroptik Frauen und junge Autofahrer mitten ins Herz traf. Trotzdem haben gerade von diesen preiswerten Kleinen relativ wenige bis heute überlebt, was die Suche nach mindestens 30 Jahre alten Anwärtern für ein H-Kennzeichen erschwert.

Wer seinen Klassiker als historisches Fahrzeug zulassen will – insgesamt sind bereits rund 600.000 Pkw beim Kraftfahrt-Bundesamt mit H-Kennzeichen registriert – muss allerdings noch einige weitere Voraussetzungen erfüllen, bevor es steuerliche Vorteile und freie Fahrt in Umweltzonen gibt. So muss sich der Oldtimer in einem guten und authentischen Zustand befinden, attestiert durch ein Gutachten. Immerhin wurde der Autojahrgang 1992 grundsätzlich auf eine lange Lebenserwartung präpariert, wovon technologisch raffinierte Modelle aus Japan damals eindrucksvoll durch vordere Plätze in Zuverlässigkeitsrankings kündeten.

Die Japaner werden immer präsenter

Dazu zählen der erste Subaru Impreza (Boxer und Allrad in der Kompaktklasse und Basisfahrzeug für Rallye-Weltmeister), der erneuerte Mitsubishi Galant (Allradlenkung und Allradantrieb), der luxuriöse Mazda Xedos 6 (Downsizing-V6 mit Laufkultur der Oberklasse), der Wankelmotor-Renner Mazda RX-7, aber auch der niedliche Nissan Micra als trendigster Mini der Moderne. Diesem fernöstlichen Verführer gelang eine Sensation: japanische Qualität zu Kleinwagen-Kosten, gebaut von Robotern in England. Damit brillierte der Micra europaweit als bezahlbarer Stadtflitzer, während der gleichfalls frisch und frech-fröhlich wirkende Fiat Cinquecento die technische Basis für feinste Alta Moda in Form von Crossover-Coupés und -Cabrios der Karossiers Coggiola, Bertone, Stola oder Ital Design lieferte.

Vermeintlich fade Hausmannskost in Form konservativer Stufenhecklimousinen durften 1992 natürlich ebenfalls nicht fehlen, verkaufte sich diese doch in den östlichen Bundesländern des soeben wiedervereinigten Deutschlands besonders gut. Dazu zählten das Golf-Derivat Volkswagen Vento (erstmals mit furioser V6-Motorisierung), Opel Astra Viertürer, aber auch Toyota Carina (wie Nissan Micra und Primera „Made in England“), Mitsubishi Lancer und Hyundai Sonata V6. Modellnamen, die meist längst vergessen sind, und damit das Schicksal einiger historischer Ereignisse von 1992 teilen, die sich bis heute auswirken. Etwa die jährliche Begrenzung des Autoexports aus Japan in die EU, die Toyota, Nissan und Honda zum Aufbau europäischer Werke und Entwicklungszentren bewegte. Eine Strategie, die später auch die Koreaner einschlugen.

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