Halbleitermangel Die Versorgungskrise bessert sich 2022 nur langsam

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Das Neuwagenjahr 2021 ist praktisch abgeschrieben, der Chipmangel wird die Zulassungszahlen weiter nach unten treiben. Doch inzwischen schwinden auch die Hoffnungen für 2022. Daimler und Continental erwarten eine „allmähliche“ Erholung.

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Der fehlende Nachschub an Halbleitern wird die Automobilindustrie das ganze Jahr 2022 beschäftigen.
Der fehlende Nachschub an Halbleitern wird die Automobilindustrie das ganze Jahr 2022 beschäftigen.
(Bild: gemeinfrei/Gerd Altmann / Pixabay )

Halbleiter werden nach Einschätzung von Daimler-Vorstandschef Ola Källenius im gesamten kommenden Jahr weiter knapp bleiben. Die Lage bei den Chips sei „sehr volatil“ und mitunter von Unsicherheit und Sprunghaftigkeit geprägt, sagte Källenius am Mittwoch auf einer Branchenkonferenz des „Handelsblatts“.

Die größten Chiphersteller berichten laut Källenius, dass Angebot und Nachfrage sich im kommenden Jahr nicht ausgleichen werden. „Es wird uns im Kalenderjahr 2022 definitiv auch beschäftigen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Daimler hatte von Juli bis Ende September vor allem wegen des Chipmangels mehrfach die Produktion einschränken müssen. Sowohl im Pkw- als auch im Lkw-Bereich stehen viele Fahrzeuge fast fertig auf Halde, weil noch einzelne Chips fehlen.

Auch der Automobilzulieferer Continental rechnet für das gesamte kommende Jahr mit Problemen bei Mikrochips und erwartet zusätzlich stark verteuerte Rohstoffe. Die Versorgungslage bei den Halbleitern werde sich in den kommenden Monaten nur allmählich verbessern, die Branche aber noch „im gesamten Jahr 2022 belasten“. Die Neuwagen-Produktion werde weit unter dem Wert des Jahres 2019 mit 90 Millionen Fahrzeugen bleiben.

Möglich sei ein Anstieg der Produktion von Autos und leichten Nutzfahrzeugen von heuer rund 75 auf 83 Millionen Autos. An der Nachfrage der Endkunden bei den Autoherstellern hapere es nicht, die sei da. „Die Lieferkette ist jetzt praktisch auf null runtergefahren", sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Die Autobestände im Markt reichen derzeit laut den Daten nur für rund 10 bis 15 Tage – das Normalniveau sind rund 60 Tage. „Wenn sich der Stau löst, werden viele Autos benötigt, um die Nachfrage zu decken."

Die Unternehmensberatung EY hatte vor Kurzem bereits von massiven Auswirkungen des Chipmangels gesprochen. „Wir befinden uns gerade auf dem Höhepunkt der Krise“, glaubt deren Automobilexperte Peter Fuß. Extrem lange Lieferzeiten, verärgerte Kunden und einbrechende Umsätze seien „die traurige Realität im zweiten Krisenjahr“. Neben Deutschland mit minus 35 Prozent sanken die Neuzulassungen in Spanien um 20 Prozent, in der Schweiz um 28 Prozent, in Frankreich um 31 Prozent, in Italien um 35 Prozent und in Österreich sogar um 39 Prozent.

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