Gebrauchtwagen Die Ware wird knapp

Autor: Jens Rehberg

Zu immer unberechenbareren Lieferzeiten bei Neuwagen aufgrund der Halbleiterkrise kommen zunehmende Probleme, genügend Gebrauchte zu bekommen. Nach Zahlen der DAT bestätigt dies die Mehrheit aller Händler.

Firmen zum Thema

Der Gebrauchtwagenmarkt fährt mit seinen 531.109 Besitzumschreibungen im Mai gerade mit gezogener Handbremse.
Der Gebrauchtwagenmarkt fährt mit seinen 531.109 Besitzumschreibungen im Mai gerade mit gezogener Handbremse.
(Bild: Achter / »kfz-betrieb«)

Für 65 Prozent der deutschen Autohändler sind gerade junge Gebrauchte derzeit nicht in ausreichender Zahl verfügbar. Dies ist eines der Ergebnisse des Juni-„Barometers“ der Deutschen Automobil Treuhand (DAT). Mehr als drei Viertel aller Befragten bestätigten zudem, dass generell die Beschaffungssituation von Neu- und Werksdienstwagen beim Hersteller schwierig sei.

Dementsprechend stabil entwickeln sich die GW-Preise: Dreijährige Diesel werden nach Zahlen der DAT aktuell im Schnitt mit 52,9 Prozent des ehemaligen Listenneupreises gehandelt (Mai 2020: 51,3%), dreijährige Benziner im Schnitt für 55,5 Prozent (Vorjahr: 55,4%).

„Die Autos werden teurer, weil es eine Verknappung gibt“, bestätigte der Chef der Wellergruppe, Burkhard Weller, der DPA am Donnerstag auf Anfrage. Auf fünf bis sieben Prozent schätzt er den Preisanstieg. „Unsere Bestände waren noch nie so niedrig“ und es sei noch nie so schnell gegangen, die Autos zu verkaufen.

Speziell Jungwagen fehlen. Die kommen normalerweise aus Dienstwagen- und Vermieterflotten. Doch die Vermieter, die die Autos meist nur wenige Monate halten, hatten ihre Flotten in der Corona-Krise stark eingedampft und bauen sie erst seit Kurzem wieder aus. Zudem kamen Dienstwagen teils noch nicht zum Händler zurück, weil sie weniger gefahren wurden, wie sowohl Weller als auch Thomas Peckruhn, Eigentümer der Autohaus Liebe Gruppe und stellvertretender Präsident des Zentralverbands des Deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK), erzählen.

Keine Entspannung in Sicht

„Die waren ja alle im Homeoffice und sind nur wenig gefahren“, sagt Peckruhn. Außerdem habe es in der Zeit des Lockdowns auch weniger Tageszulassungen gegeben. „Gebrauchte sind momentan ein knappes Gut“ sagt der ZDK-Vize. Daher müsse man sie auch nicht billig machen, um sie zu verkaufen. Das gelte aber vor allem für begehrte Modelle, die teilweise 10 Prozent teurer sein könnten, sagt er. Bei anderen hätten sich die Preise dagegen nicht geändert.

Eine schnelle Entspannung der Preise ist kaum zu erwarten, da sind sich die Händler einig. Dazu trägt auch der Chipmangel bei, der derzeit die Neuwagenproduktion bremst, wie Peckruhn sagt. Und Weller schätzt: „Ich würde glauben, es dauert bis Anfang 2022, bis sich das normalisiert.“

(ID:47479789)

Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Teamlead Newsdesk / Content Pool