Neue Reifen Die zweite Generation des Michelin-Alleskönners kommt

Autor: Jan Rosenow

Der 2015 vorgestellte Michelin Crossclimate war mit guter Leistung und offensiver Vermarktung das richtige Produkt für den durchstartenden Ganzjahresreifen-Markt. Der Nachfolger trifft nun auf eine ganz andere Konkurrenzsituation.

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Etwas zerklüfteter als beim Vorgänger: das Profildesign des neuen Michelin Crossclimate 2.
Etwas zerklüfteter als beim Vorgänger: das Profildesign des neuen Michelin Crossclimate 2.
(Bild: Michelin)

Es war das richtige Produkt zur richtigen Zeit: Als Michelin seinen ersten Ganzjahresreifen Crossclimate 2015 vorstellte, da entwickelte sich das Segment der Alleskönner gerade vom belächelten Kompromiss für Wenigfahrer zur gleichberechtigten dritten Säule neben Winter- und Sommerpneus. Und daran hatte auch der von Michelin etwas ungelenk als „Sommerreifen mit Wintereigenschaften“ bezeichnete Reifen seinen Anteil.

Mit seinem stark am Sommerreifen orientierten Profil trauten ihm anfangs selbst Experten nicht zu, auf Schnee reüssieren zu können. Doch die Testberichte zeigten, dass gute Wintereigenschaften nicht allein von der Anzahl der Lamellen abhängen. Und bei sommerlichen Bedingungen hängte der Crossclimate die auf Winterprofilen und -mischungen basierende Konkurrenz erst recht ab.

Doch mittlerweile haben die anderen Reifenhersteller nachgezogen und eigene Ganzjahresprofile auf den Markt gebracht, die oft wie Klone des Crossclimate aussehen. Deshalb musste Michelin nun seinerseits nachlegen und hat jüngst in einer virtuellen Pressekonferenz den Crossclimate 2 vorgestellt.

Der Hersteller hat sein neues Produkt vom TÜV Süd mit einer Reihe von Premiumkonkurrenten (Bridgestone Weather Control A005 Evo, Continental Allseason-Contact, Goodyear Vector 4 Seasons Gen-3 und Pirelli Cinturato All Season Plus) vergleichen lassen. Dabei konnte sich der Franzose in folgenden Kriterien auf Platz eins setzen:

  • bei Bremsen auf trockener Straße (neu)
  • bei Bremsen auf nasser Fahrbahn (im verschlissenen Zustand)
  • bei Bremsen auf Schnee (neu und im verschlissenen Zustand)

Auch bei der Traktion auf Schnee und beim Bremsen auf nasser Fahrbahn sowie bei der Laufleistung lag der Crossclimate 2 im Spitzenfeld der Vergleichsgruppe. Auffällig war indes, dass andere Hersteller den früheren Michelin-Vorsprung bei der Langlebigkeit bereits egalisiert haben (Continental, Pirelli) oder die Franzosen hier übertreffen (Goodyear).

40 Prozent Sortimentszuwachs

Anders als die anderen Hersteller ermuntert Michelin seine Kunden jedoch, die Reifen bis zur gesetzlichen Grenze von 1,6 Millimetern Restprofiltiefe zu nutzen. Dabei raten Experten unisono dazu, Winterreifen bei vier Millimetern und Sommerreifen bei drei Millimetern zu tauschen, weil ansonsten die Wasserverdrängung und damit die Aquaplaningsicherheit nicht mehr ausreichend gegeben sind. Mit seiner Gummimischung und den abgestuften Lamellen hat Michelin dem Crossclimate 2 aber jedenfalls gute Voraussetzungen für ein langes Leben und stabile Leistungen mitgegeben.

Zu den Techniken für eine bessere Haftung, die Michelin unter dem Kunstnamen Evergrip zusammengefasst hat, gehören beispielsweise abgeschrägte Profilrillen, die die Bodenaufstandsfläche vergrößern und den Bremsweg auf trockener Straße verkürzen. Aussparungen in der Profilblöcken halten den Schnee in den Rillen und verbessern den Schneegrip. Und Hohlräume in den Querlamellen öffnen sich bei steigender Abnutzung und gleichen so das schwindende Volumen des Profilnegativanteils aus. Generell wirkt das Profilbild des Crossclimate 2 nicht mehr so glattflächig wie beim Vorgänger, sondern ist etwas zerklüfteter.

Der Michelin Crossclimate 2 wird in 105 Größen für 15- bis 20-Zoll-Räder angeboten. Das Programm umfasst 65 neue Dimensionen – das entspricht einem Sortimentszuwachs von 40 Prozent gegenüber dem bisherigen Crossclimate Plus.

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group